Teratologie - Fehlbildungen des menschlichen Körpers

Alle Naturphänomene, die nichts mit Tieren zu tun haben

Teratologie - Fehlbildungen des menschlichen Körpers

Beitragvon Marozi » 11.11.2003 18:48

Notwendige Vorbemerkung: Im folgenden Artikel werden teilweise Begriffe verwendet die ethisch umstritten sind (beispielsweise "Zwerge"). Die folgenden Ausführungen sind jedoch rein wissenschaftlicher Natur und betrachten den Homo Sapiens als das was er tatsächlich ist - eine Spezies innerhalb der Säugetiere. Jegliche ethische Diskussion ist hier also fehl am Platz!

Der menschliche Körper ist eine äußerst komplizierte Struktur. Unsere Nervenbahnen sind kilometerlang, unsere Hand ist eines der vielfältigsten Werkzeuge der Natur, unsere Gene beherbergen den gesamten Code unseres Körpers. Und doch ist manchmal nicht alles so perfekt wie es geplant war...

1858 wurde in Ägypten der Totentempel der Königin Hatschepsut von Auguste Mariette ausgegraben. Darin befindet sich ein Flachrelief, das die Fahrt einer Flotte nach Punt darstellt. Das außergewöhnlichste an diesen Bildern ist die Darstellung der Königin Atti von Punt. Diese Königin hatte zu Lebzeiten offenbar eine verkrümmte Lendenwirbelsäule und wulstartige Fettmassen an Armen und Beinen. Es wird angenommen, dass die Königin Atti von Punt an vererbten Muskelschwund litt. Babylonische Keilschrifttafeln zeigen unterschiedlichste Formen von Doppelbildungen des menschlichen Körpers, während eine kleine Tonfigur aus Colima einen Zwerg mit verkrümmter Brustwirbelsäule darstellt. All das sind nur einige Zeugnisse, dass sich Mutter Natur nicht immer an den Bauplan hält.

Die Teratologie ist die Lehre der angeborenen Fehlbildungen, die bei jedem Lebewesen auftreten können. Ist diese Wissenschaft noch relativ jung, ist ihr Forschungsgebiet wie eben geschildert wahrhaftig uralt. "Monster, Mißgeburten, Dämonen und Krüppel" so nannte man die Menschen, die unter einer solchen Fehlbildung litten. Insgesamt lassen sich im groben sieben Kategorien bilden, die wir im folgenden einmal näher betrachten wollen.

Zwerge und Riesen

Im Jahr 1739 wurde der Pole Joseph Borulawski geboren. Als er im Alter von 98 Jahren als bekannter und hochintelligenter Autor starb, war er nur 77,5 Zentimeter groß. Borulawski war ein sogenannter Primordialzwerg. Diese weisen Körperproportionen gleich mit denen eines normalwüchsigen Menschen auf, jedoch sind die genitalen und sekundären Geschlechtsmerkmale meist zurückgeblieben. Sie werden mit normaler Größe geboren, durch eine Unterfunktion der Drüsen jedoch im Wachstum gehindert. Die sogenannten Sekundärzwerge besitzen einen nicht proportionalen Körperbau, der auf Störungen des Knorpel- und Knochenwachstums beruht. Diese Knorpelwachstumsstörung (Chondrodystrophie) führen also dazu, dass der Kopf überproportional groß erscheint und das Gesicht eine "Sattelnase" aufweist (auch die silenischen Zwerge, die als Folge von Vitaminmangel an Knochenverbiegungen leiden gehören hierzu). Ein solcher Zwerg, der an Chondrodystrophie litt, war der von Diego Valaquez gemalte Sebastian de Morra vom spanischen Hof, der Prinz Baltasar Carlos diente.

Von Zwergenwuchs (Nanosomie) wird jedoch erst ab einer Körperhöhe von 30 Zentimetern unterhalb des Durchschnitts einer Population gesprochen. Bei Mitteleuropäern also unter 1,45 Meter (Männer) beziehungsweise 1,35 Meter (Frauen).

Das genaue Gegenteil dieser Fehlbildungen ist der Riesenwuchs (Gigantimus). Menschen, deren Körperhöhe 30 Zentimeter über dem Durchschnitt liegen, werden mit diesem Begriff zusammengefaßt. Von mitteleuropäische Riesen spricht man also bei einer Körpergröße von 2,05 Meter (Männer) beziehungsweise 1, 95 Meter (Frauen).

