Bernard Heuvelmans - Jäger der unbekannten Tiere Drucken E-Mail
Geschrieben von: Francois de Sarre   
Mittwoch, den 24. Mai 2006 um 01:00 Uhr
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Als ich zum ersten Mal von Dr. Bernard Heuvelmans und von seinem Forschungsbereich der fabelhaften, von der Naturwissenschaft "abgelehnten" Tiere, hörte, war ich nicht mal 10 Jahre alt...

Ich weiß noch, wie ich die beiden nebeneinander stehenden Bücher: "Sur la Piste des Betes Ignorees" (Auf der Spur der unbekannten Tiere) auf dem Regal einer Bibliothek sah. Der l. Band befaßte sich mit Süd-Ost-Asien und Ozeanien, der 2. Band war die Fortsetzung davon und behandelte die unbekannte Tierwelt von Afrika, Amerika, und nicht zuletzt von Sibirien. Gab es dort zum Beispiel noch überlebende Mammute, irgendwo in den dichten und weiten Taiga-Wäldern? Der berühmte "Schneemensch", von dem man z.Z. im Fernsehen viel sprach (Daily Mail-Expedition), wurde ebenfalls ausführlich behandelt. Mein Interesse wuchs zunehmend!

Die zwei Bände standen da griffbereit, zum Ausleihen. Ich glaube, es war damals in Saarbrücken, in der Bibliothek des französischen Konsulats. Ich konnte sie gleich mitnehmen, wenn ich wollte! Eigentlich, war ich gekommen, um Bücher von Jules Verne oder von Karl May zu entleihen. Ich träumte von derartigen Abenteuern in fernen Ländern! Aber irgendwie erschienen mir Heuvelmans' Bücher noch viel aufregender. So wirkten die Bücher von Bernard Heuvelmans auf mich als jungen Burschen doppelt so aufregend wie die üblichen Abenteuergeschichten, die man sonst überall auch zum Lesen bekommt! Ich zögerte also nicht lange und nahm die beiden Bände: "Sur 1a Piste des Betes Ignorees" mit...

Ich kann heute ohne Zweifel behaupten, daß das Lesen von Heuvelmans' Büchern meinen Entschluß, Zoologe zu werden, damals in den Weg leitete. So wurde meine erste "Begegnung" mit dem Meister der Kryptozoologie zu einem entscheidenden Punkt in meinem noch jungen Leben! Sicherlich war ich bereits ein naturliebender Bursche gewesen und nahm alles Getier mit nach Hause, das ich fand, oft zum großen Entsetzen meiner Mutter (Spinnen und Schlangen versuchte ich zu Halten und zu Züchten, ebenfalls Molche, Stichlinge oder aus dem Nest gefallene Vögel, die ich aufzuziehen versuchte). Mein Zimmer und ein Teil der Keller waren zur großen Schauausstellung, bzw. zu Aufzuchträumen geworden. Ich hatte sogar Blindschleichen in meinem Schlafzimmer, die auch mal aus dem Terrarium entflohen und sich zum großem Entsetzten mancher Besucher kreuz und quer durch die Zimmer schlängelten.

Das Lesen des Hauptwerkes von Bernard Heuvelmans: "Sur Ia Piste des Betes Ignorees", war es also gewesen, was meine Berufung als Naturforscher bekräftigte: "Ich werde Zoologe!", sagte ich bereits zu meinen Eltern. In der Schule hatte ich auch die besten Noten in Biologie! So fing nach dem Abitur mein Zoologie-Studium an der Saar-Uni an. Da ich in den Jahren vor Studienbeginn immer mehr Interesse für Fische zeigte, die ich in kleinen Becken züchtete (sogar seltene, oder schwer aufzuziehende Arten aus den afrikanischen Seen waren dabei), spezialisierte ich mich nach einigen Semestern auf Ichthyologie (Fischkunde).

