Morgen, am 25. Januar 2010 zelebrieren die Schotten "Burns Night" oder auch "Burns Supper", ein Fest zu Ehren des Dichters Robert Burns der an diesem Tag im Jahr 1759 geboren wurde. Neben dem formellen Essen (Haggis als wichtigster Bestandteil, der feierlich vom Koch unter Begleitung eines im Kilt bekleideten Dudelsackspielers zum Rednertisch getragen, wo der Hausherr oder der Wirt während dem Aufschneiden der Hülle Burn's "The Address to the Haggis" rezitiert). Nach dem Essen wird eine Reihe von Reden gehalten, immer nach einer streng ritualisierten Ordnung. The Immortal Memory ist eine Gedenkrede an Burns, typischerweise mit literarischer Würdigung ausgewählter Gedichte und einer Bezugnahme auf die heutige Politik und Sittlichkeiten. Beim Toast to the Lassies darf ein ausgewählter Mann die Frauen böse auf den Arm nehmen, bevor er ihnen einen Trinkspruch widmet. Darauf darf eine der Frauen in ähnlich neckischem Ton antworten. Zwischendurch werden Gedichte und Lieder von Burns vorgetragen und -gesungen. Und natürlich wird bei all dem auch fleissig dem Whisky zugesprochen. Es wäre vielleicht eine Analyse wert, wieviele Sichtungen von Nessie es in der Nacht zu "Burns Night" gab. Denn irgendetwas muss man doch tun, man kann doch Nessie nicht einfach vergessen!
Tatsächlich hat sich seit der letzten Kryptozoologie-Umschau niemand direkt mit Nessie beschäftigt. tabitca, sonst für jedes Seeungeheuer zu haben, schreibt lieber über die Kreatur von Lough Fadda und die Suche des Explorer Clubs nach unbekannten Tieren. Mike Dash berichtet über "bodenlose" Seen und wie Mythen entstehen können, berichtet dabei aber nur am Rande über das Loch Ness selbst. Kein Wort über Nessie. Natürlich, haufenweise Berichte über haarige Kryptide. Oll Lewis präsentiert den zwanzigsten Teil seiner Archivsammlung und befragt den "Yowie"-Autor Tony Healy. Markus Schneck sucht Bigfoot in Pennsylvania und findet Bigfoot faszinierend, was Loren Coleman gleich missfällt; das State History Museum in Tacoma eröffnete eine Ausstellung - zu Sasquatch natürlich... Michael Esordi schrieb einen Leserbrief zu James Snyders Artikel “I Just Found Bigfoot” und Steven Streufert plaudert NATÜRLICH auch über Bigfoot. Und sonst? Joanna Davis hat nur die Dorset-Großkatze im Kopf, Loren Coleman marine Monster und die Australier nur die Frage wie lange ihre Megafauna überlebte. Keiner denkt an die gute alte Nessie! Keiner! Echt toll! Echt! Das hat sie nicht verdient.
Seit den 1960er Jahren gilt der größte Specht der USA, der Elfenbeinspecht (Campephilus principalis principalis), als ausgestorben. Der einst in den südöstlichen Vereinigten Staaten verbreitete Vogel fiel der Zerstörung seines Lebensraums zwischen 1880 und 1940 zum Opfer. Die letzte sichere Sichtung in Nordamerika erfolgte 1944. Die Unterart des Spechts aus Kuba (C. p. bairdii) wurde 1990 als ausgestorben erklärt. Seitdem gab es zwar mehrere Berichte über Sichtungen und einige Expeditionen in den letzten fünf Jahren in Kuba und Nordamerika auf der Suche nach überlebenden Populationen – allesamt ohne einen konkreten Beweis für die fortwährende Existenz. 2005 hatten Biologen der Organisation „Big Woods Conservation Partnership“ unter Führung der Cornell Laboratory of Ornithology (CLO) und der Nature Conservancy im östlichen Arkansas insgesamt acht Sichtungen des Waldspechts bestätigt. Die Sichtungen erfolgten in den vorangegangenen zwei Jahren durch einzelne Forscher oder Teams in einem Umkreis von drei Kilometern in der „Big Woods“-Region, die zum Schutzgebiet Cache- und White River gehört. Man veröffentlichte sogar ein Video, dass jedoch vielfach aufgrund der schlechten Qualität angezweifelt wurde. Die berichtete Wiederentdeckung des Elfenbeinspechts in Arkansas führte wie dem auch sei zu zahlreichen Suchexpeditionen