Unterschieden wird zwischen primordialen Riesenwuchs und dem endokrinen Riesenwuchs. Ersterer ist vererbt und unterscheidet sich proportionsmäßig nicht von durchschnittlichen Menschen. Endokriner Riesenwuchs entsteht durch eine Hormonstörung, die häufig durch einen Tumor in der Hirnanhangdrüse ausgelöst wird. Jochbein und Supraorbitalbögen treten bei diesen Riesen stark hervor, das Kinn ist weit nach vorne geschoben und die Hände bzw. Füße sind ebenfalls stark vergrößert. Bekanntes Beispiel für Riesenwuchs ist das vor seiner Zerstörung im 2. Weltkrieg in London ausgestellte Skelett des Iren O'Bryan (als Vergleich ausgestellt zusammen mit der Zwergin Caroline Crachonni). Er starb etwa um die 22 Jahre alt und war dort um die 2, 44 Meter groß war (8 Fuß, 4 Zoll nach englischem Maßstab umgerechnet).

Doppelbildungen

Die sogenannte Doppelbildung (Gemini conjuncti) wird durch eine totale oder partielle Verdoppelung der Körperachse definiert; ist diese symetrisch spricht man von Gemini symmetrici (senkrecht oder waagrecht möglich), ist diese asymetrisch von Gemini asymmetrici (der größere Anteil ist der Autosit und der kleinere der Parasit; keine festgelegte Körperregion). Erstaunlicherweise ebenfalls zu den Doppelbildungen gehören eineiigen Zwillinge, die jedoch nicht miteinander verbunden sind. Alle Doppelbildungen enstehen in den ersten fünfzehn Tagen und sind durch eine Fusion oder eine Spaltung von zwei Anlagen bedingt. Insgesamt gibt es in der Systematik derartiger Doppelbildungen etwa 21 unterschiedliche Verdopplungen.

Bekanntester Fall einer Doppelköpfigkeit (Dicephali) ist beispielsweise das zweiköpfige Knäblein zu Beerweilen (1565) oder das Knäblein von Witzenhausen (1542). Auch die als siamesischen Zwillinge bekannten Menschen gehören zu den Doppelbildungen, wie beispielsweise die Schwestern Maria und Rosalina aus Espirito Santo, die im Brustbereich verbunden waren (Maria starb nach der Trennung) oder Rosa und Josepha Blazek aus Böhmen, die am Kreuz- und Steißbein miteinander verwachsen waren.
Eine statistische Auswertung von Doppelbildungen zur Anzahl der Geburten 1967 in Bayern wies eine Häufigkeit von 1 zu 100.000 Geburten ohne Fehlbildung auf.

Über - und Unterzahl von Extremitäten

Fehlbildungen der Arme und Beine treten in sehr vielfältiger Form auf. Drei oder vier Beine bzw. Arme sind keinesfalls unbekannt, genau wie nur ein Arm oder Bein bzw. eine Verkürzung der Extremitäten. Abzählen lassen sich in der Systematik etwa sechs unterschiedliche Arten derartiger Fehlbildungen der Gliedmaßen.Ein bekanntes Beispiel wäre der armlose Künstler Thomas Schweicker (1580 geboren), der nur mit seinen Füßen zeichnete und auch eine Armbrust bedienen konnte. Dem ostfriesische Mädchen, dass auf einem Flugblatt von 1596 dargestellt wurde fehlen bis auf ein Bein alle Extremitäten.

Sirenen und Zyklopen

Menschliche Sirenen entstehen durch eine Fehlbildung der Beine (Sympodie), die zusammengewachsen sind. Die Füße sind oft nach außen gekehrt so dass sie Schwanzflossen nicht unähnlich sind, ebenso häufig ist aber auch eine Verdrehung der Kniegelenke. Auch äußere Geschlechtsorgane sind meist nicht vorhanden, während die Beckenknochen große Defekte aufweisen die i. d. R. mit Lungen- oder Herzproblemen kombiniert sind. Die Existenz derartiger Fehlbildungen wurde wie keine zweite in der Mythologie bzw. Fantasie der Menschen benutzt. Sie sind ein Teil des Meerjungfrau-Mythos. Sympodie ist eine der schwersten Fehlbildungen überhaupt, die davon betroffenen haben oft keine hohe Überlebenschance.

