Wisentprojekt im Rothaargebirge

Tiere der Mammalogie

Wisentprojekt im Rothaargebirge

Beitragvon freigeist » 30.11.2008 13:53

Wisentprojekt im Rothaargebirge steht auf der Kippe


derWesten.de hat geschrieben:Bad Berleburg. Das Wisent-Auswilderungsprojekt steht auf der Kippe. Hintergrund ist die, allerdings noch nicht abschließend entschiedene, Frage der Fördergelder des Bundes in Höhe von rund 1,3 Mio. Euro.

Im Bundesumweltministerium wurden nach WR-Informationen zuletzt intern kritische Stimmen laut, die das Wisentprojekt offenbar lieber heute als morgen zu den Akten legen würden.

Nachdem die Initiatoren der Wiederansiedlung des Wisents in den Bad Berleburger Wäldern, Taurus e.V. und die Wittgenstein-Berleburg'sche Rentkammer, ihren Förderantrag mit umfänglicher Projektbeschreibung beim Bundesumweltministerium (BMU) eingereicht hatten, stellen sich dort erneut offenbar grundsätzliche Fragen.

Wie die für Grundsatzfragen des Naturschutzes zuständige Dr. Elsa Nickel aus dem BMU auf WR-Anfrage bestätigte, sei entscheident, ob das Auswilderungsgebiet trotz seiner Größe von rund 4000 Hektar als Gatter bezeichnet werden könne: „Gatter gibt es in der Bundesrepublik viele. Das wäre dann nicht innovativ. Und nur ein innovatives Projekt ist förderungswürdig.”

Gleichwohl, so Nickel, „ist hier das letzte Wort noch nicht gesprochen”. Sollte es keine Fördermittel des Bundes geben, sei im ja Zweifel auch noch eine Förderung durch das Landes-Umweltministerium NRW oder private Sponsoren möglich, so Dr. Nickel weiter.

Breuer und Brase suchen Kontakt zu Bundesminister Sigmar Gabriel

Siegen-Wittgensteins Landrat Paul Breuer (CDU) mochte die kritischen Stimmen aus dem BMU nicht bestätigen. Eine öffentliche Diskussion sei zu diesem Zeitpunkt nicht förderlich. Auch Breuer sieht es so, dass das letzte Wort um die Gelder aus dem EE-Topf für „Entwicklung und Erprobung” noch nicht gesprochen ist.

Er geht jetzt auf die Entscheidungsträger in der Spitze zu. Gemeinsam mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Willi Brase sucht er jetzt das persönliche Gespräch mit Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Auch auf Staatssekretärs-Ebene laufen die Drähte offenbar heiß. NRW-Umweltstaatsekretär Alexander Schink, der den Vertrag über das Wisent-Wiederansiedlungsprojekt zwischen dem Land NRW und dem Kreis Siegen-Wittgenstein unterzeichnet hat, ist im Gespräch mit seinem Berliner Kollegen Machnik im BMU, betonte Breuer. „Ich bin der Meinung, dass uns Gabriel und Machnik helfen werden”, ist Breuer optimistisch. Bei den meisten Umweltschutzprojekten sei es so, dass sie von oben herab beschlossen würden, „ich kannn mir aber nicht vorstellen, dass dieses Projekt, das von unten kommt, abgelehnt wird”, so Breuer. Sicherlich sei es erforderlich „Sachebenen zu übersteuern. Das muss man dann zur Kenntnis nehmen.”

Forstdirektor Johannes Röhl von der Wittgenstein-Berleburg'schen Rentkammer bestätigte gestern, „dass es kritische Stimmen im BMU gibt”.

Röhl: Einstufung des Projektes als „nicht innovativ” nicht nachvollziebar

„Es ist aber auch nicht nachvollziehbar, dass ein Wiederansiedlungsprojekt von Wisenten im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW als nicht innovativ eingestuft wird”, so Röhl.

Das Auswilderungsgebiet von 4000 Hektar sei nicht rundherum eingezäunt, gab er den Kritikern zu bedenken. Gleichwohl erinnerte Röhl daran, dass „wir nie gesagt haben, dass dieses Projekt ein Selbstläufer wird”. Die Initiatoren sähen der Entscheidung aber emotionslos entgegen. Nur müsse es auch einmal eine Entscheidung geben, so Röhl.

Wenn es keine Fördergelder gibt, dann ist das Projekt gescheitert. Gleiches gilt auch für das Wisentschaugehege bei Wingeshausen, für das der Bad Berleburger Stadtrat kürzlich in enger Zusammenarbeit mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Siegen-Wittgenstein die planungsrechtlichen Grundlagen geschaffen hatten. „Das Schaugehege ist in der Förderung des Gesamtprojekts enthalten”, machte Breuer klar.



Quelle

Bedauerlich :rolleyes:
Benutzeravatar
freigeist
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 518
Registriert: 17.05.2008 14:13

Re: Auerochse, Mammuts und andere Urtiere

Beitragvon Annie » 30.11.2008 14:07

Danke für den Hinweis @freigeist....

Wobei es mir gleichzeitig die Kehle zuschnürt.... wollen wir auf ein positives "letztes Wort" hoffen ....

Ich glaub wenn das nix wird fang ich an zu heulen ....
Liebe Grüße von
Annie
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
~~~~~~~~~ ><> ~~~~~~~~~~~~~
~~~ <>< ~~~~~~~~~~~~~~~~

"Nur wer hinsieht kann entdecken"
Benutzeravatar
Annie
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 877
Registriert: 31.05.2007 22:47
Wohnort: im schönen Siegtal

Re: Auerochse, Mammuts und andere Urtiere

Beitragvon Kleideraffe » 30.11.2008 18:45

Ja ja das hoffe ich auch das die Gelder bewilligt werden. Denn ich fänd es total schade wenn hier keine Wisente in zukunft geben würde.

