möglicherweise Ebola-Fall in Kanada

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möglicherweise Ebola-Fall in Kanada

Beitragvon Tobias » 25.03.2014 13:07

Hallo,

nach Meldung der Tagesschau gibt es in Kanada einen möglichen Ebola-Fall. Der Patient wurde mit Verdacht auf Ebola in ein Krankenhaus in Saskatoon, einer Großstadt in der zentralkanadischen Provinz Saskatchewan eingeliefert. Er ist schwer erkrankt und hat hohes Fieber, ob es sich tatsächlich um eine Ebola-Infektion handelt, ist derzeit noch unklar.
Proben des Patienten wurden gestern an ein Labor in Winnipeg versandt, am heutigen Dienstag (Ortszeit) werden vorläufige Testergebnisse erwartet, sagte Denise Werker, eine hochrangige Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes von Saskatchewan zu CNN. Sie sagte auch, dass es zahlreiche Erreger gibt, die hämorrhargisches Fieber hervorrufen, so Ebola, Lassa, Krim-Kongo und Gelbfieber-Erreger. Der Patient befinde sich auf einer isolierten Intensivstation.
Werker fügte noch hinzu, dass Ebola keine hochinfektiöse Krankheit sei: "Man muss in engekn Kontakt mit den Körperflüssigkeiten des Patienten kommen, um sich zu infizieren. Am stärksten gefährdet sind Pfleger, die keine Schutzkleidung tragen."

Der Patient hat sich beruflich im westafrikanischen Liberia aufgehalten und ist "vor kurzem" nach Kanada zurückgekehrt. Seine Symptome seien erst nach der Rückkehr nach Kanada aufgetreten, so dass für Mitreisende kaum Gefahr bestehe. Seine Familie sei jedoch unter Quarantäne gestellt, so SPON.
In Liberia habe es Opfer der Krankheit gegeben, die an Beerdigungen im Grenzgebiet zu Guinea teilgenommen haben. In den Grenzgebieten gibt es familiäre Verbindungen.

Soweit die aktuellen Meldungen in den Medien. Dazu zwei weniger bekannte Punkte:

- Im afrikanischen Staat Guinea, in den Päfekturen Macenta, Kissidougou und Guéckédou ist Anfang Februar 2014 ein Ebola-Fieber ausgebrochen, das Ende März die Hauptstadt Conakry erreicht hat. Bisher ist unbekannt, welcher Subtyp des Ebola-Virus die Krankheit auslöst. BBC News spricht von etwa 80 Krankheitsfällen und 59 Toten und beruft sich hierbei auf ein Unicef Statement gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

- Um von Monrovia, der Haupstadt Liberias nach Kanada zu kommen, muss der Patient geflogen sein. Ein Schiffstransfer hätte bei einer Inkubationszeit von 2 bis 21 Tagen mit einem sehr schwer kranken Patienten geendet, der in jedem Fall in einem Hafen in ein Krankenhaus gekommen wäre.
Bei diesem Flug muss der Patient mehrere der großen Flug-Hubs betreten haben. Laut McFlight kommt man von Monrovia Nach Saskatoon nur mit mehreren Umstiegen, unter anderem in London und Toronto, in New York und Minneapolis oder Brüssel und Chicago oder Brüssel, Paris/London und Chicago. Ob es unter Flugzeugbedingungen (verminderter Luftdruck, fehlende UV-Strahlung, geringe Luftumwälzung) zu Infektionen kommen kann, ist unbekannt. Das Gesundheitsministerium von Saskatchewan gibt jedoch an, dass der Patient bereits einige Tage im Land ist und zur Zeit der Flugreise nicht infektiös war. Wollen wir hoffen, dass sie Recht haben.