Wer kennt nicht die Sagen von riesigen Zyklopen wie Polyphem, den Odysseus besiegte? Ein Teil dieser Sagen findet bestimmt auch hier seinen Ursprung. Zyklopie ist eine schwere Fehlbildung des Kopfes, deren äußeres Merkmal natürlich nur ein Auge und darüber die Nase als rüsselartiger Hautanhang. Diese Form der Fehlbildung ist nicht lebensfähig, weswegen auch keine erwachsenen Menschen oder Tiere bekannt sind.

Vielbrüstigkeit

Was klingt wie die Fantasie eines sexuell gestörten Mannes, ist in der Tat auch eine Fehlbildung. Die Polymastie tritt als zusätzliche Brustdrüsen auf. Wie bei anderen Säugetieren entwickelt sich die Brustdrüse aus einer Milchdrüsenleiste, die sich beiderseits des Rumpfes entlang zieht (vom Schritt hoch zur Brust in die Achsel). Diese bilden sich im Laufe der Entwicklung zurück und aus den verbleibenden bilden sich die bekannten Drüsenkörper. Dass mehrere Spezies auch über mehrere solcher Drüsen verfügen dürfte bekannt sein (Wolf, Schwein, Katze usw.) im Regelfall sind es sechs bis acht, während es beim Menschen nur zwei sind.

Zwitter

Hermaphroditen sind Menschen, die nicht eindeutig männlich oder weiblich sind. Der ursprüngliche Embryo ist bisexuell veranlagt. D. h. aus der gleichen Anlage entwickeln sich erst im Laufe der Zeit eindeutige äußere Geschlechtsorgane. Bei Zwittern entwickelten sich dementsprechend aus dieser Anlage heraus gleichzeitig beide Merkmale. Diese körperliche Fehlbildung hat absolut nichts mit den sexuellen Vorlieben für das ein oder andere Geschlecht zu tun.

Die Teratologie ist ein Forschungsgebiet, dass die Öffentlichkeit gleichermaßen anzieht und mit Besorgung erfüllt. Zwar sind viele Ursachen bereits bekannt (Stichwort: Contergan), doch vieles entzieht sich noch immer unserem Wissen. Eines ist jedoch unbestreitbar und dürfte den meisten von uns klar sein (obwohl es Gruppierungen gibt, die das anders sehen): wir alle sind Teil der Natur, wir alle sind Homo sapiens!
Benutzeravatar
Marozi
Panthera leo maculatus
Panthera leo maculatus
 
Beiträge: 2323
Registriert: 08.03.2003 15:03
Wohnort: Baden-Württemberg

Beitragvon Kouprey » 28.12.2004 17:54

Erwähnenswert erscheint auch die Ausweitung auf die (Haus)tierwelt; wer eine veterinärmedizinische Fakultät in der Nähe hat, sollte sich mal die Patho dort angucken.

Übrigens: Wien besitzt ein eigenes Museum zum Thema menschl. Fehlbildungen-viel Spaß...
Benutzeravatar
Kouprey
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 3781
Registriert: 25.12.2004 17:20
Wohnort: Nouméa

Beitragvon Smilodon fatalis » 28.12.2004 18:04

Tatsächlich? Da wohnt man schon in Wien, und dann weiss man sowas nicht ... da muss ich direkt mal kucken gehen.

Die Pathologische bei uns in der Vet ist übrigens sehr interessant, was das Thema betrifft ;).

LG,
Messerzahn
Smilodon fatalis
 

Beitragvon Kouprey » 29.12.2004 23:15

Benutzeravatar
Kouprey
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 3781
Registriert: 25.12.2004 17:20
Wohnort: Nouméa

Beitragvon Lykanthrop » 01.03.2005 20:16

Ich hab mal ne ganz eklige Dokumentation gesehen, wo in Formalin eingelegte Embryonen und Säuglinge gezeigt wurden die alle möglichen Fehlbildungen hatten, wirklich hochineteresant! Aber auch beängstigent. Da war auch eines dabei das mal als beweis für die existent auserirdischer gehandelt wurde. Aber es war, wie hieß es noch mal, irgend was mit Hahnenkopf oder so, zu lange her! Na ja, ich find es auf jeden fall echt interesant wofür solche Fehlbildungen sagen technig verantwortlich sind.
Lykanthrop
 

Beitragvon Kouprey » 11.03.2005 16:35

Derartige Fehlbildungen findest Du in nahezu jedem humanpathologischen Archiv-sie waren v.a. im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jhd. "der letzte Schrei".
Benutzeravatar
Kouprey
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 3781
Registriert: 25.12.2004 17:20
Wohnort: Nouméa

Beitragvon Quagga » 11.03.2005 17:09

Gott, ich bin ein Freak !
Ich habe ne dritte Brustwarze, sechseinhalb cm unter der linken, die allerdings nur 5 mm Durchmesser hat und auch nicht weiter funktioniert oder wie die herkömmlichen durchblutet ist...
Hat jedenfalls der Doc gesagt ( kein Scherz !)...

