Hans Hass ist gestorben

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Hans Hass ist gestorben

Beitragvon Tobias » 23.06.2013 18:11

Hallo,

der Unterwasserfilmer und Meeresbiologe Hans Hass ist letzte Woche im Alter von 94 Jahren in Wien gestorben. Hans Hass wurde in den 1940er Jahren als Pionier der Unterwasserforschung und des Films bekannt. Mit ihm geht einer der ganz großen der Biologie des 20. und 21. Jahrhunderts.

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Hans Hass in den 1950er Jahren auf Expedition. Rechte Creative Commons.


Wie erst heute bekannt wurde, starb letzte Woche der Tauchpionier und Unterwasserfilmer Hans Hass (*25. Januar 1919 bis 16. Juni 2013).

1937 schloß der gebürtige Wiener die Schule ab und reiste direkt danach unter einfachsten Bedingungen an die französische Riviera, wo er in den Kontakt mit der Unterwasserwelt kam. Noch im Krieg reiste er mit zwei Freunden nach Curacao und Bonaire in der Karibik, wo der erste Film gedreht wurde. Die Rückreise erfolgte unter anderem über die USA, Japan und die UdSSR.
1942 folgte eine weitere Expedition in die Ägäis, wegen einer Gefäßkrankheit von der Wehrpflicht befreit konnte er noch 1944 über ein Moostierchen promovieren.
Direkt nach dem Krieg ging Hass wieder auf Filmexpeditionen, erschwert durch die Tatsache, dass sein Forschungsschiff beschlagnahmt war. Dennoch folge 1947 ein Film sowie weitere Filme aus dem Roten Meer, z.B. der bekannte Film "Expedition Xarifa".
Besonderen Erfolg hatten seine Filme sicher auch, weil seine attraktive Frau Lotte ab 1950, für die Zeit ungewöhnlich, oft nur im Badeanzug als Taucherin oder an Land auftrat.

Obwohl Hass in den 1950er und 1960er Jahren sehr rege blieb und regelmäßig Filme und Fernsehserien über das Unterwasser- und das Landleben produzierte, stand er lange Zeit im Schatten des medial talentierteren und finanziell besser ausgestatteten Jacques Custeau. Im Gegensatz zu diesem, der nach heutigem Maßstab sehr oberflächlich arbeitete, kamen bei den Hass'schen Expeditionen regelmäßig beachtenswerte wissenschaftliche Ergebnisse auf den Tisch.
Spannend waren auch seine "Ausflüge" in die nichtbiologische Welt, unter anderem arbeitete er in den 1980ern über Raubtierinstinkte in der Wirtschaft. Später wandte er sich wieder der Welt unter Wasser zu.

In seinem Leben konnte Hans Hass zahlreiche Erfindungen machen, unter anderem entwickelte er mit der heute noch bekannten Firma Dräger ein Schwimmtauchgerät. Grundlage war der von Dräger hergestellte Tauchretter, der auf Ubooten eingesetzt wurde.
Unter seiner Federführung entstanden auch verschiedene Unterwasserkameras für Film und Fotografie sowie deren Perepheriegereäte.
Weniger bekannt ist, dass Hass bereits in den 50er Jahren Versuche machte, Fischschwärme und Haie elektromagnetisch zu leiten, was damals zwar in einer Firmengründung endete, jedoch erst heute erste marginale Anwendungen trägt.
Auch bei humanethologischen Fragestellungen wandte Hass neue Techniken an, die zum Teil noch heute angewandt werden.

Hans Hass war Zeit seines Lebens dem Tauchsport verbunden, den er auch im hohen Alter ausübte. Seine wissenschaftliche "Basisstation war das Wiener Naturhistorische Museum, das auch seinen Nachlass verwaltet. In Deutschland hegte er eine langjährige Freundschaft mit dem Löbbecke Museum und Aquazoo in Düsseldorf, wo man regelmäßig Bilder seiner Expeditionen und Ausrüstungsgegenstände ausstellen konnte.

Hans Hass starb nach langem, erfüllten Leben letzten Samstag in seiner Heimat in Wien.

Schöne Grüße

Tobias Möser
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