

Wenn ich mich an mein Universitätswissen erinnere (mit Erschrecken muss ich feststellen, dass das bereits 15 Jahre her ist), dann stellten Przwalski-Urpferd und Waldtarpan zwei unterschiedliche Arten dar. Dieses wurde damals mit einem kleinen Fragezeichen kommuniziert, aber der Prof war sich dessen sehr sicher. Nun kann man da sagen, was man will, aber dieser Prof war Spezialist für eiszeitliche Tierarten in Mitteleuropa.
Er begründete den unterschiedlichen Artstatus auch mit den unterschiedlichen Lebensraum-Anforderungen: Przwalski-Urwildpferde sind Tiere des Offenlandes, Waldtarpane bewohnten vermutlich Wälder und Parklandschaften (also geschlossenes und halboffenes Gelände).
Die hauptsächliche Frage ist, wie der Lebensraum dieser Tiere aussah. Früher ging man davon aus, dass Europa quasi vollständig mit dichten Buchenmischwäldern bewachsen war. Die Existenz des Rehs, des Steppentarpans und des Auerochsen sowie einiger Vögel, die offene Landschaften bevorzugen, deuten darauf hin, dass dies nicht vollständig korrekt ist. Vermutlich gab es mehr oder weniger große offene Landstriche, die heide- bis steppenähnlich ausgesehen haben. Dabei spielt die Beweidung dieser großen Pflanzenfresser eine wichtige Rolle, denn durch Verbiss verhinderten sie, dass offene Gras- und Buschflächen wieder bewaldeten.




Das war definitiv nicht der Fall, wenn man z.B. an Schöningen und die Schöninger Speere denkt: auch vor mindestens 270.000 Jahren war der Homo heidelbergensis in der Lage, effektiv und in großer Zahl Großtiere zu jagen. Der Effekt auf die Populationen war also da, die Frage ist nur, wie groß er war. Das hängt direkt von der Größe der Homo heidelbergensis-Population in Europa ab.










Nicht unerwähnt sollte auch bleiben, daß die Heimat anderer Pferde sehr nahe liegt, die dem Wildpferd nahe verwandt sind: Huzule, Bosniak und Konik haben es nur wenige Hundert Kilomerter zum Delta.



!Hundert Jahre sind eine lange Zeit, das sind mehrere duzend Pferdegenerationen, in denen der Wildpferdeanteil je nach Relation stark abgeschwächt worden sein kann.
Daneben dürfte das eher zahme Verhalten der Koniks auf einen domestizierten Ursprung hindeuten, denn Koniks sind sogar bei halbwilder oder wilder Haltung nicht scheu und lassen sich füttern.[...] Exmoorpferde hingegen sind in halbwilder oder wilder Haltung eindeutig scheu (sie dienten auch Jahrhunderte als Jagdwild englischer Könige), ich konnte das selbst im Exmoor-Nationalpark erleben.
Im übrigen weisen auch sämtliche andere wilden Equinen ein weißes Maul auf, und dieses ist auch bei anderen Grasern (Mufflons, diverse Hirsche, Wildrinder etc.) durchaus verbreitet.
Alle Koniks sind von der Grundfarbe her schwarz
Denn Przewalskis bewohnen Steppenhabitate, und Exmoors Europa, welches ursprünglich wohl ein Mosaik aus Waldgesellschaften und Busch- und Graslandschaften war; braun ist da eine wesentlich bessere Tarnfarbe als helles beige, und andere Wildtiere (Wildschweine, Hirsche, etc.) sind ebenfalls braun. Auch sind die Markierungen wie Schulterkreuz und Beinstreifen in europäischen Landschaften vielleicht weniger von Nöten.