im dessen ehemaligem Verbreitungsgebiet. Automatische Kameras, Helikopter, Sensoren und tausende Arbeitsstunden von Freiwilligen und Experten haben jedoch keine weiteren Hinweise auf den Elfenbeinspecht gegeben. Obwohl weiterhin viele Offizielle fest von seiner Existenz und den vorgelegten Beweisen überzeugt sind, mehrten sich die Stimmen der Skeptiker die die Suche nach dem Elfenbeinspecht mit der Suche nach Bigfoot vergleichen. Die detailliertere Historie der Suche nach dem "heiligen Gral" der Vogelkundler kann in unserem Forum im Thread "Elfenbeinspecht wiederentdeckt" nachverfolgt werden. Die neueste Nachricht hierzu liefert ein gewisser Daniel Rainsong, der am 29.12.2009 einen lebenden Elfenbeinspecht im Gebiet des südlichen Sabine River gefunden und fotografiert haben will. Da es außer einer Pressemitteilung jedoch noch keinen weiteren Details oder Fotos zur Verifizierung dieser Behauptung gibt, reagieren bislang viele jedoch verhalten oder mit offener Skepsis. Es bleibt jedenfalls abzuwarten, ob an dieser Geschichte etwas dran ist oder es sich um einen Hoax handelt.
Definitiv ein Hoax ist der laut Jadyn Cassidy angeblich in Bulgarien gefilmte Bigfoot, der nur eine Aufwärmung des Snow-Walker-Hoaxes ist wie uns Loren Coleman mitteilt. Oll Lewis beschäftigt sich diesmal mit dem tatsächlich lebenden Glen Vaudrey, Richard Muirhead mit irischen Wildkatzen und dem Dobhar Chu und ArtDaily berichtet über ein neues Thylacinus-Gemälde von Walton Ford. Tabitca hat ein paar Sachen über Nessie zu erzählen und taucht dann in eine Beutelwolf-Großkatzen-Geschichte ein. Außerdem gibt es noch ein Interview von Tim Binall mit Adam Davis zu dessen "Extrem Expeditions 2009" und Austin Whitall beleuchtet den "Cuero"-Mythos näher.
Die Kladistik (von altgriechisch klados „Ast“, „Verästelung“) – ungenau auch oft mit phylogenetischer Systematik gleichgesetzt – ist eine Methode der biologischen Systematik. Die phylogenetische Systematik bezweckt, ein System der Organismen zu erstellen, das ausschließlich auf phylogenetischer Verwandtschaft basiert. Gruppen innerhalb eines solchen Systems müssen monophyletisch sein. Eine monophyletische Gruppe enthält alle Nachfahren einer Stammart sowie die Stammart selbst, jedoch keine Arten, die nicht Nachfahre dieser Stammart sind. Die Merkmalsausstattung der Stammart entspricht dem während der Analyse zu rekonstruierenden Grundmuster. Grundlage für die Erstellung monophyletischer Gruppen sind gemeinsame abgeleitete Merkmale, so genannte Synapomorphien. Das Grundmuster repräsentiert die Gesamtheit der nicht abgeleiteten Merkmale (Plesiomorphien) der Gruppen. Im Gegensatz zum idealistischen Bauplan, welcher die Gesamtheit aller Merkmale einer Gruppe in sich vereint, entspricht also der Grundplan einer Art, die real existiert haben könnte.
Das Ergebnis einer kladistischen Analyse ist eine Verwandtschaftshypothese, die als „Kladogramm“ (Hennig: „Argumentationsschema der phylogenetischen Systematik“) dargestellt wird. Anders als ein Stammbaum hat das Kladogramm nur terminale Taxa. Es impliziert damit also nicht die Entwicklung einer rezenten Form aus einer anderen. Knoten eines Kladogramms stellen die Stammart der beiden aus ihnen hervorgehenden Schwestergruppen dar, von denen sie sich durch die Autapomorphien der jeweiligen Schwestergruppen unterscheiden. [...]
Soweit erstmal die Einführung in die Kladistik von Wikipedia (Seite „Kladistik“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 5. Januar 2010, 17:52 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kladistik&oldid=68870640 (Abgerufen: 20. Januar 2010, 17:51 UTC)). Cameron McCormick hat sich nun - angeregt durch das Paper von Paxton (2009) - an einer kryptozoologischen Kladistik am Beispiel von Heuvelmans Seeschlangen-Klasse "Many Finned" versucht.
