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CABDOROSAURUS willsi -"Und die Seeschlange gibt es doch !“ Drucken E-Mail
Geschrieben von: Francois de Sarre   
Dienstag, den 23. Mai 2006 um 01:00 Uhr
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(Ein schallender Erfolg für die kryptozoologische Forschung)

Als im Jahre 1965 der weltbekannte französische Zoologe Bernard Heuvelmans sein dickes Buch über die Seeschlangen-Problematik [1] publizierte, stießen seine Überlegungen in wissenschaftlichen Kreisen auf höfliche Skepsis. Darin erkannte er, nach Bearbeitung von Hunderten von Augenzeugenaussagen, daß unter der Bezeichnung „Seeschlange" mehrere Tierarten aus verschiedenen Klassen zu unterscheiden seien, darunter: Fische, Reptilien und Säuger („Urwale", Robben) [2] .
Bernard Heuvelmans beschrieb somit u.a. eine besondere Form von marinen Säugern und gab ihr den lateinischen Namen: Halshippus olai-magni, d.h. „Das Meerespferd von Olaüs Magnus", in Ehre eines norwegischen Prälats des XVI. Jahrhunderts, der wohl der Erste war, der über diese bestimmte Seeschlangen-Art berichtet hat.

„Meerespferd" soll nicht etwa besagen, daß das Tier mit den Hufträgern verwandt sei, sondern bezieht sich lediglich auf sein Aussehen: Kopf und reichliche Mähne, wie beim Pferd.
Die maximale Länge dürfte ca. 20 Meter betragen und der Körper ist, wie wohl zu erwarten, gestreckt und schlangenförmig... Der Hals ist nur mäßig lang. Der Kopf ähnelt dem eines Pferdes oder eines Kamels, mit großen buschigen Schnurrhaaren und eine lange umfangreiche, rötliche Mähne, die am Hals herunterhängt. Auffallend sind die sehr großen runden, glühend flimmernden Augen, die auf ein Leben in der Zwielichtzone hinweisen, da wo es zwar schon sehr dunkel ist, aber wo funktionsfähige Augen noch gute Dienste erweisen können. Eine parallele Erscheinung gibt es bei den Kalmaren.
So kann vermutet werden, daß das Meerespferd sich tagsüber meist in einer Tiefe zwischen 100 und 300 Metern aufhält, und daß es während der Nacht sich der Oberfläche nähert, auf die gleiche Art und Weise wie seine Fangbeute (Fische und Kalmare). Die gleichmäßig dunkle Hautfarbe des Meerespferdes deutet ebenfalls auf eine pelagische Lebensweise, in relativ tiefen Seebereichen hin.
Von Bernard Heuvelmans wurde 1965 weiterhin angenommen, daß der von einigen Augenzeugen beschriebene waagerechte Schwanz (wie bei einem Wal), mit dem zackig aussehenden äußerlichen Rand, eigentlich aus dem zusammengefügten oder miteinanderverwachsenen Hinterfüßen bestand. Die Vorderflossen wurden nie richtig erblickt, da sie anscheinend stets unter der Wasserlinie versteckt blieben: Das deutet auch darauf hin, daß sie lediglich Steuer- und Ruder-, und nicht etwa Lokomotions-Funktion besitzen! Die Schwanz"flosse" und die mächtige Rumpfmuskelatur längs des Körpers übernehmen das Vorwärtstreiben, wie bei Walen und Delphinen. Dabei erfolgt die Bewegung, wie auf ähnlicher Weise auch bei den Raupen zu sehen, senkrecht, und nicht etwa, wie bei Schlangen, in der bekannten „zick-zack" Weise. Interessant dürfte zunächst auch das Verbreitungsareal des Meerespferdes sein: Nach Jill Emmet, wurde es mehr als 70mal beobachtet, meistens in den kalttemperierten Zonen des Nordatlantik (Massachussets, Norwegen) und des Nordpazifik (British Columbia, Alaska), aber auch ganz besonders im südlichen Pazifik um Australien (Queensland), Neu-Kaledonien und um die Fidschi-Inseln!

