Bericht vom Kryptozoologie-Seminar 2003 Drucken E-Mail
Geschrieben von: Marozi   
Freitag, den 17. Oktober 2008 um 13:15 Uhr
AddThis

Archenhold-Sternwarte in BerlinAm 06. September 2003 veranstaltete die Interessengemeinschaft Kryptozoologische Forschungen / Berlin (IGKF Berlin) in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Anomalistik e.V. ein eintägiges Seminar über die Arbeit der Kryptozoologie in der Archenholdt-Sternwarte in Berlin-Treptow. Ziel des Seminars war es die im Bereich der Kryptozoologie diskutierten Hypothesen und die bisherigen Forschungsergebnisse kritisch zu evaluieren und bekannt zu machen.

Marozi war damals für Kryptozoologie-Online vor Ort und schrieb die nachfolgende Zusammenfassung, die auch im damaligen Seminarband des Pterodactylus erschien:

Bericht vom Kryptozoologie-Seminar 2003

Eine freundliche Empfangsdame an der Pforte der Archenholdt-Sternwarte wies mir und dem gleichzeitig eingetroffenen Referenten Peter Ehret den Weg vorbei an dem geschichtsträchtigen Saal, wo Albert Einstein seine Relativitätstheorie zum ersten Mal in Berlin vorgestellt hatte, und zahlreichen Aufbauten mit Informationen über unsere Galaxie und ihre Planeten, Sternenkonstellationen und Kometen. Ein Stockwerk höher, vor dem kleinen Lehrsaal der Sternwarte, standen denn auch bereits die ersten Gäste vor den aufgebauten Tischen, auf denen Informationsblätter und -broschüren zur Gesellschaft für Anomalistik e.V. und zur Interessengemeinschaft Kryptozoologische Forschungen Berlin zur Verfügung gestellt wurden. Obwohl die Eintrittskarten noch nicht vorhanden waren, bezahlte ich das Eintrittsgeld für das Seminar, erhielt als Ausweis einen Notizzettel mit meinem Namen und begutachtete das ebenfalls auf den Tischen zum Verkauf angebotene Material, das aus mehreren Exemplaren von Reinhold Messners „Yeti“-Buch, dem Buch "Der amerikanische Yeti" von Janet und Colin Bord, aber auch Filmen wie Jurassic Park u. a. bestand. Da meine eigene Bibliothek mit diesen Büchern bereits bestückt war, begab ich mich in den Lehrsaal, wo sich schon mehrere Referenten eingefunden hatten und angeregt Fachdiskussionen führten.

Pünktlich um 10:00 Uhr wurde die doch recht kleine Teilnehmerrunde (Referenten und deren Anhang mitgezählt) von etwa 15 Personen durch Herrn Edgar Wunder von der Gesellschaft für Anomalistik e.V. und Herrn Hans-Jörg Vogel von der Interessengemeinschaft Kryptozoologische Forschungen Berlin begrüßt und der geplante Ablauf des Seminars vorgestellt. Herr Vogel übergab denn auch recht schnell an den ersten Referenten des heutigen Tages, den bekannten Zoologen Francois de Sarre aus Nizza.

Kein geeigneterer hätte die Geschichte der Kryptozoologie hier Revue passieren lassen können, denn unter den heute Anwesenden pflegte er als Freund von Bernard Heuvelmans die engsten Verbindungen zu dem "Vater der Kryptozoologie". Aus diesem Grund war denn wohl auch die Definition der Kryptozoologie von Heuvelmans der Ausgangspunkt für die Reise in die Vergangenheit der noch jungen Forschungsrichtung, die sich jedoch als älter herausstellte als manch einer glaubt. De Sarre berichtete von den verwegenen Forschern einstiger Kolonialmächte, die sich tief ins unbekannte Afrika wagten und dort Tiere entdeckten wie das monströse, frauenraubende Ungeheuer, das uns heute als Berggorilla bekannt ist oder den Wissenschaftlern, die ihre Entdeckungen in Museen und Zirkussen machten. Er erläuterte die Methodik der Kryptozoologie und warum sie schon immer ein Teil der herkömmlichen Naturwissenschaft war, was sich auch anhand der zoologischen Geschichte beweisen lässt. Ergänzt wurde der Vortrag neben dem fachlichen Wissen als professioneller Kryptozoologe und Zoologe durch die Präsentation verschiedener Dias wie zum Beispiel der Fotografie eines Quastenflossers und Zeichnungen von "Patty", einer Seeschlange, Mammuts und einer Übersicht über die "Hot Spots" der Kryptide auf den fünf Kontinenten.