Ich hatte mir schon vorgestell eines Tags gehe ich hier bei mir durch den Wald und könnte dann sie in Freiheit beobachten und fotograpfieren. :clowm:
Auch noch das kleinste Tier ist ein wichtiger Stein des Lebens.
Benutzeravatar
Kleideraffe
Zoologe
Zoologe
 
Beiträge: 401
Registriert: 05.05.2008 08:38
Wohnort: Rhein-Sieg-Kreis in NRW

Re: Auerochse, Mammuts und andere Urtiere

Beitragvon Quagga » 01.12.2008 01:13

Es geht um 1,3 Mio.?
Kann man dafür keine privaten Sponsoren gewinnen, wie etwa die Brauerei von dem Wisent- Wodka, oder andere Stellen?
Verständlich (in großen " ") ist es ja, daß der Bund nicht immer alles selber zahlen will, wo offiziell ja schon für andere Sachen kein Geld da ist.
Es gibt doch soviele Millionäre in Deutschland, könnte man bei denen nicht etwas hausieren gehen? Wenn man dafür Prestige verspricht, sie in den Blickpunkt der Öffentlichkeit treten mit der Aktion, etc. pp., ließe sich doch bestimmt jemand finden. Oder man wendet sich an Stiftungen, Fonds, die da helfen können...
Das von der Politik grünes Licht kommt, hm, glaube ich ehrlich gesagt nicht wirklich.

Grüße, Andreas
Benutzeravatar
Quagga
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 781
Registriert: 19.01.2004 04:58
Wohnort: Pracht/ Wickhausen

Re: Auerochse, Mammuts und andere Urtiere

Beitragvon Annie » 21.04.2009 18:04

Hallo Zusammen!

Guckt mal hier Quelle ! .... *freu* ... im Herbst geht es los ....

Aus dem Link:
Auswilderung in einem Versuchsgehege
Engagement, das sich ausgezahlt hat. Im Herbst sollen die ersten zwölf Tiere bei Bad Berleburg im Rothaargebirge zwischen Girkhausen und Wingeshausen grasen - in einem 80 Hektar großen Versuchsgehege. Hier sollen sich die Wisente an ihren neuen Lebensraum gewöhnen, einen festen Sozialverband bilden und sich vermehren. Die Tiere stammen aus Zoos, Tiergärten und Wildparks. Der Preis liegt bei 1000 Euro pro Tier.

Vier Jahre Probezeit
Vier Jahre kann diese Probezeit, die wissenschaftlich begleitet wird, bis zur endgültigen Auswilderung in die freie Wildbahn dauern. 25 Wisente streifen danach auf einer Fläche von 4500 Hektar durch die Wälder. Sie gehören der Familie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und werden von der Rentkammer bewirtschaftet. Die genaue Lage soll nicht öffentlich gemacht werden. Breuer: „Dieses Auswilderungsgehege soll niemand kennen, sonst ist das Projekt zum Scheitern verurteilt.”



Ich freu mich ja so ... und dann ist es auch noch fast um die Ecke.... :freude:
Liebe Grüße von
Annie
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
~~~~~~~~~ ><> ~~~~~~~~~~~~~
~~~ <>< ~~~~~~~~~~~~~~~~

"Nur wer hinsieht kann entdecken"
Benutzeravatar
Annie
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 877
Registriert: 31.05.2007 22:47
Wohnort: im schönen Siegtal

Re: Auerochse, Mammuts und andere Urtiere

Beitragvon KnutKutter » 22.04.2009 10:58

Na das sieht bestimmt heftig aus, wenn dir beim spazierengehen auf einmal ein Wisent gegenübersteht :).

Wollen wir hoffen das alles klappt was die da vorhaben :)
Benutzeravatar
KnutKutter
Zoologe
Zoologe
 
Beiträge: 383
Registriert: 31.08.2007 11:21

Re: Wisentprojekt im Rothaargebirge

Beitragvon Annie » 17.05.2009 17:24

Hallo!
Ja, der Anblick wär bestimmt etwas besonderes, besonders wenn man nicht damit rechnet... :wink:

Habe gestern noch einen anderen Artikel gefunden, der ist vom vom 14.03.2009:
Westfalenpost

Zitat aus dem Link:
Die Wisente kommen in diesem Jahr. Nach einem Marathonlauf durch die Ministerial-Bürokratie sei Siegen-Wittgenstein nun auf den letzten Metern der Zielgeraden, sagte Landrat Paul Breuer gestern Mittag auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin.

Langwierige und laut Breuer "schweißtreibende Verhandlungen" und Gespräche habe das gekostet und Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann fügte an, dass er nie mit einem so langen und schweren Weg gerechnet habe. Es sei erstaunlich und gut, dass die fürstliche Familie so lange bei der Stange geblieben sei, sagte Fuhrmann und nannte das Engagement "ein Stück Verantwortung des Hauses für die Region".

Die ersten großen Paarhufer sollen im Herbst ihre neue Heimat im Kreisgebiet finden. Die Tiere werden zunächst in einem Auswilderungsgehege gehalten, wo sie sich an die Klima- und Naturbedingungen Wittgensteins gewöhnen sollen. Dieses Auswilderungsgehege soll an einem geheimen Standort in den von der fürstlichen Rentkammer bewirtschafteten Wäldern angelegt werden. Die Tiere werden in den kommenden Monaten in Zoos, Gehegen und aus der Natur am Baltikum eingekauft. Im Gehege sollen die Tiere zunächst ihren Herdenverbund festigen, bevor sich der Zaun öffnen kann und die braunen Riesen in die Wälder entlässt.

Während das Auswilderungsgehege die natürliche Scheu der Wisente vor den Menschen erhalten oder fördern soll, wird für die naturliebenden Menschen ein Schaugehege eingerichtet, wo sie den urigen Riesen Auge in Auge gegenüberstehen und sie aus der Nähe erleben können. Als Standort steht dafür eine etwa 60 bis 80 Hektar große Fläche im Bereich Wingeshausen/Jagdhaus fest. Das Gehege soll gegen Eintritt zugänglich sein und damit einen Beitrag zur dauerhaften Finanzierung des Projektes leisten.