Die Story von „CADDY"

Unter dem Namen „Caddy" wurde die Seeschlange von British Columbia weltweit berühmt. Erste Beobachtungen stammen aus dem Jahre 1881 und sie haben sich bis zu den heutigen Tagen pausenlos fortgesetzt [4] . Die Zeugenaussagen wurden ganz besonders von den kanadischen Meeresbiologen Paul H. LeBlond und Edward L. Bousfield gesammelt und ausgewertet. Gesehen wurde ein schlangenförmiges Tier, das zwischen 5 und 20 Metern Länge maß, ohne Rückenflosse, und das kaum mit irgendeinem Fisch oder Wal verwechselt werden könnte (Kamelkopf!). Viele Zeugen, ob von einem Boot oder vom Land her beobachtend, sprachen von einer sehr hohen Schwimmgeschwindigkeit (bis 60 km/h!), wobei der Kopf aus dem Wasser hervorragte und der Rumpf die bekannten „Ringe" bildete.
Der Name „Caddy" kommt von Cadborosaurus ( = die Echse von Cadboro Bay). In dieser Bucht, bei der Stadt Victoria, wurde das Meerespferd im Jahre 1933 am häufigsten gesichtet. So wurde es in der Zeitung „Victoria Daily Times" am 11. Oktober 1933 vom Journalisten Archie H.B. Wills benannt. Der Name wurde sehr schnell zu... „CADDY"!
Aufsehen erregte das Tier, als berichtet wurde, daß es eine vorbeischwimmende Ente einfach herunterschluckte! Sonst gab es, hinterher, zahlreiche Beobachtungen. Allein in den letzten Jahren über ein Dutzend, die von LeBlond und Bousfield als ernst und vertrauenswürdig bezeichnet wurden...

Entdeckung im Pottwal-Magen

Wenn ein Pottwal erlegt wird und auf dem Deck eines Walfangbootes, oder an der Seestation, in Stücke geschnitten ist, wird dem voluminösen Magen eine ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Darin können nämlich sehr interessante Tierreste entdeckt werden, soweit sie nicht bis zur Unkenntlichkeit von den kräftigen Magensäften verdaut wurden!
„Lassen wir den Pottwal für uns fischen!", meinten bereits viele Meeresforscher, darunter Prinz Albert I. von Monaco, der das berühmte Ozeanographische Museum erbauen ließ. Das wußte sicherlich auch Dr. Bousfield, als er im Royal Museum of British Columbia auf Fotos eines sehr seltsamen Tieres stieß...
Das Ereignis fand eigentlich knapp 45 Jahre zuvor statt, im Jahre 1937. Im Magen eines Pottwales wurde an der Walfischstation von Naden Harbour (Queen Charlotte-Inseln) ein ca. 4 Meter langes schlangenartiges Getier gefunden, ausgestellt und gleich fotografiert. Glücklicherweise wurde es offenbar kurz vorher vom Pottwal aufgefressen, so daß es von den Verdauungssäften so gut wie unversehrt blieb.
Mit den Fotos, die nun als Holotypus und Paratypus gelten, konnten die beiden Biologen E.L. Bousfield und P. H. LeBlond die neue Art, Cadborosaurus willsi [5] wissenschaftlich beschreiben.
Auf solches Material kann Verlaß sein. Die Fotos sind gestochen scharf und man wird sie wohl nicht als Fälschungen in Verdacht haben können, zumal sie fast ein halbes Jahrhundert in einer Aktentasche verborgen blieben! LeBlond und Bousfield haben auch einen 80jährigen Handwerker der damaligen Walfischstation wiedergefunden, der sich, als damals 24jähriger Mann, ganz genau an diesen Vorfall erinnerte und bestätigen konnte, daß Aufnahmen von diesem seltsamen Geschöpf gemacht wurden!
Auf jeden Fall konnte keiner der damals anwesenden Personen das Tier mit dem merkwürdigen Kamelkopf identifizieren. Einige Gewebeproben wurden dann an das B.C.Provencial Museum weitergeleitet. Man sprach dort von einem „fötalen Bartenwal". Seitdem gilt leider dieses Beweismaterial als verschollen...

