Wo ist der Meeres-Müll hin?

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Wo ist der Meeres-Müll hin?

Beitragvon Tobias » 01.07.2014 16:19

Hallo,

auf den Weltmeeren sammeln sich Plastikabfälle. Das ist bekannt und spätestens seit den Friendly Floatees auch populär. Gerade dort, wo große Wirbelströmungen herrschen und Oberflächenwasser absinkt, sammeln sich schwimmende Kunststoffreste an. So spricht man auch vom "(not so) great pacific garbage patch".

Doch jetzt haben spanische Wissenschaftler publiziert, dass weit weniger Plastik auf den Weltmeeren treibt, als bisher angenommen. Man ging allgemein davon aus, dass sich auf den Meeren bis zu 142 Millionen Tonnen Kunststoffmüll angesammelt haben, von der Plastikflasche bis zum Badelatschen. Die spanische Expedition Malspina 2010 konnte jedoch deutlich geringere Mengen feststellen. Andrés Cózar von der Universidad de Cádiz und seine Kollegen schätzen die auf der Wasseroberfläche der Meere treibende Plastikmenge auf "nur" 7000 bis 35.000 Tonnen, so publizierten sie in den Pnas. Soweit die gute Nachricht.

Kormorane-Seil.jpg


Doch wo bleibt das Plastik? Frühere Studien zeigten vor allem Partikelgrößen im Zentimeter- bis Millimeterbereich, was die Malspina-Expedition bestätigen konnte. 3000 Wasserproben zogen die Wissenschaftler aus den Weltmeeren, 88% davon enthielten Plastikpartikel. Doch die meisten der Partikel waren recht groß, die Menge im Millimeter- und Mikrometerbereich war deutlich geringer, als die Wissenschaftler erwartet haben. Warum das so ist, wissen die Forscher noch nicht. Vermutlich verschwindet der feine Plastikmüll durch vier verschiedene Prozesse:
- Anspülen an Küsten
- Zerfall in extrem kleine Partikel (Mikropartikel)
- Partikel werden von sessilen Organismen bewachsen und verlieren an Auftrieb, bis sie absinken
- Fische und andere Meeresbewohner verschlucken diese Partikel.
Welcher Prozess wie wichtig ist, konnten die Wissenschaftler bisher nicht herausfinden.


Kunststoffmüll ist sehr problematisch, da Kunststoffe in wässriger Umgebung sehr beständig sind. Sie können Dutzende von Jahren überdauern. Insbesondere die Mikropartikel sind sehr unangenehm: sie sorgen direkt für Leberschäden bei Fischen. Dazu kommt, dass sie über eine sehr große Oberfläche verfügen, an die sich lipophilie Stoffe, häufig Gifte, anlagern können und so in die Nahrungskette gelangen.
In einigen Nordseefischen wurden bereits Mikropartikel gefunden.

Der Plastikmüll in den Weltmeeren ist vor allem an der Westküste der USA ein Thema. Hier bekommt man die Auswirkungen der Plastikansammlungen im zentralen Wirbel des Nordpazifikstrom direkt zu spüren. Dem entsprechend gibt es auch teilweise skurrile Lösungsansätze. Der Milliardär Jason Dyson möchte das Plastik mit einem Staubsauger absaugen. Seltsamerweise sind auch Staubsauger das, was aus dem Müll gemacht werden soll: Die Firma Electrolux hat einige Staubsauger aus Meereskunststoff auf den Markt gebracht.

Schöne Grüße

Tobias
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