Archaeopteryx: Präadaptation = zufällige Flugfähigkeit?

Dinosaurier und andere ausgestorbene Tierarten

Archaeopteryx: Präadaptation = zufällige Flugfähigkeit?

Beitragvon Tobias » 04.07.2014 09:48

Hallo,

Archaeopteryx konnte fliegen, mehr oder weniger gut, das ist umstritten. Grund hierfür waren die Federn, die den Körper und vor allem die Vordergliedmaßen bedeckten.

Doch Federn waren ursprünglich gar nicht zum Fliegen gemacht, wie eine Studie deutscher Forscher in Nature belegt. Sie untersuchten das elfte, 2011 entdeckte Archaeopteryx-Exemplar. Es hat das wohl am besten erhaltene Federkleid aller bekannten "Urvogel"- Fossilien. Dabei fanden sie heraus, dass die Federn nicht zum Fliegen "erfunden" wurden. Die weitaus wichtigere Funktion lag beim "Display", also der Selbstdarstellung bei der Balz und beim Drohverhalten. Er konnte sich nämlich aufplustern: "Das vergrößert die Oberfläche und macht die Tiere imposanter", erklärt Oliver Rauhut, Konservator an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München.

Archaeopteryx-Londoner-Exemplar.jpg



Für regelmäßige Leser hier ist das nichts Neues. Hier wurde mehrfach von befiederten oder mit Protofedern besetzten Dinosauriern berichtet, die mit Sicherheit nicht fliegen konnten. "Wären die Federn primär für das Flugvermögen entstanden, dann hätte das die Variation aus funktionalen Gründen vermutlich eingeschränkt", sagt Rauhuts Kollege Christian Foth. "Interessanterweise waren die seitlichen Schwanzfedern von Archaeopteryx aerodynamisch geformt und dürften daher auch eine wichtige Rolle bei der Flugfähigkeit gespielt haben", so Foth weiter, Archaeopteryx konnte also fliegen und bewegte sich nicht nur hüpfend fort, wie einige Forscher annahmen.

Die Funde gefiederter Dinosaurier brachten die Forscher auf den Ursprung der Federn zurück: vermutlich nutzten diese Raubsaurier, frühe Vögel und auch Archaeopteryx die Federn beim Laufen: zum Balance-Halten und zur aerodynamischen Unterstützung, ähnlich wie bei Staußen heute.

Unbekannt ist noch, welche Farben die Federn hatten. Archaeopteryx war mit Sicherheit nicht schreiend bunt, aber auch nicht schwarz-weiß, wie oft dargestellt. Eine ältere Studie zeigt, dass die Federn dunkle Kanten und Spitzen hatten, so dass das Federkleid gemustert war.

Schöne Grüße

Tobias
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Re: Archaeopteryx: Präadaptation = zufällige Flugfähigkeit?

Beitragvon Beren » 08.07.2014 15:31

Das mit den Federn ist insofern interessant, als es die Geschichte mit den ganz vielen ganz langen Coverts über den Hand- und Armschwingen (Longrich et al., 2012) schlecht dastehen lässt, was schon vorher mal angemerkt wurde (Nudds et al., 2014). Außerdem, die phylogenetische Analyse ist sehr, sehr viel größer als im Normalfall, was sowohl Characters als auch Taxa angeht, und kommt nur an eine bisherige Ausnahmepublikation (Godefroit et al., 2013) annähernd ran. Kein Wunder, dass sich bei beiden ähnliche Muster abzeichnen, die mit den üblichen TWiG/Senter-Matrices, die nur unterschiedliche Teilmengen dessen sind, kollidiert: Die Tiaojishan-Taxa (Anchiornis, Xiaotingia etc) als basale Avialen, Troodontiden näher an Avialae als Dromaeosauridae.

Zum Paper um das es geht gibt's hier:
PDF
Supplementary Information

O.g. Quellen (bei Bedarf mich anschreiben):
Longrich, N. R.; Vinther, J.; Meng, Q.; Li, Q.; Russell, A. P. (2012). Primitive wing feather arrangement in Archaeopteryx lithographica and Anchiornis huxleyi. Current Biology 22: 1-6.
Nudds, R. L. (2014). Reassessment of the wing feathers of Archaeopteryx lithographica suggests no robust evidence for the presence of elongated dorsal wing coverts. PLoS ONE 9(4): e93963.
Godefroit, P.; Cau, A.; Hu, D.; Escuillié, F.; Wu, W.; Dyke, G. (2013). A Jurassic avialan dinosaur from China resolves the early phylogenetic history of birds. Nature 489: 359-362.
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