Naturwissenschaftliche Beziehungen

Zum gegenwärtigen Stand der Forschung über das Meerespferd kann folgendes gesagt werden:
Wir stehen einem Geschöpf gegenüber, das zwar riesig erscheinen mag („Monster"!), doch nicht größer als ein mittellanger Wal ist. Daß es noch unbekannte Riesen im Ozean gibt, ist eine nicht umzustoßende Tatsache. Vor 20 Jahren wurde ein 5 - 6 Meter langer, bislang total ignorierter Hai (Megachasma) seltsamen Aussehens entdeckt. Andere Haie, wie der Walhai (Rhincodon), können 20 Meter Länge erreichen. Vielleicht gibt es Weisshaie (Carcharodon), die noch viel länger und größer sind...
Dem juvenilen Exemplar aus Naden Harbour dürfte eine adulte Form entsprechen, die zwischen 15 - 20 Metern messen wird, was aus den Augenzeugenbeobachtungen auch klar hervorgeht. Die Bezeichnung „Seeschlange" ist auch zutreffend, doch darf nicht vergessen werden, daß mehrere nicht miteinander verwandte Tiere diese gleiche Namensgebung: „Seeschlange" teilen.
Wie vom französischen Kryptozoologen Michel Raynal trefflich angedeutet [6] , ist das 1965 von Heuvelmans an Hand von Zeugenberichten rekonstruierte Meerespferd zu 90% mit dem belegten Exemplar von E. Bousfield und P. LeBlond voll identisch. Es fragt sich, ob Cadborosaurus willsi nicht als Synonym für Halshippus olai-magni (der somit Vorrang erhält) zu setzen ist. Vielleicht handelt es sich beim ersteren lediglich um eine lokale Varietät des weit (in der Indik scheint es nur zu fehlen) verbreiteten Meerespferdes.
Zum Problem der zoologischen Zugehörigkeit haben sich bereits die oben genannten Forscher geäußert. B. Heuvelmans hält an der Pinnipedia (Seerobbenartige) fest, die beiden Kanadier sind eher dazu geneigt, ein mit dem Plesiosaurus verwandten Reptil in „Caddy" zu erkennen. Eine dritte Hypothese wäre, das fragliche Tier mit den Archaeoceten (oder „Ur"wale), und da speziell mit den Basilosauridae (=Zeuglodon), in Verbindung zu bringen. Es gibt Berichte (zuletzt bei Saanich Inlet, 1991), wonach ein Cadborosaurus auf trockenem Land gesehen wurde. Das würde eher für eine der beiden Säuger-Hypothesen sprechen, denn Meeresreptilien wären da auf dem Land sehr unbeholfen ... Die Flexibilität (oder Biegungsmöglichkeit) ihres Halses oder Rumpfes wurde in den Bilderbüchern stark übertrieben, zumal diese Flexion einzig in der waagerechten Ebene (d.h. schlangenartig), vollzogen werden konnte! - Plesiosaurus besaß bestimmt nicht die Anmut eines Schwans!
Eine andere anatomische Tatsache, die gegen die Reptilien-Angehörigkeit spricht, ist das Fehlen eines Schwanzes, beim Meerespferd. Die „Schwanzflosse" besteht lediglich aus den zusammengefügten Hinterbeinen und aus einem kurzen Stück von kaudalen Wirbeln, wie bei den Robben!
Besserer Kanidat für eine enge Beziehung zu den Otariidae (oder Ohrenrobben) ist sicherlich Megalotaria longicollis, eine andere „Seeschlange", die in vielen Weltmeeren vorkommt, aber auch besonders in Seen (Loch Ness?) [7].
Man kann sich fragen, ob Halshippus/Cadborosaurus auch nicht ebenfalls vom Ozean aus, bis in einige Seen „zu Fuß", mit Hilfe seiner Vorder- (flippers) und seiner Hinter-Extremitäten (Schwanzflosse mit gekrallten Zehen), eingetreten ist? Wie vielleicht „Ogopogo", im Lake Okanagan, ein berühmtes Seemonster aus British Columbia? - Wenn sie nachts oder bei düsterem Licht beobachtet werden, als sie raupenartig (und nicht etwa schlangenartig!) durch die Landschaft durchziehen, können ähnliche Tiere am Ursprung von Legenden über „riesenhafte Schlangen" mit Säugerkopf und Schnurrharen, stehen! - Ein gutes Unterscheidungsmerkmal zu großen Reptilien dürfte eben die Bewegungsart (=raupenartig, und nicht schlangenhaft, in „zick-zack"-Weise!), sein ...
Kann nun „Caddy" in Beziehung mit den Walen (im weiten Sinn) gebracht werden? Der lange, schlangenförmige Körper, der imstande ist, sowohl bei Schwimmen als auch auf dem Lande, die bekannten „Ringe" zu bilden, würde für diese Hypothese ganz gut sprechen.- Doch dürfte es sich kaum um Basilosaurus (=Zeugloden) handeln, der einen mäßig kurzen Hals und wahrscheinlich auch freie (wenngleich auch strark verkümmerte) Hintergliedmaßen vor dem Beginn seines Schwanzanteiles besaß! Wie vom britischen Kryptozoologen Darren Naish [8] betont, war Basilosaurus auch nicht so „flexibel", daß er seinen überlangen Körper in zahlreiche Ringe hätte umformen können ...
Meines Erachtens, dürfte an der Säuger-Natur des Meerespferdes kaum gezweifelt werden. Eine Zuteilung zu den „Ur"walen (die phylogenetisch keineswegs die Ahnen der Barten- oder Zahnwale darstellen [9] !), erscheint gerechtfertigt, doch wird die exakte Stellung von Halshippus/Cadborosaurus im natürlichen Tiersystem erst ermittelt werden können, wenn neue Belege aus British Columbia, oder von woanders her, vorliegen werden. - Was wir sehr hoffen!
Wenn adulte Tiere schwer zu fangen sind (man dürfte sich eben auf die eventuellen Schnappschüsse von Gelegenheitsphotographen verlassen, um näheres über ihr Aussehen zu erfahren!), können Jungtiere durchaus in Fischernetzen eingefangen werden ... Dies soll schon mal vorgekommen sein ... Die kanadischen Meeresforscher P. LeBlond und E. Bousfield sind auf jeden Fall sehr optimistisch eingestellt, und meinen, daß in den kommenden Jahren der endgültige Beweis (in Form eines - wenn möglich - in einem Marineland lebhaft umherschwimmenden jungen Cadborosaurus!) erbracht werden könnte ...
Ewige Skeptiker werden ihren Argwohn endlich zu Seite stellen müssen, denn das können wir bereits ganz laut verkünden: Die fabelhafte „Seeschlange" gibt es ja tatsächlich!