So kam ich bis nach Tunesien, wo ich viele Jahre verbrachte und die dortige Fischfauna untersuchte, insbesondere die kleinen ca. 10 cm langen "Schleimfische", die unter den Steinen des Strandes und an Unterwasser-Klippen und Felsen, zu finden waren. Grund dafür war, daß diese Fischlein kein wirtschaftlichen Wert besaßen (sie waren schlicht weg ungenießbar) und somit wissenschaftlich vorher kaum untersucht worden waren. Man wußte nicht einmal genau, wie viele Arten es im Mittelmeer gab und wie groß ihre Verbreitungsareale wirklich waren. So konnte ich mich dieser Fischgruppe mit ganzem Herzen widmen. Im Jahre 1985 beschrieb ich sogar eine neue Art aus der Adria, Lipophrys heuvelmansi... Zu Ehren von Bernard Heuvelmans!

Der Leser wird verstanden haben, daß sich unsere Wege gekreuzt, oder besser gesagt "wieder gekreuzt" haben, wenn man sich an meine Entdeckung seines Buches über unbekannte Tierarten erinnert, welches ich in der Konsulatsbibliothek gefunden hatte!
Anfang der 80er Jahre trat ich mit Dr. Heuvelmans in Kontakt, seltsamerweise nicht etwa wegen Geschichten über unbekannte Tiere oder Berichte zu Fabelwesen oder "Monstern" (wie das berühmte Loch Ness-Ungeheuer, oder der nepalesische Yeti!), sondern mehr aus zoologisch-theoretischen Erwägungen heraus...!

Hier die Erklärung: Während meines Zoologie-Studiums wurde ich in zunehmender Weise skeptisch, wenn von einer Umwandlung der Fische in Amphibien (Lurchtiere), von letzteren dann in Reptilien (Kriechtiere) bis hinauf zu den Säugern, gesprochen wurde. Als Student kann man oft nicht umhin, das "Maul zu halten", wenn man prinzipiell anderer Meinung ist! Das gilt ebenso, wenn man in einem Zoologischen Institut beschäftigt ist, oder von einer anderen wissenschaftlichen Behörde zu Forschungszwecken irgendwie finanziell abhängig ist. Hier gilt nur die "reine" scholastische (schulwissenschaftliche) Linie. Wer sich nicht daran hält, wird eben gefeuert!

So schlug ich meinen eigenen Weg ein und wurde Beamte der staatlichen Gesundheitskasse, hier in Nizza (Süd-Frankreich). Aber zurück zum Thema (obwohl ein Vergleich hier mit Heuvelmans' Lebenslauf ebenfalls gezogen werden könnte, da dieser ja nach Erlangen der Doktorwürde in Brüssel –die Universitäts"zwänge"- verließ, um als freier Naturwissenschaftler nach Paris zu ziehen, wo er seine persönlichen Überzeugungen (die Suche nach unbekannten oder als ausgestorben geltenden Tieren) zwanglos und ohne "Veto" von Seiten der Universität! entfalten konnte...

Heuvelmans' Lebensziel war es, nach Tieren zu fahnden, die aus Legenden und aus lokalen Berichten bekannt waren, auch wenn sie von der offiziellen Seite nicht anerkannt wurden. Oft traten sie in den sog. Bestarien des Mittelalters auf und wurden der Phantasie einzelner Weltreisender aus jener Epoche zugerechnet. Für die akademische Zoologie gab es diese Tiere einfach nicht. Sie waren eben "Fabeltiere" .

Bernard Heuvelmans wurde während seines Studiums in Brüssel in den 40er Jahren von einer naturwissenschaftlichen Theorie geprägt, die ihm von seinem Doktorvater, Serge Frechkop, vermittelt wurde.

Es war die Theorie der ursprünglichen Zweifüßigkeit (oder der initialen Bipedie), die auch vom Berliner Anatom Professor Max Westenhöfer heftig verteidigt wurde.

Nach dieser Theorie waren die ersten Säugetiere echte Zweifüßer gewesen, die wie wir "normal" auf zwei Beinen gingen. Die quadrupeden Tiere (d.h. die große Mehrzahl der Wirbeltiere, mit der bemerkenswerten Ausnahme der Vögel und vieler Dinosaurier!) haben sich erst hinterher, im Verlauf ihrer Stammesgeschichte, von Zwei- auf Vierfüsser entwickelt, und nicht umgekehrt, wie die gängige Lehrmeinung es wissen will...