Tiere tragen Funksender

Acht bis 15 Wisente sollen dort einziehen. Von den rund 25 in zwei bis drei Jahren frei lebenden Ur-Rindern werde der normale Waldbesucher und Wanderer wohl kaum etwas zu sehen bekommen, erläuterte der Landrat. Die Tiere werden dann Funksender tragen, die sie am Überschreiten eines virtuellen Zaunes an der Grenze zum Schmallenberger Sauerland hindern sollen.

Das fast ausgestorbene Tier wird fast nur noch in Zoos vermehrt, wobei alle Wisente von wenigen Vorfahren abstammen. Die Inzucht führt zu Krankheiten, die Zoohaltung bringt außerdem keine natürliche Entwicklung. Das Auswilderungsprojekt in Wittgenstein bedeutet deshalb auch einen Versuch, der Natur eine Chance zu einer natürlichen Regeneration des Tierbestandes zu bieten. Sowohl Bürgermeister Fuhrmann als auch Breuer und Regierungspräsident Helmut Diegel bezeichneten das Projekt gestern als europaweit einmalig.

Ein Trägerverein soll das Projekt "Rückkehr der Wisente" dauerhaft leiten. Für die ersten Jahre gibt es dazu wissenschaftliche Begleitung mehrerer Universitäten und namhafter Naturschutzverbände. Als Kostenrahmen stehen derzeit Summen von rund 1,7 Millionen Euro im Raum. Wesentliche Förderung erhalten Wisente vom Bund und vom Land, aber auch Sponsoren stehen zur Unterstützung bereit.

"Nachdem es gelungen ist, einen entsprechenden öffentlich-rechtlichen Vertrag mit dem Land abzuschließen und Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers seine Schirmherrschaft für das Naturprojekt erklärt hat, haben wir mit Bundesumweltminister Sigmar Gabriel einen weiteren überzeugten Anhänger der Wisentansiedlung gefunden", sagte Breuer bei der gestrigen Pressekonferenz des Touristikverbandes Siegerland-Wittgenstein am neuen Stand von Tourismus NRW auf dem Berliner Messegelände. Derzeit liege der Antrag auf Förderung beim Bundesamt für Naturschutz vor.

Von Dirk Herrmann

Liebe Grüße von
Annie
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
~~~~~~~~~ ><> ~~~~~~~~~~~~~
~~~ <>< ~~~~~~~~~~~~~~~~

"Nur wer hinsieht kann entdecken"
Benutzeravatar
Annie
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 877
Registriert: 31.05.2007 22:47
Wohnort: im schönen Siegtal

Re: Wisentprojekt im Rothaargebirge

Beitragvon Quagga » 21.05.2009 14:58

Mannomann, welch Aufwand ^^!
Da würde ich doch lieber nach Polen fahren, als Vermögender, 5- 10 Wisente kaufen, dann da im Westerwalde den Anhänger aufmachen, und wie vom Blitz getroffen sagen: "Wow, Wisente im Westerwald *staun, glotz*!"
Das Deutschland immer so einen Aufwand machen muß *röchel*...

Habe übrigens neulich in einer Doku erfahren, im Grenzgebiet MeckPomm/ Brandenburg gibt es auch ein Wildgatter mit Wisenten, die da auch vortrefflich gedeihen. Inwiefern da die Auswilderung geplant ist (das Gatter liegt auf einer Halbinsel nicht näher definierter Lokalität), weiß ich nicht, aber da es in dem Landstrich, wie ich aus eigener Anschauung weiß, ja große und ungestörte Wälder vom Feinsten gibt, würde es sicherlich gelingen =).

Ich finde es schön, daß wir Menschen Tatsache versuchen, solche teils jahrhundertealten Fehler wieder gut zu machen, wie auch bei den Bisons und den Walrappen, zum Beispiel.
Weil der mittlere Westen der USA kein geeignetes Agrarland ist, wie man nun doch festgestellt hat, und mit Büffelgras und Büffeln am besten bestanden ist, und der Einwohnerschwund auch immens ist, will man die Gegend wieder sich selbst überlassen und mit Bisons bevölkern (Quelle: Arte- Doku "Die Rückkehr der Bisons"), wodurch auch die restliche Prärieflora und -fauna wieder ihren Lebensraum bekommt, wie etwa die Kanincheneulen, Präriehunde, Schwarzfußiltisse etc. ... Daumen hoch, kann man da nur sagen...

Grüße, Andreas
Benutzeravatar
Quagga
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 781
Registriert: 19.01.2004 04:58
Wohnort: Pracht/ Wickhausen

Re: Wisentprojekt im Rothaargebirge

Beitragvon Annie » 03.03.2010 18:24

Hallo Hallo!

Es gab immer wieder Verzögerungen.... aber so wie es scheint ist es wohl wirklich bald soweit:

Erste Tiere treffen am 24. März in Wittgenstein ein.
Liebe Grüße von
Annie
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
~~~~~~~~~ ><> ~~~~~~~~~~~~~
~~~ <>< ~~~~~~~~~~~~~~~~

"Nur wer hinsieht kann entdecken"
Benutzeravatar
Annie
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 877
Registriert: 31.05.2007 22:47
Wohnort: im schönen Siegtal

Re: Wisentprojekt im Rothaargebirge

Beitragvon Pepperbird » 05.03.2010 12:40

Da freue ich mich - stamme ganz aus der Nähe. :D
Pepperbird
Neuling
Neuling
 
Beiträge: 11
Registriert: 02.09.2009 12:13

Re: Wisentprojekt im Rothaargebirge

Beitragvon Annie » 03.01.2012 20:33

Hallo!
Es wird mal Zeit für ein Update ... das Projekt ging 2011 weiter...
Mal ein paar kleine Informationen: ;-)

Wisent-Familie freut sich über Nachwuchs

wS/www Bad Berleburg - Wisentkuh Araneta hat ein gesundes und vitales Kälbchen zur Welt gebracht / Großer Erfolg für das Bad Berleburger Artenschutzprojekt Bad Berleburg, 21. August 2011: In den frühen Morgenstunden des vergangenen Dienstags, 16. August, konnte die Wisent-Herde endlich ihr neues Familienmitglied bestaunen. Die fünfjährige Wisent-Kuh Araneta hatte gerade ein gesundes Kälbchen zur Welt gebracht.