Planmäßig nicht vorgesehen war die anschließende kurze Diskussion über die Möglichkeit von psychologischen und soziologischen "Einbildungen", und wo ein reales Tier für die Kryptozoologie überhaupt zu existieren beginnt.

Erst mit sechs Minuten Verspätung begann dann der Vortrag von Natale Cincinnati über Zwergelefanten. Da sich die wesentliche Frage bei den Zwergelefanten weniger um ihre Existenz als vielmehr um ihre systematische Einstufung dreht, begann dieser mit einem kurzen Überblick über die sogenannte Taxonomie und die Stammesgeschichte der Rüsseltiere von entsprechenden Dias begleitet. Bei den heutigen Elefantenarten, ihren Unterarten und ihrer Verbreitung angekommen, erfolgte der Übergang zu den eigentlichen Zwergelefanten. So existieren seit dem 17ten Jahrhundert Berichte über diese und im Laufe der Jahre wurden mehrere Tiere in Zoos und Menagerien wie "Congo" oder "Tini" (phonetisch) ausgestellt. Zahlreiche Thesen und Gegenthesen wurden aufgeführt und das Problem der tatsächliche Einordnung der Zwergelefanten in das System der Zoologie diskutiert, denn was die wenigsten auch wissen ist, dass nach den Berichten möglicherweise zwei oder drei verschiedene Tiere unter der Bezeichnung "Zwergelefant" bekannt sind.
Natale Cincinnati gelang es als Sahnehäubchen sogar, einige Dias zu zeigen, die nirgends im Internet erhältlich sind. Darunter zum Beispiel einige Bilder der Analysen von Wolfgang Böhme und Martin Eisentraut.

Seminarband I/2003 des PterodactylusPunkt 12:00 Uhr endete das Referat und allen stand nach dem anstrengendem Verlauf der letzten Stunden das Bedürfnis nach Nahrung deutlich ins Gesicht geschrieben, weswegen einstimmig beschlossen wurde, die Diskussionsrunde ausfallen zu lassen.

Frisch gestärkt und mit einer erhöhten Teilnehmeranzahl von jetzt fünfundzwanzig Personen begann um 14:30 Uhr der "Neuling" in der Referentenrunde, Peter Ehret, seinen Vortrag über den sauropodenähnlichen Mokele-Mbembe aus Zentralafrika. Um sich dem komplizierten Thema zu nähern, bot er zuerst einmal einen Überblick über die Dinosaurier und Reptilien, sowie die Evolutionsgeschichte der "lebenden Fossilien" wie dem Quastenflosser, der Brückenechse oder dem australischen Lungenfisch. Nachdem Ehret, Autor bei dem Internet-Magazin "Mysteries-Online", den Dinosauriern so den Weg ins moderne Jahrtausend ebnete, berichtete und visualisierte er den Anwesenden die zahlreichen Sichtungen und Expeditionen des Mokele-Mbembe.
Sein Resümee: Ein theoretisches Überleben von Dinosauriern wäre möglich, zumal die Berichte eindeutig auf einen Sauropoden hinweisen. Die tatsächliche Natur des Mokele-Mbembe kann jedoch auch weiterhin nicht geklärt werden.

Das Mittagessen hatte den Geist der Teilnehmer spürbar angeregt, denn es entwickelte sich infolge eine reghafte Unterhaltung über den Unterschied zwischen Sauriern und Reptilien, den evolutionären Wert der "lebenden Fossilien" und einiger Details über durchgeführte Expeditionen und Tonbandaufnahmen zu Mokele-Mbembe.