Bernard Heuvelmans publizierte in den 50ern Jahren einige gut dokumentierte Schriften über ursprüngliche Bipedie.

Nach 1955 war der Erfolg seines Buches: "Sur 1a Piste des Betes Ignorees", jedoch so stark (es wurde bald ins Englische und in andere Sprachen übersetzt), daß der belgisch-französische Zoologe sich dann fast ausschließlich mit Kryptozoologie befassen konnte, obwohl er hin und wieder das Thema der ursprünglichen Bipedie auf die Bühne zurückbrachte, wie beispielsweise in seinem famosen Buch: "L'Homme de Neanderthal est toujours vivant" (1974), das er zusammen mit dem russischen Anthropologen Boris Porchnev schrieb (darin wird u.a. über den Vorfall mit dem "Minnesota Iceman" berichtet). Wir werden bald darauf wieder zu sprechen kommen.
Was ich oben kurz andeuten wollte, ist lediglich, daß ich mit großem Enthusiasmus Heuvelmans' Haltung teilte, daß eine Revidierung unserer überholten Einstellung zur Evolution und Klassifizierung der Wirbeltiere unbedingt erforderlich war! So fingen wir an, Bernard Heuvelmans und ich, am Anfang der 80er Jahre, eine rege Korrespondenz herzustellen. Heuvelmans sendete mir freundlicherweise alle sich in seinem Besitz befindlichen Werke von Dr. Serge Frechkop über initiale Bipedie, ebenfalls seine eigenen Schriften über das Thema, sowie Publikationen von Prof. Max Westenhöfer, die sonst für mich von Nizza aus über Uni-Fernausleihe sehr schwer zu bekommen gewesen wären.

Im Jahre 1985 war dann endlich der große Augenblick gekommen, an dem ich die persönliche Bekanntschaft von Bernard Heuvelmans machte. Ein wohl unvergeßlicher Moment!

Wir haben uns auf der kleinen Insel Le Levant verabredet, wo Heuvelmans seit Jahrzehnten regelmäßig die Sommermonate verbrachte (er hatte sogar dort einige Jahre gewohnt, so um 1965 herum). Von meinem Wohnort Nizza war die Insel nicht allzu weit entfernt. So kam es zur ersten Begegnung, bei der ich (der Leser erinnert sich vielleicht) den kleinen Fisch aus der Adria, Lipophrys heuvelmansi, übergab (2 Exemplare sind auf der Welt bekannt: den Holotypus behielt ich, und den Paratypus überreichte ich also Bernard Heuvelmans, der seit dem den Fisch in einem Glas auf seinem Arbeitstisch sorgfältig aufbewahrt).

Bernard und ich sahen uns viele Male, fast jährlich auf der Insel Le Levant und einmal in Le Vesinet bei Paris, wo Heuvelmans sein Centre de Cryptozoologie aufgebaut hatte.

Seitdem sind bereits fast 5 Jahre vergangen. Leider ist Bernard sehr erkrankt und mag keinen Besuch mehr. Wir schreiben uns bloß noch zum Jahreswechsel.

{mosimage}Seine reichen Sammlungen (Krönung eines ganzen Lebens!) wurden dem Zoologie-Museum in Lausanne (Schweiz) übergeben. (Departement de Cryptozoologie Bernard Heuvelmans, Musee Cantonal de Zoologie, Palais de Rumine, Place de 1a Riponne 6, Lausanne).

Sie werden bald jedem ernsten Forscher zugänglich sein. Vielleicht wird noch in diesem Jahr , am 13. und 14. Mai 2000, ein Kongreß dort im Zoologie-Museum stattfinden, zur Ehre des Meisters der Kryptozoologie. Alle unsere Gedanken werden Dr. Bernard Heuvelmans gewidmet sein, der dort in Le Vesinet. bei Paris auf sein umfangreiches, bahnbrechendes Werk getrost zurückblicken kann. Wir alle, seine Freunde und seine Schüler, werden uns an ihn mit großer Ergriffenheit erinnern!