Wisent-Ranger Jochen Born war der Erste, der das rund 20 Kilogramm schwere Neugeborene entdeckte. Es ist ein historisches Ereignis, denn nach vielen hundert Jahren kam in Wittgenstein erstmals wieder ein Wisent zur Welt. Damit ist die Wisent-Familie auf neun Mitglieder angewachsen. Die Wisent-Herde wird derzeit im Eingewöhnungsgehege auf ihre mögliche Freisetzung vorbereitet.

Das Artenschutzprojekt in einem bewirtschafteten Wald im Eigentum von Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein Berleburg wird vom Bundesamt für Naturschutz aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und dem Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Bild


Quelle: http://www.wirsiegen.de/2011/08/wisent-familie-freut-sich-ueber-nachwuchs/
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

und dann weiter:

Samstag, 10. Dezember 2011
Horno und Gutelaune erkunden die „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ / „Ausflugs-Kuh“ Faye ist gesichtet wird zurück in das Areal gelockt

Streifzug durch ihr neues Revier: Bulle Horno und Wisentkuh Gutelaune.

Bad Berleburg, 10. Dezember 2011: Das am Mittwoch geborene Kälbchen hätte nach Aussage von Kreistierveterinär Dr. Wilhelm Pelger in der Auswilderungs-Herde nicht überlebt. Zu klein und schwach war es auf die Welt gekommen. Bis auf Weiteres befindet sich das Jungtier deshalb jetzt in der Obhut und im Stall von Wisent-Ranger Jochen Born, der auch Landwirt ist und sich mit Rindtierhaltung auskennt. „Wir hoffen sehr, dass wir das Kälbchen auf diese Weise am Leben erhalten und stark für den Einzug in die "Wisent-Wildnis" machen können“, sagt der erste Vorsitzende des Trägervereins, Bernd Fuhrmann.

Die Entscheidung, das Kälbchen von seiner Mutter Gutelaune zu trennen, musste gut überlegt werden, berichtet Bernd Fuhrmann. Gutelaune und Bulle Horno waren am Freitag vom Auswilderungsareal in die „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ umgezogen. Beide verbrachten die Nacht auf dem Tiertransporter, um sich von der Narkose zu erholen. Gutelaunes Kälbchen war bis Samstagmorgen ebenfalls im Fahrzeug in der Nähe der Mutterkuh untergebracht – unter ständiger ärztlicher und pflegerischer Betreuung. Für den Transport musste es nicht narkotisiert werden. Denn aufgrund seines geringen Gewichts von zirka 15 bis 20 Kilogramm konnte es einfach von Menschhand getragen werden.

In Bad Berleburg gibt es jetzt zwei Wisent-Herden. Die eine mit Bulle Egnar wird seit März 2010 im Auswilderungsareal auf die Freisetzung in einem 4.300 Hektar großen bewirtschafteten Wald vorbereitet. Dies soll Ende 2012 geschehen. Die zweite Herde mit Gutelaune, Horno und anderen ist dagegen in der „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig" zuhause. Diese zweite Herde bildet den „touristischen Arm“ des für Westeuropa einzigartigen Artenschutzprojektes. Denn Wanderer werden die „Ursprungs-Herde" im 4.300 Hektar großen Wald wegen der geringen Anzahl und dem menschenscheuen Verhalten praktisch nicht zu Gesicht bekommen.

Am Mittwoch dieser Woche waren mit Faye und Fasel die ersten beiden Wisent-Kühe für die neue „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ eingetroffen. Sie stammen aus dem Wildpark Alte Fasanerie in Hanau. Am Freitag kamen dann Horno und Gutelaune dazu. Anfang kommenden Jahres werden dann zwei weitere Wisent-Kühe die Herde vorerst komplettieren.

Nachdem Horno und Gutelaune die Nacht auf dem Tiertransporter verbracht hatten, nahm Tierarzt Dr. Pelger am Samstagmorgen noch mal eine eingehende Untersuchung der Tiere vor. Dann gab er grünes Licht, und beide Wisente konnten gegen 11 Uhr ihr neues Zuhause in Augenschein nehmen. Sie machten sich sogleich auf und erkundeten das Gelände, berichtete Wisent-Ranger Jochen Born sichtlich zufrieden.

Die tiermedizinische Untersuchung hatte auch ergeben, dass Gutelaune keine Milch geben kann, erläutert Born. Die Wissenschaftler und Tierexperten vor Ort beobachteten dann auch Gutelaunes Verhalten ganz genau. Als klar war, dass Gutelaune keine starken Muttergefühle entwickelt hatte und sich auch nicht auf die Suche nach ihrem Kälbchen machte, konnte die Entscheidung getroffen werden: Das Kälbchen wird von der Mutter getrennt und von Hand aufgezogen. Gutelaune machte sich derweil mit Horno auf den Weg, die Grenzen des Areals zu erkunden. Dabei werden die beiden Tiere auch schnell Kontakt zur Kuh Fasel aufnehmen, die am Mittwoch aus Hanau gekommen war.