Mit dem Beginn von Michael Schneiders (Herausgeber des Print- und Online-Magazins "Einsamer Schütze") Referat um 15:19 Uhr über die geheimnisvollen Ozeanwelten, verlagerte sich der Themenschwerpunkt für den Rest des Tages eindeutig auf das nasse Element. Eindrucksvoll schilderte dieser, wie unglaublich gering unser Wissen über fast 78 Prozent des Gesamtbestandes an Wasser unseres Planeten ist. Bis zur Mitte des 19ten Jahrhunderts stammten die meisten Berichte nur von Walfängern, während die Geschichte der Meeresforschung erst am Ende des genannten Jahrhunderts mit dem Bau eines Tiefseefangschiffes richtig begann. Mit fortschreitender Technik tauchte langsam die Flora und Fauna der Tiefsee aus den Weltmeeren auf, wobei die Menschheit sowohl aus kosten- als auch aus technisch/biologischen Gründen den Robotern heute den Vortritt lassen muss.
Nicht unerwähnt bleiben durfte bei diesem Thema natürlich der Riesenkalmar, den die Kryptozoologie aus der Fantasie von Seeleuten in die reale Welt brachte und auch die Große Seeschlange, die vielleicht im Gegensatz zu Architeuthis nur auf Verwechslungen mit anderen Tieren wie dem Riemenfisch basiert.

An dieser Stelle seines Vortrags angekommen, musste Michael Schneider erst mal unterbrechen, denn es wurden Fragen laut. Wie gleichen Tiere diesen Druck aus? Kann man die Tiere in der Dunkelheit der See nicht mit Infrarotkameras oder Sonar "sehen"? Manch anderer wäre völlig unvorbereitet diesen Fragen gegenüber gestanden, doch der Referent glänzte mit hervorragenden und ausführlichen Antworten.

Den Abschluss bildete der gefürchtete Carcharodon megalodon. Neben einer allgemeinen Vorstellung des Meeresraubtiers überraschte die Datierung einiger gefundenen Zähne mit "nur" 5000 Jahren!

Die Thematik "Tiefsee" bannte auch nach Megalodon die Teilnehmer, denn die Diskussion von vorhin wurde umgehend wieder aufgenommen und sorgte für viele weitere Informationen zur Erforschung der Tiefsee oder des Riesenkalmars Architeuthis.

Das letzte Referat hielt Ulrich Magin aus Raststatt, der über Jahre hinweg seinen Sommerurlaub in Inverness verbrachte und sich Tag für Tag die Meldungen der drei ansässigen Zeitungen durchlas, immer auf der Suche nach einem mysteriösen Seeungeheuer. Das Ergebnis dieser Mammutforschung war die Genese des Loch-Ness Monsters 1933/34. Wie man sich vorstellen kann, ist diese sehr ausführlich und kann daher gar nicht in allen Einzelheiten dieses Berichtes aufgeführt werden. Das Fazit von Ulrich Magin war, dass ein komplexer, soziologischer Prozess den Mythos Nessie schuf.

Die letzte Diskussion des Tages drehte sich dementsprechend auch überwiegend um diesen Mythos und die Möglichkeit, ob ein solcher Prozess nicht auch bei anderen Seeungeheuern der Ursprung ihrer Existenz ist.

Francois de Sarre, dem auf eigenen Wunsch nochmals eine kurze Präzision seines Vortrages eingeräumt wurde, gab den Kritikern zu bedenken, dass die Methodik der Kryptozoologie immens wichtig ist für die Naturwissenschaft und den Befürwortern, dass nicht nur große Tiere zur Kryptozoologie gehören.

Das Schlusswort wurde von Herrn Hans-Jörg Vogel gehalten, der für nächstes Jahr eventuell eine Reise für 5-8 Personen nach Schottland und für das übernächste Jahr ein weiteres Seminar in Rostock in Aussicht stellte.

Anmerkung: Die Interessengemeinschaft wurde durch Herrn Hans-Jörg Vogel geleitet, der damit seine mittlerweile zur Tradition gewordenen Seminare begründete. Die IGKF hingegen wurde wenige Jahre später aufgelöst.

Bildnachweis:

  • Archenhold-Sternwarte: Marozi
  • Seminarband: Hans-Jörg Vogel


Tags: Veranstaltung  Magazin  
Joomla Templates and Joomla Extensions by JoomlaVision.Com
 
Zufällige Artikel