Bernard Heuvelmans wurde am 10. Oktober 1916 in der Hafenstadt Le Havre, in Nordfrankreich geboren. Sein Vater war ein belgischer Richter aus Antwerpen, seine Mutter war Holländerin. Sie stammte aus einer Musikerfamilie, das erklärt auch warum Heuvelmans, außer einem Naturwissenschaftler auch ein hervorragenden Musikkenner und Jazzman wurde!

Durch seine Geburt auf französischem Boden, bekam Bernard Heuvelmans die französische Staatsangehörigkeit aufoktroyiert, dazu natürlich auch die belgische Nationalität seines Vaters. Somit gibt es ein gewisses Schwanken in vielen Werken und Artikeln, in denen Heuvelmans zitiert wird. Man spricht mal vom belgischen Zoologen, mal vom französischen Zoologen...

Er promovierte 1939 mit einer Arbeit über die Zahnstruktur und das Gebiß des südafrikanischen "Erdferkels". Von 1947 an lebte er hauptsächlich in Paris. Bernard Heuvelmans ist ein seit mehr als einem halben Jahrhundert in Frankreich weilender und wissenschaftlich arbeitender Belgier. Er wohnte in Paris, auf der Insel Le Levant., in Verlhiac (Südwestfrankreich), wo er 1975 sein erstes Centre de Cryptozoologie gründete und nun seit 1988 in Le Vesinet (bei Paris). In den 20er Jahren ging der junge Bernard während der Schulferien oft zu seinen Großeltern nach Antwerpen und besuchte den dortigen Tiergarten, wo er fast tagtäglich anzutreffen war. Schon war sein Entschluß gefaßt, Zoologe zu werden! Im Kryptozoologie-Zentrum bei Paris zeigte mir 1995 Bernard Heuvelmans seine Jugendzeichnungen von Tieren, die er aufbewahrt hatte. Sie stammen aus jener Zeit. Schon bevor er auf die Hochschule nach Brüssel (Universite Libre de Bruxelles) ging, war Bernard in den 30er Jahren ein Vordenker, was zum Beispiel auch die Jazzmusik betraf. Er gründete seine eigene Band mit dem Titel: "Bib Heuvelmans et les Hot Swings". Der Spitzname "Bib" blieb an ihm hängen. Als ich ihn auf der Insel Le Levant besuchte, war er jedem als "Bib" bekannt. Man brauchte nur nach "Bib" zu fragen, und jeder konnte einem den Weg zu ihm beschreiben. Jazz war für ihn mehr als nur ein Zeitvertreib oder ein Mittel, um während des Studiums etwas Geld zu verdienen. Er schrieb sogar 1951 ein Buch über: "De 1a Bamboula au Be-Bop" und befreundete sich mit Persönlichkeiten wie Josephine Baker, Duke Ellington oder Louis Armstrong.

Er schrieb ebenfalls Bücher mit philosophisch-wissenschaftlichem Inhalt: "L ´Homme parmi les étoiles" (1944), "L´Homme au creux de l´atome" (1946), "Le Secret des Parques" (1951-1952, in 3 Bänden).

Doch der promovierte Zoologe interessierte sich zunehmend in seinem Fachbereich für alles, was ihm "bizarr", "anormal" oder "aus dem Rahmen fallend" erschien.

So begann er methodisch Dokumente und Zeitungsberichte über ungewöhnliche Phänomene zu sammeln, vom "Froschregen" bis hin zum Loch Ness-"Monster" ...
Ausschlaggebend für ihn wurde 1948 das Lesen eines Artikels von Ivan Sanderson aus der Sunday Evening Post: "There could be Dinosaurs"...

Wie er mir viel später erzählte, kam ihm in diesem Moment der Einfall, ein ganzes Buch über die unbekannten Tiere der Welt zu schreiben.. Vielleicht hatten Riesen und "Monster" aus der Vergangenheit irgendwo in abgelegenen Orten überlebt? Vielleicht gab es noch viele weitere unbekannte Tierarten, wie den "Schneemenschen" und die "Seeschlangen", die von der Wissenschaft nicht anerkannt wurden und trotzdem reale Lebewesen waren?