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Ebola gehört wie Marburg zu einer Gruppe sehr ungewöhnlicher Viren, die fadenförmig sind und daher Filoviren genannt werden. Es handelt sich hierbei um Einzelstrang Minus-RNA-Viren.
Von Ebola sind 5 verschiedene Arten mit insgesamt 14 Subtypen bekannt, möglicherweise gibt es aber noch unbekannte Arten und Subtypen. Bis auf eine ungewöhnliche Art ist Ebola nur aus den feuchten Tropen Afrikas bekannt. Vom nahe verwandten Marburg-Virus sind mehrere sehr ähnliche Subtypen bekannt, die sich auf drei Verwandrschaftsgruppen reduzieren lassen.

Ebola wird in der Regel durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Infizierten übertragen, hierzu gehören insbesondere Blut, Lymphe, Speichel, Tränenflüssigkeit und theoretisch Muttermilch, Sperma und Vagnialsekret. Theoretisch deswegen weil ein Ebola-Patient kaum in der Lage ist, Geschlechtsverkehr durchzuführen und auch kein Kind stillen wird. Eine Tröpfcheninfektion via Sputum (z.B. Husten und Niesen) wird immer wieder diskutiert, wurde jedoch (bis auf Reston) nur für "große Tropfen" nachgewiesen.

Die Krankheit ist ein typisches hämorrhagisches Fieber, bei dem unter anderem die Blutzellen, aber auch Zellen der Blutgefäße angegriffen werden. Es kommt zu einem kompletten physischen Zusammenbruch, Blutungen können an allen Körperöffnungen sowie kleinsten Wunden auftreten und sind kaum zu stillen. Im späteren Verlauf werden zahlreiche Organe buchstäblich verflüssigt, die Milz wird steinhart. Die Patienten versterben entweder an hohem Blutverlust oder Multiorganversagen.
Ein großes Problem bei der Verbreitung der Krankheit sind Beerdigungsbräuche, bei denen die Verwandten und Freunde physischen Kontakt mit dem Toten aufnehmen, ihn häufig umarmen. Gerade in Westafrika sind diese Bräuche häufig, auch bei diesem Ausbruch wurde das Virus auf diese Weise weiter gegeben.

Je nach Stamm und Pflege ist eine Todesrate von 25 bis 90% zu erwarten, Überlebende tragen oft schwerste Schäden davon. Bisher ist noch nicht bekannt, welcher Stamm für die Endemie verantwortlich ist.

Derzeit gibt es offiziell kein Gegenmittel. Einem Erkrankten wird unterstützende Pflege zuteil, Blutkonserven werden gegeben, oft in Verbindung mit Kühlung, um das Fieber im Griff zu halten.
Da Ebola und das verwandte Marburg-Virus jedoch aufgrund ihrer kurzen Inkubationszeit, des schweren Krankheitsverlaufs und der hohen Sterblichkeitsrate sowie des extrem hohen psychologischen Faktors als Biowaffe der höchsten Gefahrenklasse in Frage kommt, forschen viele Staaten intensiv an Infektionsmöglichkeiten und Abwehrmöglichkeiten. Es ist also möglich, dass viele bereits bekannte Ansätze als geheim eingestuft und nicht veröffentlicht werden.
Für Marburg gibt es einen Impfstoff, der bei Rhesusaffen auch nach der Infektion noch wirksam ist und zumindest bei diesen Tieren eine sehr hohe Überlebensrate ermöglichst. Für Ebola wird von einer Passivimpfung nach der Infektion berichtet, die das Eindringen des Virus in Zellen verhindern soll.
Beide Impfungen wurden am Menschen nicht klinisch getestet, warum sollte klar sein.



Ein Minus-RNA-Virus enthält keine DNA, sondern nur einen RNA-Strang. Dieser wird in die Zelle eingeschleust, hierfür docken bestimmte Hüllproteine an bestimmten Proteinen der Zellmembran an und öffnen den Weg für die RNA. Die RNA eines Plus-RNA-Virus würde sofort von den Ribosomen abgelesen und in Proteine translatiert, während bei einem Minus-RNA-Virus Kopien von der RNA erzeugt werden, wie bei der Transkription von DNA zu RNA. Diese Kopien dienen als Matritze für die Translation. So kann ein einzelner injizierter RNA-Strang die Zelle in der gleichen Zeit wesentlich mehr Virusproteine herstellen lassen, als bei einem Plus-RNA-Virus.
Wie genau es zu Zellschäden kommt, ist unbekannt.