Die kleine Herde hatte dann schnell herausgefunden, wo sich „Spaziergängerin“ Faye gerade aufhält: nämlich in der Nähe des Außenzauns. Sie hatte am Donnerstag eine menschliche Unachtsamkeit genutzt und eine offenstehendes Außentor passiert. Nun wird sie mit Futter zurück in das Areal gelockt. Gleichzeitig übt auch die neue Wisent-Gruppe eine starke Anziehungskraft aus, denn Wisente sind Herdentiere und suchen die Gemeinschaft mit ihren Artgenossen. „Wir sind deshalb sehr zuversichtlich, dass Faye bald den Weg zu ihrer neuen Familie finden wird“, sagt Johannes Röhl, Direktor der Rentkammer und 3. Vorsitzender.


Quelle: www.wisent-welt.de/nachrichten-details/wisent-kalb-wird-jetzt-mit-der-flasche-aufgezogen
Liebe Grüße von
Annie
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
~~~~~~~~~ ><> ~~~~~~~~~~~~~
~~~ <>< ~~~~~~~~~~~~~~~~

"Nur wer hinsieht kann entdecken"
Benutzeravatar
Annie
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 877
Registriert: 31.05.2007 22:47
Wohnort: im schönen Siegtal

Re: Wisentprojekt im Rothaargebirge

Beitragvon Annie » 03.01.2012 20:47

Über den Sinn und Unsinn das Kalb von Gutelaune mit der Flasche groß zu ziehen lässt sich ja wieder diskutieren...

Wenn man schon Auswildern möchte sollte man der Natur dann nicht freien Lauf lassen, und es akzeptieren, wenn Kühe ihre Kälbchen nicht annehmen.... ?

Es gibt, so finde ich zwei Möglichkeiten.....

Entweder: ist das Kälbchen krank...

Oder: Gutelaune keine gute Mutter, (aus welchen Gründen auch immer) was sie als Tier zur Auswilderung ungeeignet macht...

Interessant, dass Gutelaune keine Milch hat... allein dadurch, dass kein Saugen erfolgte, oder steckt mehr dahinter?
Liebe Grüße von
Annie
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
~~~~~~~~~ ><> ~~~~~~~~~~~~~
~~~ <>< ~~~~~~~~~~~~~~~~

"Nur wer hinsieht kann entdecken"
Benutzeravatar
Annie
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 877
Registriert: 31.05.2007 22:47
Wohnort: im schönen Siegtal

Re: Wisentprojekt im Rothaargebirge

Beitragvon Quagga » 05.01.2012 01:12

Huhu =)!

Naja, die Kuh bildet die Milch schon in der letzten Phase der Trächtigkeit, nicht erst danach, wie wir ja auch von Menschen wissen ^^...
Hat also nichts damit zu tun, dass das Kalb nicht saugte, sondern womöglich eher damit, dass a) die Kuh unterernährt war, oder b) dass das Kalb im gewissen Maße ein Frühchen war/ ist...
Im ersteren Falle erklärt sich die fehlende Laktation und eventuell somit auch das zu leichte Kalb, dass so ja offenkundig im Mutterleib nicht optimal versorgt wurde...

Ein Gedanke am Rande: Wie sieht es denn mit der Kalzium- bzw. Mineralienversorgung der Wisente dort aus?
Zumindest hier im Westerwald ist natürliches Kalzium eher Mangelware, das Wasser hal Härtegrade von 0 (!) bis 4, und ist damit immens weich. Eventuell ist das im Rothaargebirge ebenso?
Eventuell fehlte der Kuh ja eine essentielle Mineralienversorgung. Die Idee habe ich auch, weil bereits die erste Mutterkuh (oben im Thread abgebildet) nach meinem Dafürhalten ziemlich klapprig wirkt. Zumal sie mit 5 Jahren im besten Alter ist, und im August eigentlich recht feist sein sollte...

Wurde der Auswilderungsort denn nicht nur nach passender Habitatsgröße und - Struktur ausgewählt, sondern auch nach ökologischen Gesichstspunkten? Also quasi danach, ob Wisente auch von der Ernährungsphysiologie etc. dahin passen?

Grüße, Andreas
Benutzeravatar
Quagga
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 781
Registriert: 19.01.2004 04:58
Wohnort: Pracht/ Wickhausen

Re: Wisentprojekt im Rothaargebirge

Beitragvon Annie » 18.08.2012 12:21

Hallo zusammen...

Hier Aktuelles zur Auswilderung:

Quelle: www.wisent-welt.de/Artikel

Donnerstag, 16. August 2012
Steuerungsgruppe gibt grünes Licht

Bad Berleburg, 16. August 2012: Die Steuerungsgruppe unterstützt die geplante Freisetzung der Wisente im Wittgensteiner Wald. Das Gremium stellte sich in seiner Sitzung am Mittwochabend in Bad Berleburg einmütig hinter das Projekt. "Damit ist ein weiterer großer Schritt in Richtung Freisetzung gelungen", kommentiert der Vorsitzende der Steuerungsgruppe, Paul Breuer, das Ergebnis der Sitzung. "Die Position der Steuerungsgruppe bestätigt die erfolgreiche Arbeit des Trägervereins der vergangenen Jahre", sagt Bernd Fuhrmann, Vorsitzender des Trägervereins Wisent-Welt-Wittgenstein. Die Steuerungsgruppe ist eine Art Aufsichtsrat für das Wisent-Projekt. Nun ist das Umweltministerium in Düsseldorf am Zug. Gibt es dort keine Einwände mehr, können die Könige der Wälder wahrscheinlich im beginnenden Winter in die freie Natur entlassen werden. Dies wäre dann einzigartig in ganz Westeuropa.

Die Steuerungsgruppe setzt sich aus Vertretern von relevanten Behörden, Verbänden und Institutionen zusammen. Sie hat die Befugnis, das Wisent-Projekt zu stoppen oder fortzuführen. Daher ist die Haltung dieses Gremiums zur Freisetzung so wichtig. Die derzeit acht Wisente werden seit März 2010 in einem 88 Hektar großen Eingewöhnungsareal bei Bad Berleburg auf ihre geplante Freiheit vorbereitet. Da sie alle aus Gehegen mit Publikum kommen, mussten sie erst ihre natürliche Scheu vor Menschen wiedererlangen. Wissenschaftler von vier Universitäten (Frankfurt, Siegen, Göttingen und Hannover) hatten intensive Versuche zu umfangreichen Fragestellungen rund um das Verhalten der Wisente durchgeführt. Nach der Freisetzung wird ein rund 4.300 Hektar großer Wald im Eigentum von Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg das neue Zuhause der sanften Riesen werden. Er ist auch Initiator des Projekts.