Als Zoologe wußte Bernard Heuvelmans, daß viele Tiere noch zu entdecken waren und nicht nur kleinere Insekten, Krebse oder Würmer, sondern eben auch große Meerestiere, Reptilien und Säuger...

Das Buch erschien, wie bereits mehrmals erwähnt, 1955 in einer französischen Ausgabe in 2 Bänden und wurde gleich zu einem Bestseller! Es wurde 1958 ins Englische (On the Track of Unknown Animals) übersetzt und in viele andere Sprachen auch, darunter Japanisch...

Ich selbst besitze Ausgaben in Serbo-Kroatisch und in Slowenisch, die mir von Bernard Heuvelmans überreicht wurden, da er wußte, daß ich oft: an die jugoslawische Adria zu Forschungszwecken kam und mich in den lokalen Sprachen zu üben versuchte.

Mehr als eine Million Exemplare von diesem Buch (das seltsamerweise nie ins Deutsche übersetzt wurde), wurden auf der ganzen Welt ausgeteilt! Das Interesse des Publikums und der Fachleute war groß.

Um 1958 wurde die Kryptozoologie zum Teilgebiet der Zoologie. Dieses Wort (aus dem Griechischem kryptos = versteckt, zoon = Tier und logos = Lehre) wurde vom Naturforscher Lucien Blancou geprägt und zum ersten Mal bei der Widmung eines Buches über die Canidae (Hundeartige) an: "Bernard Heuvelmans, Maitre de Ia Cryptozoologie", verwendet. Seitdem hat der Name Erfolg gehabt! Man spricht auch von "Kryptiden", wenn man von verborgen lebenden Tieren oder menschenartigen unbekannten Lebewesen spricht.

Der Yeti oder der Sasquatch, Nessie oder Caddy, sind "Kryptiden". Die Bezeichnung Cryptozoology wurde 1982 selbstverständlich gewählt, als es darum ging, eine zoologische Gesellschaft zu gründen, die sich mit dieser Thematik befassen sollte, ein wissenschaftlich anerkanntes Magazin ("Cryptozoology") jährlich herausgeben wollte, und Expeditionen auf der Suche nach unbekannten legendären Tiere durchführen wollte.

Die International Society of Cryptozoology (Tucson, Arizona, USA) wurde geboren. Bernard Heuvelmans, "Vater der Kryptozoologie", wurde zum Präsidenten, Richard Greenwell zum Sekretär gewählt.

Viele bekannte Wissenschaftler aus aller Welt gehörten zum board of direction, und die Organisation zählt mittlerweile bis 800 Mitglieder.

Seit Mitte der 90er Jahre, tauchen weitere Forschungszentren, die im gleichen Sinne arbeiten wollen, auf:

  • in Belgien (Cryptozoologia),
  • in England (Centre for Fortean Zoology),
  • in Italien (Criptozoologia),
  • in Frankreich (Cryptos; Association Francaise de Recherches Cryptozoologiques),
  • in den USA oder Canada, in Russland, und last but not least
  • in Deutschland (Interessengemeinschaft Kryptozoologische Forschungen / IGKF).


Somit lebt das Werk Bernard Heuvelmans in allen diesen Recherchengruppen weiter. Sein erstes Buch in englischer Fassung: "On the Track of Unknown Animals", hatte bereits in den USA die Expeditionen von Tom Slick auf die Spur des Schneemenschen gebracht., dann die Gründung der International Society of Cryptozoology, angeregt, die Expeditionen in den Kongo (auf der Suche des Mokele-Mbembe, Ursaurier der afrikanischen Sümpfe?) und nach Südchina (auf der Spur des Yeren, also des chinesischen Wildmenschen) beschleunigt.

Ich möchte dieses Porträt des belgisch-französischen Zoologen nicht beenden, ohne auf einige Gespräche einzugehen, die ich mit dem "Sherlock Holmes der Zoologie" hatte, als ich ihn auf der Mittelmeerinsel Le Levant oder in Le Vesinet besuchte.

Was ich einige Male aus seinem Mund hörte, war die schier unglaubliche Geschichte des eingefrorenen Affenmenschen (Iceman), den Heuvelmans in Begleitung von Ivan Sanderson auf einer Ausstellung in Minnesota sah und fotografierte.

