Death Valley: Rätsel der wandernden Steine gelöst

Alle Naturphänomene, die nichts mit Tieren zu tun haben

Death Valley: Rätsel der wandernden Steine gelöst

Beitragvon Tobias » 29.08.2014 10:22

Hallo,

das Death Valley in Kalifornien ist einer der Orte auf der Erde mit extremem Wetter. Nicht nur, dass im Sommer regelmäßig über 40°C erreicht werden, Niederschläge sind sehr selten, so dass dieses Tal als einer der trockensten Landstriche der Welt gilt.
Neben zahlreichen landschaftlichen Reizen bietet der Nationalpark, der das Tal einschließt, auch als ein Ort mit hoher Biodiversität. Doch nicht nur die Tiere bewegen sich im Death Valley, sogar einigen Steinen scheint der Ort unangenehm zu sein, denn auch sie bewegen sich. Im Gebiet Racetrack Playa findet man sehr regelmäßig Felsbrocken auf polygon gebrochenem, getrocknetem Schlammboden, die sichtbare Schleifspuren hinter sich herziehen. Fotos haben den Beweis erbracht, dass sich die Steine bewegen, teilweise mehrere Dutzend Meter im Jahr! Besonders rätselhaft ist auch, dass die Steine nicht einheitlich wandern. Einige rutschen im Zickzack, andere wandern in gerader Linie und parallel zu ihren Kollegen, während wieder andere eine Kreisbahn zu beschreiben scheinen. Auch Größe und Gewicht scheinen die Bewegung nicht entscheidend zu bestimmen.
Die Spuren der Steine machen die Sache noch rätselhafter: einige wandernde Felsen haben keine, bei anderen scheint die Spur in der Größe nicht zum Stein zu passen, oder die Breite der Spur ändert sich.
Die Bewegung der Steine war schon öfter Thema wissenschaftlicher Arbeiten. 1993 beendete eine Geologin von der San Jose State University ihre Dissertation mit der Folgerung: „Das Ergebnis ist faszinierend, es gibt keines.“: Wind fällt als treibende Kraft aus. Um die teilweise mehrere 100 Kilo schweren Felsbrocken auf dem trockenen Untergrund zu bewegen, sind Windgeschwindigkeiten von über 800 km/h notwendig, die nirgendwo auf der Erde erreicht werden. Auch Tiere fallen aus, es gibt keinerlei einheitliche Tierspuren. Abwegigere Theorien wie Späße der Einwohner und Außerirdische wurden aufgestellt und verworfen.

Bild
Wandernder Stein im Death Valley, Fotolink aus der Wikipedia

Offenbar bewegen sich die Steine aber immer dann, wenn niemand hinsieht: Nachts und im Winter. In dieser Zeit wird es im Death Valley unangenehm kalt, daher hatte sich bisher kaum jemand die Mühe gemacht, genau dann zu beobachten. Doch eine Arbeitsgruppe um Richard Norris von der Scripps Institution of Oceanography in La Jolla, Kalifornien war wetterfest genug (Ich sag ja immer: „Wer mit dem Meer zu tun hat, den schreckt das Wetter nicht“). Sie haben im vergangenen Dezember und Januar mit Kamera und Messgeräten auf der Lauer gelegen und siehe da: sie konnten die Steine beim Wandern beobachten.
Nachdem sie lange Nächte umsonst ausgeharrt (und vermutlich erbärmlich gefroren) hatten, passierte es eines Nachts: Nachdem es geregnet hatte, bildete sich ein flacher See auf der Hochebene, er gefror. Millimeterdünnes Eis umschloss die Steine. Als am Morgen die Sonne über die Berge schien, begann das Eis zu schmelzen und es zerbrach in zahlreiche kleine Eisschollen. Diese Schollen wurden vom Wind in Bewegung gesetzt, die Steine gleich mit: Sie glitten auf dem Eis dahin und erzeugten die charakteristischen Spuren.

Der Eisschollenantrieb erklärt auch zahlreiche „Nebenphänomene“ der wandernden Steine: Spuren ohne Steine werden von Dellen im Eis und von Lehmbrocken erzeugt, die am Boden kratzen. Breiter werdende Furchen erklären sich dadurch, dass die Felsen allmählich einsinken, wenn das Eis taut. Manche der großen Brocken bewegen sich deshalb besonders weit, weil sie - einmal in Fahrt - kaum bremsen. Und breite Spuren hinter schmaleren Steinen entstehen, wenn Eis am Stein haftet.
Auch die Wandergeschwindigkeit konnten Norris und Kollegen messen: mittels GPS-Trackern auf den Steinen. Normalerweise wandern die Steine langsam, mit zwei bis fünf Metern pro Minute, wobei der mobilste von ihnen 224 m in sechs Wochen schaffte.

Quelle: SPON mit weiteren Informationen.
PLOS one mit der Originalarbeit. Spannende Bilder.

Schöne Grüße

Tobias
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Re: Death Valley: Rätsel der wandernden Steine gelöst

Beitragvon Annie » 14.10.2014 20:29

Wow... Dankeschön, sehr interessant....

Es begeistert mich doch immer wieder, wenn genaue Beobachtungen etwas zu Tage bringen, was man rein theoretisch nicht erklären kann...
passt hervorragend zu meinem Wahlspruch ;-)
Liebe Grüße von
Annie
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