Zwischen den Beteiligten und dem nordrhein-westfälischen Ministerium wurde zu Beginn des Vorhabens ein öffentlich-rechtlicher Vertrag geschlossen. Dort ist die Pflicht des Vereins zur wissenschaftlichen Begleitforschung festgehalten, um den umfangreichen Fragenkatalog zu den vielfältigen Auswirkungen einer Freisetzung der Wisente zu beantworten. Der Katalog der Antworten umfasst knapp 70 Seiten und wurde der Steuerungsgruppe am Mittwoch als Entwurf zur Diskussion und Bewertung vorgelegt. Es wurden dabei keine Einwände gegen die im Katalog formulierten Bewertungen und Einschätzungen erhoben. Zu dem waren unterschiedliche Landesbehören (LANUV, Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung, etc.) an der Beantwortung beteiligt.

Deshalb wird der Fragen- und Antworten-Katalog nun im nächsten Schritt dem Land zugeleitet. Dort werden sich Experten unterschiedlicher Abteilungen mit dem Papier befassen und es bewerten. Werden auch dort keine Einwände vorgebracht, steht der Freisetzung nichts mehr entgegen.

Der wissenschaftliche Koordinator des Projekts, Dr. Jörg Tillmann, betonte, dass eine Freisetzung mit Beginn des kommenden Winters die beste Variante sei. Denn dann bewegten sich die Tiere auf engem Raum und seien durch Fütterung optimal zu steuern. Die Geburt der beiden Kälbchen Queen und Quandor trage zudem dazu bei, die Standorttreue der Gruppe zu erhöhen. Außerdem blieben die Tiere in der Regel zusammen. Bei der aktuellen Herdenbesetzung sei nicht davon auszugehen, dass einzelne Wisente vagabundierten. Außerdem würden die scheuen Tiere auch nach der Freisetzung „gemanagt“. Das heißt: Es erfolgt eine Steuerung, um die Tiere im Areal zu halten. Deshalb hatten sich Wissenschaftler, Vereinsvorstand und Steuerungsgruppe auch gegen eine wie auch immer geartete Zaunvariante zum Sauerlandkreis hin ausgesprochen. Diese sei sachlich nicht notwendig.

Johannes Röhl vom Trägervereinsvorstand betonte, dass von der anfänglichen Skepsis einiger Nachbarn nichts mehr zu spüren sei. Der Verein habe viele Gespräche geführt, ausführlich informiert und nachhaltig aufgeklärt. Die Sorgen und Bedenken der Anrainer seien sehr ernst genommen worden, konnten aber alle im intensiven Austausch ausgeräumt werden. Bei den Nachbarkreisen und -städten, unterstrich der erste Vorsitzende des Trägervereins, Bernd Fuhrmann, herrsche jetzt ein großes Vertrauen in die handelnden Menschen des Projekts.

Jörg Tillmann unterstrich noch einmal, dass die Wisente eine bedeutende Bereicherung des Naturraums seien und dass die Wirkung auf die Artenvielfalt, die Tiere und Pflanzen im Wald positiv sei. Die verhaltenskundlichen Untersuchungen hätten ergeben, dass zufällige Begegnungen zwischen Menschen und Wisenten keine Gefahr darstellten, da die Wisente inzwischen ihr natürliches Scheuverhalten zeigten und sich vom Menschen entfernten. Dr. Tillmann betonte auch, dass das Bad Berleburger Projekt mittlerweile Vorbildcharakter für weitere ähnliche Vorhaben in ganz Europa – z. B. Dänemark und Spanien – habe. Es leiste einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der bedrohten Tierart, bereichere das Ökosystem, fördere zudem die Regionalentwicklung und sei wichtig für den Naturtourismus.

Das Artenschutzprojekt in einem bewirtschafteten Wald im Eigentum von Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein Berleburg wird vom Bundesamt für Naturschutz aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und dem Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.
Liebe Grüße von
Annie
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
~~~~~~~~~ ><> ~~~~~~~~~~~~~
~~~ <>< ~~~~~~~~~~~~~~~~

"Nur wer hinsieht kann entdecken"
Benutzeravatar
Annie
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 877
Registriert: 31.05.2007 22:47
Wohnort: im schönen Siegtal

Re: Wisentprojekt im Rothaargebirge

Beitragvon Allosaurus » 18.10.2012 17:27

Das sind ja klasse Nachrichten, es freut mich, dass die Freilassung anscheinend bald bevorsteht. Ich hoffe, dass die Wisents genug Nahrung finden und sich gut mit dem Areal arrangieren.

Ähnliche Projekte gibt im Rahmen von Rewilding Europe übrigens in verschiedenen europäischen Ländern. So wurden etwa kürzlich 17 Wisents in den Kantabrischen Bergen ausgesetzt: http://www.rewildingeurope.com/blog/big ... port-ever/, davor 7 auf der Bornholm-Insel in Dänemark http://rewildingeurope.com/news/article ... d-denmark/, und davor 5 Wisents in den rumänischen Karpaten http://rewildingeurope.com/news/article ... 160-years/.