Ich habe nie an der Echtheit der Geschichte gezweifelt, so aufrichtig wie mein Freund Bernard die ganzen Vorkommnisse schilderte. Er hatte, durch Glaswand und Eis etwas Biologisches sehen können, und das war keine aufgebaute und eingefrorene Puppe! Das kann ich gut verstehen. In dieser Hinsicht kann man einen Zoologen nicht betrügen und nicht für dumm verkaufen!

Als Ichthyologe kann ich das beteuern. Ich würde leicht jeden Scherz durchschauen, beispielsweise wenn man mir ein Sammlungsglas mit Alkohol und darin etwa einen Fisch aus Plastik, wie von den Anglern benutzt, zum Untersuchen zeigte! Auch wenn die Alkoholmischung trüb wäre oder wenn das Glas schwer durchsichtig ist, würde ich mit einem einzigen Blick erkennen, ob darin ein echter Fisch oder eine Attrappe schwimmt...!

Heuvelmans und Sanderson wußten also sofort, daß im Glassarg ein toter Mensch oder ein wenigstens menschenähnliches Wesen lag und keine Gummi-Puppe!

Der Kadaver roch sogar (aber der Geruch konnte eine Inszenierung gewesen sein). Viel wichtiger ist die Meinung eines erfahrenen Zoologen, der genau weiß, daß das ihm vorgeführte Objekt etwas Organisches darstellt!

Das die Leiche später durch eine Nachahmung ersetzt wurde, ist freilich eine andere Sache... Das hatte zumindest nichts mehr mit Anthropologie zu tun. Die Frage, die Bernard Heuvelmans im Dezember 1968 lediglich stellte, war: "Was war das?", im Sinne von: "War das ein anormales Exemplar unserer Spezies Homo sapiens, oder war das ein Relikt-Hominide, etwa ein überlebender Neanderthaler...?".

Wer am konkreten Thema interessiert ist und der französischen Sprache kundig ist, kann das dicke Buch: "L'Homme de Neanderthal est toujours vivant" (Plon, 1974) lesen.

Im ersten Teil des Buches gibt es auch viele Berichte und Überlegungen zum russischen Wald- und Schneemenschen, zusammengetragen von Boris Porschnev.

Heute richtet sich die Frage, was den Iceman betrifft, mehr nach dem Herkunftsort des betreffenden Hominiden. Stammt er wirklich aus Vietnam, wie Heuvelmans immer annahm, oder wurde der Waldmensch in den USA von Frank D. Hansen selbst erschossen?

Dieser Hansen war der Mann, der die tiefgefrorene Leiche auf Ausstellungen in Minnesota und in angrenzenden Landstrichen (auch in Kanada) zeigte.

Manche Autoren (darunter der Anthropologe Grover S. Krantz) denken nämlich, der Iceman war ein junger Sasquatch ("Bigfoot") gewesen. Aber auch ein Relikt-Neanderthaler könnte bis in unsere heutige Zeit hinein, in Nordamerika, überlebt haben.

Dies ist die Ansicht des französischen Hominologen Jean Roche.

Sicherlich sprach Bernard Heuvelmans mit mir auch des öfteren vom famosen Patterson-Film, der ein Bigfoot-Weibchen zeigen soll, welches in den Wäldern Kaliforniens dem Kameramann davonlief.

Für Heuvelmans war dieser Film bloß eine Fälschung: Im "Bigfoot" steckte ein Mann mit Affenkostüm!

Als ich Bernard Heuvelmans wieder einmal besuchte, war von einer anderen, allerdings viel gröberen Fälschung die Rede. Ein Engländer namens Anthony B. Wooldridge wollte in Nordindien 1986 den sagenhaften Yeti fotografiert haben. Das Bild war bereits in der ganzen Weltpresse veröffentlicht worden, und es gab tatsächlich einige Leute von der International Society of Cryptozoology, wie Richard Greenwell, die dachten, die Aufnahmen wären echt gewesen!