Grüße, Andreas
Zuletzt geändert von Quagga am 11.03.2005 17:12, insgesamt 1-mal geändert.
"If i see a track i know something made it!"
Weise Erkenntnis eines Hobby- Kryptozoologen :gut:
Benutzeravatar
Quagga
Administrator
Administrator
 
Beiträge: 838
Registriert: 19.01.2004 04:58

Beitragvon Kouprey » 11.03.2005 17:12

Dann hast Du ja was mit Krusty, den TV-Clown der Simpsons gemein...
Nein, im Ernst-derartiges macht Dich nicht zum "Freak" :happy: :ja: . Wenn Dich es Dich stört, kannst Du es von einem Spezialisten entfernen lassen.
Benutzeravatar
Kouprey
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 3781
Registriert: 25.12.2004 17:20
Wohnort: Nouméa

Beitragvon Quagga » 11.03.2005 17:16

Nei, das Püppselchen stört nicht, sieht man ja kaum =) !
Wollte ich nur mal erwähnt haben, das sich unter Euch ein Gezeichneter befindet :cyclop: !

Würde mich in dem Zusammenhang mal interessieren, was wäre, wenn ich ein Mädel wäre...
Die zwei normalen sind ja klar, aber diese dritte, rudimentäre... Würde die unter Östrogeneinfluß wohl auch anfangen, sich zu entwickeln ( nein, ich bin kein Perversling, würde mich tatsächlich mal interessieren...) ?

Verformte Grüße, Andreas
"If i see a track i know something made it!"
Weise Erkenntnis eines Hobby- Kryptozoologen :gut:
Benutzeravatar
Quagga
Administrator
Administrator
 
Beiträge: 838
Registriert: 19.01.2004 04:58

Beitragvon Lykanthrop » 12.03.2005 11:15

Nein würde sich nicht, also sie würde nicht so groß werden wie die zwei normalen, aber es kommt Milch raus. Weis ich weil meine Mutter das hat. Sieht man allerdings kaum.
Lykanthrop
 

Beitragvon Lahtzarus » 12.03.2005 14:46

Zusätzlich Brustwarzen treten entlang der sog. Milchleiste auf. Diese Verläuft von den Achseln schräg runter zum Schritt. HIer können halt zusätzliche Brustwarzen auftreten. Diese können vollfunktionfähigsein oder auch nicht. Dies ist wie gesgat auch ein Rudiment, was selten auftritt.
Lahtzarus
 

Beitragvon Kouprey » 16.03.2005 22:44

Zu Milchdrüsen-siehe auch Frage in TierTrivia bzgl. Vatermilch...
Benutzeravatar
Kouprey
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 3781
Registriert: 25.12.2004 17:20
Wohnort: Nouméa

Beitragvon Quagga » 17.03.2005 17:46

Frage zum Abstand meiner dritten zur normalen ( 6,5 cm):
Ist das Gesicht/ der Kopf eines Babys zufällig 10- 13 cm breit ? Ich habe gerade keines zur Hand, um nachzumessen, jedoch würde es mich mal interessieren...
Man sieht ja auch bei Hunden, Schweinen etc, das der Abstand von Zitze zu Zitze auf einer Leiste immer so ist, das zwei Junge zugleich saugen können, und gerade Platz haben !