Bild

Laut dem Aktionsplan von Rewilding Europe sollen in den nächsten 10 Jahren wieder jeweils hundert europäische Bisons in 5 Regionen in Europa leben. Das sind natürlich hoch gesteckte Ziele, aber es ist zu hoffen, dass alles klappt. Und wie man sieht, kommt der Wisent fleckchenweise wieder zurück.
Aber jeder weiß, was diese Art braucht, ist eine genetisch diverse größere Population mit gesunden Tieren. Ansonsten könnte die Inzucht wieder eine unmittelbare Gefahr für diese Spezies sein. Es ist schade, dass die Einkreuzungen des Amerikanischen Bisons ihren Zweck nicht erfüllten; in Mitteleuropa wurden die Mischlinge aufgegeben, im Kaukasus hat man die geplante Verdrängungszucht aus praktischen Gründen nicht durchführen können und nun hat man eine heterogene Hybridpopulation. Wäre es geglückt wie geplant, einige wenige am. Bisons einzukreuzen, und durch Verdrängungszucht den Wisentanteil wieder stark zu erhöhen, wären die Inzuchtprobleme beim Wisent heute vielleicht nicht derart drastisch.
The physics and chemistry of living cells is basically the same as the physics and chemistry of rocks, just a bit more complicated.

Victor J. Stenger

http://breedingback.blogspot.com
Benutzeravatar
Allosaurus
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 1392
Registriert: 11.08.2007 08:44

Re: Wisentprojekt im Rothaargebirge

Beitragvon Tobias » 16.07.2014 09:14

Hallo,

das Wiesentprojekt sorgt mal wieder für Meldungen. Schuld sind diesmal die Tiere selber: Sie schälen zu viele Bäume, die Schäden für die Waldbauern steigen an und die Versicherungen weigern sich, diese Schäden zu bezahlen. Sie argumentieren, dass die Wisente ausgesetzt wurden, also herrenlose Tiere seien. Daher sehen sie sich nicht mehr in der Pflicht, für Schäden aufzukommen, die die Tiere verursachen.
Bisher sind durch Verbiss Schäden von rund 12.000 Euro in Privatwäldern entstanden - und reguliert worden. Doch das wollen die Versicherungen nicht mehr. Die Vertreter des Wisentvereins sehen die Versicherungen dennoch in der Pflicht: "Das Projekt befindet sich in der Erprobungsphase", so Johannes Röhl vom Wisentverein in Bad Berleburg. "Die erste Lösung muss sein, das wir die Forderungen der Waldbauern befriedigen, egal aus welchem Topf. Denn das haben wir zugesagt und das werden wir auch tun.", so Röhl weiter.
Den Waldbauern geht das nicht weit genug. Sie hätten jetzt schon genug mit den Schäden durch Schwarz- und Rotwild zu kämpfen, so Waldbesitzer Hermann Vogt. "In einem Wirtschaftswald die Tiere auszusetzen, ist unverantwortlich", findet er. "In einem Nationalpark oder einem Urwald kann man so was machen. Da wo keine Holzwirtschaft betrieben wird." Seiner Meinung nach gehören Wisente nicht in einen Wirtschaftswald.

Eine Gruppe von Waldbauern will nun auf dem Klageweg verhindern, dass die Wisente in ihre Wälder kommen. Der Wisentverein sucht hingegen eine einvernehmliche Lösung. Einer der möglichen Lösungswege geht über einen öffentlich-rechtlichen Fond beim Land, in den die Fördergelder und Spenden fließen und aus dem die Waldbauern entschädigt werden. Ein Erfolg der Klage wäre ein herber Rückschlag für das Wisentprojekt, möglicherweise sogar das Aus: "Wenn sich die Waldbauern mit dieser Klage durchsetzen, und wir tatsächlich langfristig verhindern müssten, das die Tiere dort den Wald betreten, dann könnten wir das Projekt in der geplanten Form nicht mehr durchführen", befürchtet Johannes Röhl.

Quelle: WDR 5

Schöne Grüße

Tobias
"Je ungewöhnlicher eine Tatsache ist, die zu beweisen ist,
um so eindeutiger muss der Beweis sein, um akzeptiert zu werden."

J. Meldrum
Benutzeravatar
Tobias
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 1281
Registriert: 27.04.2005 10:57
Wohnort: NRW

Re: Wisentprojekt im Rothaargebirge

Beitragvon Tobias » 30.08.2014 10:01

Hallo,

in erster Instanz haben die Waldbauern gewonnen. Das Amtsgericht Schmallenberg verurteilte am Freitag (29.08.2014) den Trägerverein Wisentwelt, dafür zu sorgen, dass die Tiere den Wald des Klägers nicht mehr betreten.

In seiner Eilentscheidung stellte das Gericht klar, dass der Waldbesitzer nicht nur Schadenersatz, sondern auch entsprechende Schutzmaßnahmen verlangen könne, da die Wisente immer noch dem Verein gehören.
Der Verein kann Widerspruch einlegen.

Mir liegt keine schriftliche Urteilsbegründung vor, aber so wie es aussieht, sieht das Gericht die Wisente als Tiere im Eigentum des Vereins. Damit wäre die Auswilderung nicht rechtskräftig erfolgt. Wie das die nächste Instanz sieht und welche Folgen das für andere ausgewilderte Tiere hat, ist noch offen. Ich sehe da Probleme aufkommen, vor allem was Luchse angeht: wird das Urteil rechtskräftig, können Jäger mit der gleichen Begründung verlangen, dass Luchse ihre Reviere meiden.

Schöne Grüße

Tobias
"Je ungewöhnlicher eine Tatsache ist, die zu beweisen ist,
um so eindeutiger muss der Beweis sein, um akzeptiert zu werden."

J. Meldrum
Benutzeravatar
Tobias
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 1281
Registriert: 27.04.2005 10:57
Wohnort: NRW

Re: Wisentprojekt im Rothaargebirge

Beitragvon Allosaurus » 30.08.2014 10:42

Mir liegt keine schriftliche Urteilsbegründung vor, aber so wie es aussieht, sieht das Gericht die Wisente als Tiere im Eigentum des Vereins. Damit wäre die Auswilderung nicht rechtskräftig erfolgt. Wie das die nächste Instanz sieht und welche Folgen das für andere ausgewilderte Tiere hat, ist noch offen. Ich sehe da Probleme aufkommen, vor allem was Luchse angeht: wird das Urteil rechtskräftig, können Jäger mit der gleichen Begründung verlangen, dass Luchse ihre Reviere meiden.