Die Infektion von Menschen mit Filoviren ist als seltener Vorgang zu bezeichnen und nicht genau geklärt. Vermutlich ist der Körperkontakt zu toten Wildtieren oder infizierter Jagdbeute ein wichtiger Faktor.
Oft gehen Ebola-Ausbrüchen unter Menschen Epidemien unter Menschenaffen voraus, was vermuten lässt, dass es hier zur Übertragung kommt. Menschenaffen werden überall im Regenwaldgürtel Afrikas als "Bushmeat" gegessen, es liegt nahe, dass infizierte Tiere nicht so aufmerksam und schnell sind, wie gesunde und deswegen schneller Jagdbeute werden, außerdem ist es möglich, dass auch tot im Wald gefundene Menschenaffen ihren Weg auf die Märkte finden.
Ebenso sind bestimmte Waldantilopen und "Wildschweine" (welche?) mögliche Infektionsquellen.

Immer wieder werden Flughunde, vor allem Hammerköpfe als Reservoirwirte genannt. Es ist bekannt, dass sie von einem entfernt verwandten Virus infiziert sein können, ohne große Krankheitssymptome zu zeigen. Dies kann jedoch auch auf andere Fledertiere zutreffen und würde erklären, warum einige Erstinfektionen mit Höhlen, alten Schuppen oder Bergwerken in Verbindung gebracht werden.
Offenbar ist es so, dass Filoviren nicht gut an den Menschen angepasst sind. Die kurze und heftige Krankheit sorgt in der Regel für eine kurze, heftige Endemie, die sich nicht weit verbreiten kann, weil die Träger kaum in der Lage sind, sich fort zu bewegen. In der Vergangenheit führte das dazu, dass die Krankheit zwar einzelne Dschungeldörfer ausrottete, dann aber immer wieder verschwand. Diesmal ist sie das erste Mal unkontrolliert in einer Großstadt, Conakry aufgetreten! Wie sich Ebola dort, in den Slums verhält, möchte ich nicht spekulieren.

Von den 5 Ebola-Subtypen stammen vier aus dem afrikanischen Regenwaldgürtel, lediglich Ebola Reston scheint von den Philippinen zu stammen. Die vier afrikanischen Subtypen lösen beim Menschen die schweren Krankheitssymptome aus, während Reston bei verschiedenen Affenarten ähnliche Symptome auslöst, beim Menschen jedoch zu einer symptomlosen Infektion führt, die nur durch Antikörper nachweisbar ist. Ebola Reston ist als feine Tröpfcheninfektion durch die Luft übertragbar, die anderen Stämme wahrscheinlich nicht, wobei dies für mindestens einen der gefährlichsten Subtypen von Ebola Zaiire vermutet wird.
Die Krankheitssymptome bei Marburg sind nahezu deckungsgleich.

Bisher sind alle Ausbrüche von Filoviren in der Neuzeit auf den afrikanischen Kontinent begrenzt gewesen, oder Laborinfektionen gewesen. Marburg wurde 1967 im hessischen Marburg und in Belgrad entdeckt, was zu 31 Infektionen mit 7 Toten führte. Außerdem schleppte eine niederländische Touristin das Virus 2008 in die Niederlande ein, wo es jedoch zu keiner weiteren Infektion kam.
Bei Ebola kam es 1976 in England zu einer Laborinfektion und 1989/90 in Reston/Virginia sowie den Philippinen zu einzelnen asymptomatisch verlaufenden Laborinfektionen, die durch importierte Affen hervorgerufen wurden. Ähnliches trat 1992 in Siena/Italien auf, einen weiteren "Ausbruch" von Reston gab es 2008 auf den Philippinen unter Schweinen. Auch hier kam es zu keinen Krankheitssymptomen.