Das Jahresende bringt in so manchen Bereichen mit sich, dass Akten ausgemistet, Daten in Statistiken ausgewertet und Berichte fertig gestellt werden müssen. Auch die nächste Ausgabe des Magazins „Der Kryptozoologie-Report“ von Hans-Jörg Vogel ist in Vorbereitung und der Termin zur Abgabe von Beiträgen rückt näher. Einige Tage sind nun leider ohne die Umschau vergangen, in denen aber natürlich die kryptozoologische Welt nicht still stand. Deswegen lassen wir einen längeren Einführungstext diesmal weg und kommen gleich zur Sache:
Da das Augenmerk der Welt derzeit auf Haiti liegt, berichtet Loren Coleman über die dortigen Kryptide. Auch alte Berichte über Kryptide aus Kalifornien, eine (Binnen-)Seeschlange aus New York und ein Flussungeheuer aus Conneticut zählten zu seinen Themen. Aktueller sind da schon ein Bericht über einen haarlosen „Chupacabra-Hund“ aus Texas und den größten Quatchi der Ostküste. John Triplow suchte den Lynemouth-Panther, Dale Drinnion See-Wale und die Ursprünge der Patagonischen „Plesiosaurier“, die Cambridge-News den Fen-Tiger und Oll Lewis suchte Antwort auf seine Fragen bei Nick Redfern. Zuvor jedoch präsentierte er noch schnell Teil 19 seines Archiv-Projekts, während Karl Shuker einen seiner alten Artikel zu mysteriösen Vögeln vorstellte, Steven Streufert die DVD zur „Bigfoot-im-Kühlschrank“-Affäre begutachtete, Austin Whitall den zweiten und dritten Teil über Tapire in Patagonien bloggte. Tabitca widmete sich dem Lake Lacar- und den Varberg Fortress-Monstern, James A Snyder dem Weg seiner Bigfoot-Fußabdrücke, Sam von Aquabeasties berichtet über eine Cammy-Sichtung und Darren Naish über riesige afrikanische Weichschildkröten (u. a. im Kongo) sowie über den Yowie.
So schnell wie der Blobsquatch aus unserer Kryptozoologie-Umschau 24 plötzlich ein Thema wurde, so schnell ging er wieder unter. Dank einer Blue-Ray-DVD, eines großen LED-Fernsehers und einer Videokamera mit dem man alles abfilmte, kann man den schwarzen Fleck nun in einer größeren Auflösung auf Youtube bewundern. Das Fazit: dank der deutlich erkennbaren Kleidung und sonstigen Gestalt ein Mensch, wahrscheinlich ein Teammitglied der Filmcrew der die Herde für eine bessere Einstellung "dirigiert". Etwa zehn Jahre hat es hingegen benötigt, bis ein erstmals 2001 in Florida beobachtetes Monster als Rundschwanzseekuh identifiziert werden konnte (siehe unsere Nachricht vom 14.01.2010: Florida-Seemonster ein Manati). Zwei aktuelle Beispiele, dass kryptozoologische Themen keineswegs immer ungelöst bleiben. Ist die Situation der Kryptozoologie also wirklich so düster wie Blogger "idoubtit" sie sieht?
Loren Coleman sieht es in seiner Einschätzung nicht so und präsentiert daher auch zwei Bigfoot-Forscher im Interview, tabitca bietet in einem Sammelsorium von Themen diesmal die Geschichte eines japanischen Riesenkalmars, eine Affenmannsichtung von 2004 und eine Seemonsterstory von 1851, Dale Drinnion erzählt über australische ABC's und große Hauskatzen, Richard Muirhead beschäftigt sich mit dem Ikanda, Karl Shuker mit dem Kayadi, Austin Whitall mit dem Saapaim sowie Tapiren in Patagonien und Oll Lewis mit Richard Freemann. Wer übrigens zufällig gerade in Seattle (USA) weilt, kann ab 14.01.2010 einen Abstecher ins Richard Hugo House machen und bei ZAPP eine Bigfoot-Ausstellung bewundern.
Die Beschreibungen, beziehungsweise die Kombination aller Merkmale von "Gambo", wie Karl Shuker es nach dem Land seines Fundortes benannte, trennen es klar von jeglichem rezenten und auch ausgestorbenen, bekannten Wasserbewohnern.