Ich frage mich wie eine Auswilderung vom Privatbesitz zum Res nullius rechtlich von statten geht. In Oostvaardersplassen hat man das mit den Rindern und Pferden gemacht, und die werden jetzt vom Forstamt gemanaged. Hat jemand Ahnung, wie es rechtlich von statten gehen würde, die Wisente auch "juristisch auszuwildern"?
Ich frage mich wie wohl ausgewilderte Primitivrinder im deutschen Jagdrecht gehandhabt würden. Vermutlich hätten sie den gleichen Stellenwert wie der Wisent, oder zumindest einen ähnlichen. Interessantes Detail am Rande: als es den Auerochsen in Mitteleuropa noch gab, wurde er tatsächlich zum "Schwarzwild" gerechnet.
The physics and chemistry of living cells is basically the same as the physics and chemistry of rocks, just a bit more complicated.

Victor J. Stenger

http://breedingback.blogspot.com
Benutzeravatar
Allosaurus
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 1392
Registriert: 11.08.2007 08:44

Re: Wisentprojekt im Rothaargebirge

Beitragvon Tobias » 30.08.2014 11:44

Hallo Allosaurus,

der Status als Wildtier als "herrenlos" ist in § 960 des Bürgerlichen Gesetzbuches definiert. Da steht drin:
(1) Wilde Tiere sind herrenlos, solange sie sich in der Freiheit befinden. Wilde Tiere in Tiergärten und Fische in Teichen oder anderen geschlossenen Privatgewässern sind nicht herrenlos.
(2) Erlangt ein gefangenes wildes Tier die Freiheit wieder, so wird es herrenlos, wenn nicht der Eigentümer das Tier unverzüglich verfolgt oder wenn er die Verfolgung aufgibt.
(3) Ein gezähmtes Tier wird herrenlos, wenn es die Gewohnheit ablegt, an den ihm bestimmten Ort zurückzukehren.

Die Frage ist also nicht, was das Auswildern ausmacht, sondern wie ein Wildtier definiert wird. Das definiert das BGB nicht. Eine allgemeine Definition ist "Ein Tier, das in Freiheit lebt und keiner domestizierten Haustierform angehört." Nach dieser Definition sind die Wisente Wildtiere, die Rinder auf dem Oostvaardersplassen jedoch nicht.
Wisente unterliegen in Deutschland dem Jagdrecht, sie gelten als Haarwild und zur Untergruppe des Schalenwildes, jedoch nicht als Schwarzwild.

Bei Primitivrindern sieht die Sache anders aus. Auch Primitivrinder sind domestizierte Tiere, sie würden dann nicht als Wildtiere gelten und damit nicht unter das Jagdrecht fallen können. Im derzeitigen Jagdgesetz sind sie nicht aufgeführt, ebenso wie Hunde. Sie können vermutlich auch nicht so einfach eingebracht werden, da es sich um domestizierte Tiere handelt. (um wie weit es sich bei zahlreichen unserer Wildtiere um domestizierte Tiere handelt, z.B. bei Rothirschen, ist eine andere Frage).

Schöne Grüße

Tobias
"Je ungewöhnlicher eine Tatsache ist, die zu beweisen ist,
um so eindeutiger muss der Beweis sein, um akzeptiert zu werden."

J. Meldrum
Benutzeravatar
Tobias
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 1281
Registriert: 27.04.2005 10:57
Wohnort: NRW

Re: Wisentprojekt im Rothaargebirge

Beitragvon Allosaurus » 30.08.2014 11:57

Bei Primitivrindern sieht die Sache anders aus. Auch Primitivrinder sind domestizierte Tiere, sie würden dann nicht als Wildtiere gelten und damit nicht unter das Jagdrecht fallen können. Im derzeitigen Jagdgesetz sind sie nicht aufgeführt, ebenso wie Hunde. Sie können vermutlich auch nicht so einfach eingebracht werden, da es sich um domestizierte Tiere handelt. (um wie weit es sich bei zahlreichen unserer Wildtiere um domestizierte Tiere handelt, z.B. bei Rothirschen, ist eine andere Frage).

Aufgrund des Seuchenschutzes gibt es in OVP auch einige Auflagen, da die Tiere ja nicht mehr veterinärmedizinisch betreut werden (auch Rinder in ganzjährig freier extensiver Haltung müssen ja eine jährliche Untersuchung über sich ergehen lassen). So dürfen die Tiere natürlich nicht für den Fleischkonsum genutzt werden, und nicht mal lebend aus dem Gebiet gebracht werden. Das ist schade, weil man dadurch nicht die teilweise dedomestizierten OVP-Heckbullen zur Zucht oder für Zoos verwenden kann. Und ich halte es ehrlich gesagt auch für überzogen, v.a. weil gerade Robustrassen wie das Heckrind meist die gesündesten Rassen sind, die es gibt, die natürliche Selektion mit harten Wintern kranke Tiere sowieso aussortiert und man ja immer noch einzelne Tiere die man aus dem Gebiet nehmen möchte extra untersuchen könnte. Aber das ist halt EU-Recht, und deshalb bin ich auch nicht all zu optimistisch was große, frei/wildlebende Populationen von Primitivrindern in Europa angeht (obwohl Tauros Project und Rewilding Europe da einiges an Verhandlungsarbeit leisten, auch für echtes Großwild).
The physics and chemistry of living cells is basically the same as the physics and chemistry of rocks, just a bit more complicated.

Victor J. Stenger

http://breedingback.blogspot.com
Benutzeravatar
Allosaurus
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 1392
Registriert: 11.08.2007 08:44


Zurück zu Säugetiere

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Bing [Bot]