Unbekannter schießt auf Waldrapp

Tiere der Ornithologie

Unbekannter schießt auf Waldrapp

Beitragvon Tobias » 12.06.2014 14:08

Hallo,

Der im Mittelalter im südlichen Mitteleuropa weit verbreitete Schopfibis ist heute als Waldrapp bekannt und sehr selten. Um 1700 starben die Vögel in Europa quasi aus, Grund waren Bejagung und Lebensraumverluste. Restpopulationen gab es im Mittelmeerraum, vor in der Türkei, Syrien und Marokko.

Um die Jahrtausendwende hat man sich zu einem großen Zucht- und Auswilderungsprogramm entschieden, an dem viele Zoos und Naturschutzgebiete beteiligt waren. Nun gab es aber ein Problem: Waldrappe waren in Mitteleuropa Zugvögel und das Wissen um die Zugrouten ist mit deren Ausrottung verloren gegangen. Forscher zeigten daher den Waldrappen mit einem langsam fliegenden Ultraleichtflieger den Weg. Mittlerweile findet ein großer Teil der Vögel, insbesondere in Freiheit geschlüpfte Tiere, den Weg in die Winterquartiere in Italien und den Rückweg über die Alpen alleine.

Jetzt wurde in Österreich ein männlicher Waldrapp von einem bisher unbekannten Schützen mit einem Luftgewehr angeschossen. Das Tier stürzte ab und brach sich den Flügel. Der Vogel mit dem Namen Marketa stammt aus einer Brutkolonie im bayrischen Burghausen, die von Artenschutzprojekt Waldrappteam betreut wird.
Spaziergänger haben den verletzten Vogel gefunden und nach Wien zur Veterinärmedizinischen Uniklinik gebracht, wo der Vogel operiert wurde. Der Flügel wurde geschient, das Projektil jedoch noch nicht entfernt, dazu ist die Wunde zu stark geschwollen. Marketa wird nun in einer Greifvogelstation in Niederösterreich betreut – fern von seiner Familie. Zusammen mit seiner Partnerin Jack hat der Waldtrapp nämlich zwei Küken. Die Tierschützer vom Waldtappteam hoffen, dass Jack in der Lage ist, beide Küken ohne Hilfe aufzuziehen.
Ob Marketa wieder ohne Einschränkungen fliegen kann, muss sich erst noch zeigen. Nur dann hat er in Freiheit eine Überlebenschance.

Für die Brutkolonie in Burghausen ist das ein herber Rückschlag. Die kleine Kolonie besteht aus nur knapp 20 Tieren und muss wachsen, um stabil zu bleiben. Daher wollen die Vogelschützer Anzeige gegen Unbekannt erstatten, auch weil dem Programm ein unmittelbarer Schaden von 3000 bis 4000 Euro entstanden ist.
Eine Verfolgung durch die Behörden ist jedoch auch ohne Anzeige möglich. In Österreich hat Wilderei eine erstaunlich hohe Aufklärungsquote von immerhin 35%.

2012 wurden in Italien 3 Waldrappe gewildert. Dank GPS-Sender konnte damals der Wilderer dingfest gemacht werden.

Schöne Grüße

Tobias
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Re: Unbekannter schießt auf Waldrapp

Beitragvon Kouprey » 13.06.2014 06:26

Leider auch im letztes Jahr passiert:
http://www.waldrappteam.at/waldrappteam ... nr=1&lnr=2
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Re: Unbekannter schießt auf Waldrapp

Beitragvon Allosaurus » 14.06.2014 14:41

Jetzt wurde in Österreich ein männlicher Waldrapp von einem bisher unbekannten Schützen mit einem Luftgewehr angeschossen

Da in Österreich mit Ausnahme von 1970-1986 die Bauern- und Jägerpartei ÖVP permanent in der Regierung gesessen ist, ist das Jagdrecht in dieser Provinz eine Farce für den Naturschutz. Z.B.: Wird ein ganzjährig geschontes Tier geschossen, kommt es nur mit der Ermächtigung des Jagdberechtigten zur Strafverfolgung.
Beispiel aus dem Jahre 2010:
Ein Jäger schießt in St. Martin einen Fischotter. Der Leiter des Fischereireviers, der zufällig in der Nähe war, hörte den Schuss und ertappte den Jäger mit dem toten Otter und zeigte ihn an. Der Jäger log daraufhin er hätte auf einen Marder geschossen der verwundet davongelaufen sei (die offensichtliche jägerspezifische Sehschwäche und Unfähigkeit Tiere zu identifizieren ist in Österreich übrigens weit verbreitet. In den letzten Jahren wurden in hierzulande Pferde, Kühe und sogar Soldaten erschossen, weil sie die Jägerleins angeblich "für Wildschweine hielten". Voriges Jahr hat ein schießwütiger gleich DREI Kühe mit mehreren Schüssen getötet - übrigens Fleckvieh, wie kann man die mit Wildschweinen verwechseln?). Am Tatort sichergestelltes Blut wurde von zwei unabhängigen Instituten als Fischotter identifiziert. Der Jagdpächter sprach sich gegen eine Verfolgung des Falles aus. Also fröhlich weiterknallen.
The physics and chemistry of living cells is basically the same as the physics and chemistry of rocks, just a bit more complicated.

Victor J. Stenger

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