Grüße, Andreas

PS: Wie lange ist der Part unserer Entwicklungsgeschichte vergangen, da unsere Vorfahren mehrere Zitzen hatten ?
Kann man das statt Miß-/ Fehlbildung nicht eher als Atavismus bezeichen ?
Weil im Falle dessen ja frühere entwicklungsgeschichtliche Stadien wieder zutage treten, während echte Mißbidlungen eher Polydaktylie, Bicephalie o. ä. sind...
"If i see a track i know something made it!"
Weise Erkenntnis eines Hobby- Kryptozoologen :gut:
Benutzeravatar
Quagga
Administrator
Administrator
 
Beiträge: 838
Registriert: 19.01.2004 04:58

Beitragvon Cronos » 17.03.2005 17:55

@Quagga: Also sämtlich Primaten haben zwei Zitzen, genau wie die Halbaffen, und die gibt e ja schon ziemlich lange, das heißt dass unsere Vorfahren schon vor seeeehhhhhrrrrr langer Zeit die Zahl ihrer Brustwarzen auf zwei reduziert haben.
Benutzeravatar
Cronos
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 1772
Registriert: 02.04.2004 20:25
Wohnort: Baden-Württemberg

Beitragvon Lahtzarus » 17.03.2005 19:25

Ja ich glaube dieses 6 oder 8 Zitzen Stadium von Säugetieren zumal den Primaten reicht zurück als alle Säugetiere kleine Nagetierähnlichen Tiere waren und sich im Schatten der Dinos herumdrückten. Aber man weiß ja nie was passiert in der Evolution, vielleicht braucehn wir das ja mal wieder. ;-) Vielleicht tritt es desewegn von Zeit zu Zeit nochmal auf
Lahtzarus
 

Beitragvon Quagga » 17.03.2005 20:49

Jau !
Und was haltet ihr von meiner Theorie des Atavismus denn der Miß-/ Fehlbildung ?

Grüße, Andreas
"If i see a track i know something made it!"
Weise Erkenntnis eines Hobby- Kryptozoologen :gut:
Benutzeravatar
Quagga
Administrator
Administrator
 
Beiträge: 838
Registriert: 19.01.2004 04:58

Beitragvon Smilodon fatalis » 17.03.2005 21:49

Wenn man einen Schwanz bei einem Neugeborenen als Atavismus bezeichnen kann, so sehe ich es durchaus als gerechtfertigt an, auch eine dritte Brustwarze als Atavismus zu bezeichnen.
Grundsätzlich definiert das Wort einen "Rückschlag" der Evolution im Sinne des Auftretens von frühstammesgeschichtlichen Charakteristika in Form von Rudimenten, was zweifellos sowohl auf den o.g. Schwanz als auch auf eine dritte Brustwarze zutrifft.

Was mich allerdings stutzig macht, ist die Tatsache, dass diese rudimentären Brustwarzen nicht doppelt und symetrisch angelegt sind, ergo die Brustwarzen an sich unabhängig voneinander im Genom festgelegt sein müssten.

Lg,
Smi
Smilodon fatalis
 

Beitragvon Kouprey » 17.03.2005 23:09

Die zusätzl. 3. Milchdrüse bzw. das Fragment lässt sich auch ohne Herbeimühung der Genetik erklären.
Die embryonale Entwicklung der Milchdrüse läuft so ab: aus den Milchstreifen wird die Milchleiste(thorakal begrenzt bei Primaten). Aus Verdickungen der Milchleiste entstehen die Milchhügel, die Grundlage der Mammarkomplexe. Reste der Milchleiste werden zu akzessorischen Milchhügeln, aus denen akzessorische Zitzen hervorgehen können(= Hyperthelie bzw. Polythelie-ziemlich häufig bei Milchvieh).

Bei männl. Tieren bleibt diese embryonale Anlage der Zitzen weitgehend erhalten, beim Weibchen geht sie in die juvenile und dann Graviditätsphase über.
Benutzeravatar
Kouprey
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 3781
Registriert: 25.12.2004 17:20
Wohnort: Nouméa

Beitragvon Lahtzarus » 18.03.2005 01:13

@ Smi
NE ganz so einfach ist das nicht. Brustwarzen sind nicht einzeln vererbbar. Mein Vorredner hat ja sehr schön die ENtwicklung erklärt.
Die Anlage an sich ist na klar genetisch festgelegt aber deren Ausprägung Ort und ANzahl läuft über Gradienten von verschiedenen Produkten von Entwicklungsgenen. Ich will sagen, ist ein bestimmtes Protein vorhanden, wird ein andres Gen angeschaltet. Das wäre der einfachste Fall. In Wahrheit kommt es drauf an wieviel von dem einem Protein im Verhältnis zu einem andren Protein vorhanden ist, damit so ein Merkmal wie eine Brustwarze entsteht.
Das ist das was ich aus dem Kopf noch ,,wußte,, wenn nich speziellere Fragen sind schaue ich gerne mal nach und gebe noch mehr Beispiele. Habs gade nochmal durchgelesen. Naja ich war auch schon mal besser :roll: Wenn Fragen sind gerne und bis Morgen
Lahtzarus
 