Heuvelmans sagte mir klipp und klar: "Sehen Sie, es handelt sich um einen Baumstamm oder um einen Felsen. Es gibt Spuren im Schnee, die sieht man gut auf dem Großwinkel-Foto; zuerst ging Wooldridge zu seinem "Yeti", um zu sehen was da wirklich war, und danach kam er zurück bis zur Stelle, wo er dann weit genug entfernt die Aufnahmen geschossen hat, die einen den Eindruck vermitteln, es wäre ein "Yeti".

Tatsächlich gab 2 Jahre später (1988) Anthony Wooldridge zu, daß er nur einen "abominable rock" fotografierte und somit die wissenschaftliche Welt an der Nase herumgeführt hatte...!

{mosimage}Als ich im gleichen Jahr Bernard Heuvelmans wiederum besuchte, war ich irgendwie stolzer denn je, dem "Sherlock Holmes der Zoologie" gegenüber zu treten!

Die 90er Jahre brachten unverkennbare Erfolge in der Kryptozoologie (obwohl die meisten Entdeckungen von "herkömmlichen" Zoologen gemacht wurden, weil die entdeckten Tierarten ja den Einheimischen bereits bekannt waren).
So zum Beispiel das Vu Quang-Rind und der Riesenmuntjak in Vietnam und eine Baumkänguruh-Art in Neu Guinea. An der Sulawesi-Insel in Indonesien wurde 1998 überraschenderweise eine ganz neue Population von Quastenflossern nachgewiesen. Den Fischern waren sie jedoch längst bekannt, unter dem Namen Raja Laut, wie es sich später herausstellte.

Leider nahm in diesem letzten Jahrzehnt der Gesundheitszustand des Dr. Heuvelmans rapid ab. Bis 1995 wurde gehofft, daß er seine bislang nicht publizierten Bücher (über verborgen lebende Bären, Großkatzen, über Waldmenschen und Seeungeheuer) noch veröffentlichen würde...

Der britische Kegan-Verlag konnte noch eine überarbeitete Version seines Opus Magnum: "On the Track of Unknown Animals", herausgeben.

Nach und nach sollten die anderen Bücher von Bernard Heuvelmans, sowohl die bereits erschienenen, wie auch die anderen noch nicht publizierten Bücher herausgegeben werden. Aber scheinbar wird nichts mehr daraus... Zumindest in absehbarer Zeit.
Am 17. Februar 1997 erhielt Bernard Heuvelmans in Hamburg den Gabriele-Peters-Preis - "Phantastische Wissenschaft", zur Ehre seines gesamten Lebenswerkes.

Die Laudatio wurde von GEO-Redakteurin Uta Henschel vorgetragen und der Preis wurde, da Heuvelmans aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst kommen konnte, an einen guten Freund, Hermann Reichenbach, übergeben.
Am 27. und am 28. März 1999 fand in Rom ein großer Kongreß über Kryptozoologie statt: "Sulla pista degli animali misteriosi", veranstaltet von Professor Franco Tassi und der Gruppo Criptozoologia Italia (Viale Tito Livio, 00136 Roma).

Zum ersten Mal in Europa wurden Kryptozoologen aus der ganzen Welt (China, Australien, USA, Canada, Russland und Westeuropa) eingeladen. Wir hatten alle an Bernard Heuvelmans voller Hochachtung gedacht, der wiederum nicht kommen konnte und wir haben wiederholt unsere besten und freundschaftlichen Grüße übermittelt, an den Vater der Kryptozoologie, den Sherlock Holmes der Zoologie und den Brehm der unbekannten Tierwelt, wie er auch oft genannt wurde!
Am 12. Oktober 1999 wurde im Zoologischen Museum von Lausanne die Abteilung zur Forschung Bernard Heuvelmans festlich eröffnet. Mehr als 1000 Bücher, 20.000 Dokumente, dazu Dias, Zeichnungen, Karteien, 12 Bilder von der Kunstmalerin Alika Lindbergh, befinden sich nun dort.

Die nächste Generation der Kryptozoologen im neuen Millennium klopft schon an der Tür...

Danke von ganzem Herzen, für alles, was Sie vollbracht haben, Dr. Heuvelmans!

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