Heute vor 100 Jahren: Martha, die letzte Wandertaube starb

Tiere der Ornithologie

Heute vor 100 Jahren: Martha, die letzte Wandertaube starb

Beitragvon Tobias » 01.09.2014 07:47

Hallo,

von den meisten ausgestorbenen Tierarten weiß man nur ungefähr, wann sie ausgestorben sind. Einige wenige Arten haben in Zoos oder Pflegestationen länger überlebt, als in der Natur, so dass man hier das letzte Exemplar beobachten konnte. So kann man dann mitbekommen, wann die Art ausstirbt.

Heute vor 100 Jahren starb Martha im Zoo von Cincinnati, USA. Sie war die letzte Wandertaube, eine Art, die vor 200 Jahren noch in milliardenstarken Populationen vorkam. Man stelle sich das einmal vor: Ein Vogelschwarm, so groß, dass er Tage brauchte, um an einem Ort vorbei zu ziehen! Durch rücksichtslose Jagd wurde die Art so vermindert, dass der Bestand in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kollabierte. 1871 brütete in Wisconsin nahezu die gesamte Restpopulation, die mit geschätzten über 135 Mio. Vögeln nur noch ein Zehntel des geschätzten Ausgangsbestandes ausmachte. 1878 wurden in einer Kolonie etwa 10 Mio. Vögel getötet. In den 1880er Jahren gab es dann nur noch Kolonien von zehntausenden Vögeln. Anfang der 1890er Jahre waren Schwärme von mehreren hunderten Individuen selten geworden. Ab 1895 war die Beobachtung von 10 Vögeln eine Besonderheit und ab 1900 gab es nur noch wenige, teils unbestätigte Einzelbeobachtungen.

Neben der Verfolgung kam am Ende auch noch das Problem vieler Koloniebrüter dazu: Sie kommen erst ab einer gewissen Populationsstärke in Brutstimmung. Dazu kommt eine Sättigungsstrategie für Prädatoren: Der Brutplatz einer Wandertaubenkolonie war nicht vorhersehbar. Obwohl die Nester der Tauben offen und gut einsehbar waren und Wandertauben nur ein Ei legten, bestand bei großen Kolonien kaum Gefahr durch Beutegreifer, denn diese waren durch die große Zahl schnell gesättigt. Schrumpften die Kolonien, wurden sie auf einmal bestandsgefährdend.
Dennoch ist es keine Frage, dass die Jagd auf diese Tiere die Art ausgerottet hat.

Martha, die letzte Wandertaube wurde 29 Jahre alt, sie starb an Altersschwäche. Sie wurde nach ihrem Tod eingefroren und im Smithonian Museum in Washington ausgestellt. Letztlich wurde sie ein Symbol für den Raubbau an der Natur, speziell an den häufigen Arten der Great Plains.

Wandertauben sind als Bälge in zahlreichen Museen vertreten, vermutlich sind sie das am häufigsten in wissenschaftlichen Sammlungen vertretene ausgestorbene Tier (Wirbeltier?).

Schöne Grüße

Tobias
"Je ungewöhnlicher eine Tatsache ist, die zu beweisen ist,
um so eindeutiger muss der Beweis sein, um akzeptiert zu werden."

J. Meldrum
Benutzeravatar
Tobias
Kryptozoologe
Kryptozoologe
 
Beiträge: 1390
Registriert: 27.04.2005 10:57
Wohnort: NRW

Re: Heute vor 100 Jahren: Martha, die letzte Wandertaube sta

Beitragvon Quagga » 04.09.2014 00:22

Ich finde, gerade die Wandertaube, die keine Insel- und auch keine Unterart mit ohnehin geringem Bestand war, ist das Symbol schlechthin für die menschliche Maßlosigkeit, und jedes Mal, wenn ich in irgendeinem Naturkundemuseum ein Wandertaubenpräparat sehe, schäme ich mich in Grund und Boden und entschuldige mich mit heißem Wasser in den Augen bei den Tieren für die unermeßliche Dummheit unserer Spezies, zuletzt bei dem Paar, das sie im Museum König in Bonn haben.
Genauso geht es mir übrigens auch bei den Quaggas, und Gott, wenn ich könnte, ich würde alles tun, um beide Fälle ungeschehen zu machen...
"If i see a track i know something made it!"
Weise Erkenntnis eines Hobby- Kryptozoologen :gut:
Benutzeravatar
Quagga
Administrator
Administrator
 
Beiträge: 838
Registriert: 19.01.2004 04:58


Zurück zu Vögel

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder

cron