 

  • [1]Es sei nicht vergessen zu erwähnen, daß eine stattliche Anzahl von „Seeschlangen"-Sichtungen auf das Beobachten von Riesenkalamaren-Tentakeln (Architeuthis) zurückzuführen sind!
  • [2] in: Aqua Geographia, 11: 114, Aquaprint Verlag, 1995.
  • [3] Paul H. LeBlond & E.L. Bousfield: „Cadborosaurus, ancient survivor of the deeps", Horsdal & Schubart, 1995, Victoria, B.C.
  • [4] E.L. Bousfield & P.H. LeBlond: „An account of Cadborosaurus willsi, new genus, new species, a large aquatic reptile from the Pacific coast of North America", in: Amphipacifica, 1 (1): 3-25, April 20, 1995, Victoria.
  • [5] in: Cryptozoologia, 12 (4): 3, 1996, Brüssel.
  • [6] Bernard Heuvelmans: „Annotated Checklist of apparently unknown animals with which Cryptozoology is concerned", Cryptozoology, 5: 1-26, 1986, Tucson (USA).
  • [7] Darren Naish: „Ancient Whales, Sea Serpents and Nessies Part One: Pros and Cons", Animals & Men, 9: 16-23, 1996, Exeter (GB).
  • [8] Serge Frechkop: „Essai d'interprétation biologique de la structure des Cétacés", Bull. Mus. r. Hist. nat. Belg., 20 (13): 1-28, 1944, Brüssel, - Francois de Sarre: „On the Origins of Whales and Dolphins from an archaic marine form", Bipedia 11: 1-8, 1994, Nice

Quellennachweis:

  • Bernard Heuvelmans: „Le grand Serpent-de-Mer", Plon, 1965, 1975, Paris;
  • Bernard Heuvelmans: „In the wake of the Sea-Serpent", Hill & Wang, 1968, New York.
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