In Afrika kommt es seit der Entdeckung der Ebola-Virus-Verwandtschaft in den 1970ern mehr oder weniger regelmäßig zu kleinen und größeren Ausbrüchen. Problematisch hierbei ist, dass sich viele Familien weigern, ihre Kranken zu isolieren und von den traditionellen Beerdigungsriten abzulassen. Hierbei spielt häufig die Ansicht, dass Krankheiten durch böse Geister oder Verhexen entstehen, eine wichtige Rolle. Die Gefahr einer Infektion wird von der lokalen Bevölkerung oft nicht gesehen oder als geringer erachtet, als die Gefahr, die besteht, wenn ein Kranker und Toter nicht gewissen Ritualen unterzogen wird.

Besonders rätselhaft ist der Stamm Ebola-Reston. Er unterscheidet sich genetisch und funktionell mäßig von den anderen Ebola-Stämmen, stammt jedoch nicht aus Afrika sondern von den Pilippinen, kann durch Tröpfcheninfektion übertragen werden und bleibt beim Menschen asymptomatisch.
Bekannt wurde der Stamm, als 1989 in einem Quarantänehaus für Affen in Reston/ Virginia (im Speckgürtel von Washington D.C.) eine Endemie mit diesem Virus ausbrach. Die CDC kümmerte sich um den Fall, was bedeutete, dass alle Affen getötet und die Geräte desinfiziert wurden. Dies wiederholte sich einige Wochen später noch einmal, wobei dann das gesamte Haus desinfiziert und leer stehen gelassen wurde. Bei beiden Fällen wurden mehrere Menschen, hauptsächlich Pfleger infiziert, zeigten aber keine klinischen Symptome, im Blut ließen sich Antikörper nachweisen.
In beiden Fällen stammten die Affen von den Philippinen.
Wie ein afrikanisches Virus auf die Philippinen kam, ist unklar.
In den 1970er und 1980er Jahren waren in Asien "Jagdfarmen" populär, also Betriebe, in denen Großwild gezüchtet und zahlenden Kunden zum Abschuss freigegeben wurde. So auch auf den Philippinen, wo vor allem Besucher aus Japan und Hongkong Geld für diese Aktivität ließen. Oft wurden afrikanische Großtiere verwandt, ein Weg, auf dem das Virus möglicherweise den Sprung über den indischen Ozean schaffte.
Als die Popularität der Farmjagd in den 1980ern sank, mussten sich die Farmen nach neuen Geschäftsmodellen umsehen. Man begann mit der Zucht von Javaner- und Rhesusaffen für den Versuchstiermarkt.

Schöne Grüße

Tobias

(Das ist deutlich länger geworden, als beabsichtigt)
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um so eindeutiger muss der Beweis sein, um akzeptiert zu werden."

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Re: möglicherweise Ebola-Fall in Kanada

Beitragvon Tobias » 25.03.2014 16:07

Hallo,

eben kam die Meldung über den Ticker, dass der Patient kein Ebola hat.

Er ist nach wie vor sehr schwer krank und bleibt bis auf weiteres isoliert.

Schöne Grüße

Tobias
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Re: möglicherweise Ebola-Fall in Kanada

Beitragvon Kouprey » 27.03.2014 12:40

Kleine Ergänzung: nebst Hammerköpfen(flughunden) scheinen Flughunde der Gattung Rousettus (hierzulande v.a. in Form von R. aegyptiacus, dem Nilflughund, in Zoos & Privathaltung sowie in Zypern als einziger "europäischer" Flughund repräsentiert) natürliche Reservoirwirte für Ebolaviren zu sein.
http://wwwnc.cdc.gov/eid/article/19/2/1 ... rticle.htm
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