Beitragvon Kouprey » 22.03.2005 00:01

Als Atavismus/Rudiment könnte man Polythelie beim Menschen bezeichnen, wenn über die thorakale Begrenzung der Milchleiste noch Zitzen vorhanden sind.(s.a. alte Biologie-Schulbücher)
Benutzeravatar
Kouprey
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 3781
Registriert: 25.12.2004 17:20
Wohnort: Nouméa

Beitragvon jersy » 10.05.2005 09:37

ich hoffe,dieser beitrag passt in diesen thread.
ich habe vor 3-4 jahren eine bbc doku gesehen,in der es um teracarzinome ging.
dort wurden geschwüre gezeigt,die ansätze von zähnen hatten-andere bildeten haare aus.das war keine s-f-fantasy story,auch wenn es sich so anhört. wirklich ziemlich bizzar. :shock:
ich hab schon das ganze web abgesucht aber nichts brauchbares gefunden.
das wort teracarzinom gibt es bei google nicht mal in der datenbank.

hat diese art von fehlbildungen was mit stammzellen zu tun?
kennt jemand diese doku oder diese art von krankheitsbild?

schön´gruß
jersy
Benutzeravatar
jersy
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 1776
Registriert: 31.01.2005 10:30
Wohnort: Schleswig/Haithabu

Beitragvon Cronos » 10.05.2005 10:24

Möglicherweise handelte es sich bei den "Geschwüren" ja auch um parasitäre Zwillinge, die während eines frühen Stadiums absorbiert wurden.
Benutzeravatar
Cronos
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 1772
Registriert: 02.04.2004 20:25
Wohnort: Baden-Württemberg

Beitragvon jersy » 10.05.2005 10:45

soweit ich noch weiß,waren das carzinome-also echte geschwüre. ehrlich,sowas hab ich vorher und nachher nicht mehr gesehen...
das war so strange.diese carz. können wohl überall im und auf dem körper entstehen.in verschiedener ausprägung und größe.ich war auch schon auf dieser seite,wo du bbc dokus kaufen kannst,
aber auch da-"teracarzinom"=fehlanzeige.diese doku gibt es aber,ich hab sie damals mit ein paar freunden zusammen gesehen.ich bin bald soweit und frage mal meinen arzt...oder apotheker.
es kann sein,das diese art geschwür einen anderen namen hat und ich deshalb nichts finde,ist schließlich schon ein paar jahre her.ich bin mir aber 98%tig sicher,daß es teracarzinom heist.(grübel).
hab auch schon die merkwürdigsten wortzusammensetzungen in google
eingegben.kein echter treffer.und das naheliegenste:
"carzinom stammzellen"bei google und du kannst 100jahre lesen.

schön´gruß
jersy
Benutzeravatar
jersy
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 1776
Registriert: 31.01.2005 10:30
Wohnort: Schleswig/Haithabu

Beitragvon Marozi » 10.05.2005 19:08

Im klinischen Wörterbuch gibt es das Teratokarzinom, ein entdifferenziertes Teratom v. a. des Hodens. Karzinome, sind laienhaft ausgedrückt Tumore, die es in verschiedenen Arten quasi überall am Körpergeben kann (eben auch auf die von Dir beschriebene Weise).
"In diesen Bergen gibt es zwei Arten von Löwen. Da ist der simba und da sind die marozi. Diese marozi sind keine Löwen. Da ist der Leopard und da ist der Gepard. Da ist der Löwe und da ist der marozi."

Ali, der Leopardenjäger im Gespräch mit K. G. Dower
Benutzeravatar
Marozi
Panthera leo maculatus
Panthera leo maculatus
 
Beiträge: 2323
Registriert: 08.03.2003 15:03
Wohnort: Baden-Württemberg

Beitragvon jersy » 11.05.2005 09:10

danke marozi,das hiflt mir weiter.

tja jersy,nicht richtig aufgepaßt und den namen nicht genau mitbekommen...
setzen-sechs.
schön´gruß
jersy
Benutzeravatar
jersy
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 1776
Registriert: 31.01.2005 10:30
Wohnort: Schleswig/Haithabu

Nächste

Zurück zu Faszinierende Natur

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder

cron