Eine Stute fohlt im Schnitt mit 3- 4 Jahren das erste Mal. Rechnet man das auf 100 Jahre hoch (ohne statistische Kommawerte), kommen 33- 25 Generationen raus. Das sind zwar viele, aber mitnichten mehrere Dutzend. Von denen wir hier nur etwas über zwei und keine vollen drei haben .
Hier muss man aber sicherlich der Lebensart der Tiere Rechnung zollen.
Die Exmoors leben seit Jahrhunderten ziemlich unbeeinflusst vom Menschen und wurden, wie Du schon sagtest, auch bejagt. Dem gegenüber steht der Konik, der auch in, ich sage mal, extensiver, also quasi- wilder Haltung, immer noch engen Kontakt zum Menschen hat, und sei es auch nur durch etwaige Einzäunungen, und in der Form niemals bejagt wurde, also in meinen Augen entweder als Haustier zu bezeichnen ist, oder schlicht ökologisch naiv...
Nimm' als Beispiel die Kuh Yvonne...
Eindeutig kein Ur, nicht mal mit Einfluss von Ur- Blut in den letzten 400 Jahren, aber dennoch hat die nach ihrem Ausbruch einwandfreies Wildtierverhalten gezeigt. Tagsüber im Wald, zur Dämmerung raus und weiden, und beim kleinsten Hauch der Verfolgung ab in die Büsche.
Ich möchte meinen, dass Koniks nach einigen Jahrzehnten des völlig freien Lebens und bisweiliger Verfolgung durch den Menschen ebenso scheu werden wie Exmoors, die nach ein wenigen Generationen Menschenhand sicherlich ebenso zahm und unbedarft sind, wie jetzt die Koniks.
Alles eine Frage der Lebensweise/ Haltung/ Erfahrungen der Tiere, denke ich, und weniger eine Frage der Wildbürtigkeit...
Hm, Zebras auch? Die haben ganz im Gegenteil doch eher ein schwarzes... Und ebenso, wie die Wildpferde zusätzlich das Falbgen bekommen haben, könnten sie doch auch das Pangare- Gen verloren haben .
Pferde im übrigen mit anderen Grasern zu vergleichen, finde ich etwas zu weit gegriffen... Hirsche zB haben ein helles Maul, weil das im Sozialverhalten eine wichtige Rolle spielt. Beim Moschustier ist das am deutlichsten, da die langen Eckzähne auf dem dunklen Fleck im sonst hellen Maul gut auffallen, doch auch das heimische Rotwild, Damwild (welches noch dazu mit erhobenem Kopf im Stechschritt paralell schreitet) oder auch Sikawild imponiert und droht ebenfalls noch in der Form, dass das helle Maul mit schwarzem Fleck besonders hervorgekehrt wird, und allein oft ausreicht, um Gegner einzuschüchtern. Das dies mit dem Mehlmaul der Pferde in einen Topf geworfen wird, passt weniger, finde ich.
Stimmt so nicht. Es gibt auch braungrundige, und entsprechend dann Braunfalben... Alles mit einem Flaschenhals zu erklären, ist vielleicht nur eine Vereinfachung der Antwort, weil man bisher näheres noch nicht weiß?

Hier werden vielleicht wieder ein bisschen Birnen mit Äpfeln verglichen.
Exmoors sind Moorbewohner, also farblich an Boden und Vegetation angeglichen. Gleiches kann man in Deutschland an schwarzem Rehwild beobachten, die vorwiegend in den Schwarzerderegionen/ Niederungen/ Moorgegenden vorkommen, und hier um etliches farblich getarnter sind als rotes Rehwild, welches wiederum im durchschnittlichen europäischen Laubwald besonders gut getarnt ist.
Wildschweine sind damit wiederum nicht zu vergleichen. Als Jungtiere sind sie braungelb/ rot, weil sie da noch mehr der Trockenheit und Wärme bedürfen, und so auf offenem Waldboden weniger auffallen, während die Alten schwarzgrau sind, was in feuchtmoorigen Gegenden und schattigen Wäldern eine exzellente Tarnfarbe abgibt.

Einige Koniks sehen durchaus aus, als hätten sie braun als Grundfarbe, zum Beispiel diese hier: http://img.fotocommunity.com/Wildlife/W ... 300333.jpg
Die Stichting Taurus hat übrigens mal Kreuzungen zwischen Exmoor und Konik durchgeführt. Das Resultat war phänotypisch astrein Braunfalb und überwiegend Pangare, daher frage ich mich, ob schwarz gegenüber braun rezessiv ist. Wenn dass der Fall wäre, waren phänotypisch schwarze und schwarzfalbene Wildpferde vermutlich nur eine hier und da auftretende Erscheinung, wie schwarze Panther.
Auch sehe ich die angeblich gute Springfähigkeit der Exmoorpferde als eine Anpassung an waldiges und buschiges Terrain, während Pferde, die eher auf das Laufen auf ebenen Flächen ausgelegt sind, wahrscheinlich von Steppentieren abstammen. Wie es mit der Springfähigkeit von Koniks aussieht, weiß ich nicht.
Sorry, aber das sind definitiv Rappfalben, gängigere Bezeichnung Mausfalben, die haben im Winterfell oft so einen Gelbstich.
Ist eine gute Kombination, auch wenn ich eher Dülmener statt Koniks genommen hätte, auch wenn die Dülmener durch den massiven Einsatz von Konikhengsten schon stark verwässert sind. Hast du Zufällig eine Idee wo ich noch Bilder dieser Kreuzungsprodukte finden kann? Auf der Homepage von Stichting Taurus habe ich leider nichts entdeckt.
Ok, da wäre ich persönlich eher vorsichtig, denn nach allem, was ich bisher alles gehört und erlebt habe springen Pferde wirklich nur wenn sie müssen, z.B. sich keine andere Möglichkeit bietet ein Hindernis anders zu umgehen, oder sie in Bedrängnis sind.




) und da du ja schon sehr belesen bist was die Rinder und Pferde angeht hab ich mir gedacht .... kannste ja auch ma direkt fragen.

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