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Auf der Suche nach dem Knaben von Kronstadt Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dmitri Bajanov   
Sonntag, den 10. Juli 2005 um 23:53 Uhr
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Liebe Leser des Pterodactylus und von Kryptozoologie-Online,

ich wende mich an sie mit einemr sehr interessanten und wichtigen Vorschlag: zu versuchen das Grab und das Skelett des sogenannten "Knaben von Kronstadt" zu finden. Die Originalquelle der Informationen in diesem Fall ist Michael Wagners "Beiträge zur philosophischen Anthropologie und den damit Verwandten Wissenschaften", Wien: Joseph Stahel, 1796. Der Autor beschreibt einen jungen "Wildmenschen" der 1784 in der Stadt Kronstadt (Brasov) in Rumänien in Gefangenschaft gehalten wird (siehe Pterodactylus, 10 / 1-2002, pp.8-10).

"Wildmenschen" sind reichlich dargestellt in historischer und mittelalterlicher Kunst, aber um sie für Anthropologen interessant zu machen ist es notwendig ihre osteologischen Überreste zu finden. Es gibt Hinweise die die Annahme unterstützen, dass der Knabe von Kronstadt bis zu seinem Tod in Gefangenschaft verblieb und durch die Leute die ihn besaßen begraben wurde. Unglücklicherweise kennen wir nicht den Namen dieser reichen Familie. Aber da dieser Fall berühmt und bekannt sein musste in Kronstadt zu dieser Zeit, glaube ich das der Name dieser Familie im modernen Brasov in Rumänien in den Chroniken und Publikationen des 18ten Jahrhundertsgefunden werden kann.

Daher schlage ich vier Stufen der Suche vor:

1. Suche nach dem "Wildjungen" von Kronstadt und dem Namen der Familie die ihn besaß in den Publikationen des 18ten Jahrhunderts in den Büchereien und Archiven von Brasov.

2. Im Erfolgsfall der ersten Stufe, versuchen die Archive der Familie die den "Wildjungen" besaß zu erlangen, in der Hoffnung sein Grab zu lokalisieren.

3. Im Erfolgsfall der Lokalisation des Grabes, die Genehmigung zur Exhumation zu erhalten.

4. Genehmigung erhalten, das Skelett ausgraben.

Die erste Stufe ist entscheidend und unerlässlich für weitere Aktionen. Sie benötigt eine Person oder Personen die in der Lage sind alte deutsche Texte zu lesen und möglichst Erfahrung im Durchsuchen von Archiven haben. Sofern erfolgreich, wäre diese Suche ein großer Erfolg nicht nur für die Hominologie, sondern auch allgemein für die Wissenschaft der Anthropologie. Ich glaube den Versuch ist es wert.

Dmitri Bayanov
Science Director
International Center of Hominology
Moscow, Russia

Die Geschichte des Knaben von Kronstadt:

Im folgenden einige Angaben über den wilden Knaben, der vor einigen Jahren im siebenbürgen-wallachischen Grenzgebiet (Rumänien) entdeckt und nach Kronstadt (Brasov) geschafft wurde, wo er 1784 immer noch lebt. Wie der arme Junge aus den Wäldern gerettet wurde ... kann ich nicht sagen. Die Tatsachen müssen indes in der traurigen Galerie derartiger Bilder erhalten bleiben.

Der unglückliche Jugendliche war von männlichem Geschlecht und mittelgroß. Er hatte einen überaus wilden Blick. Seine Augen lagen tief im Kopf und wurden heftig hin und her gerollt. Die Stirn war stark nach innen gewölbt und das aschgraue Haar war kurz und derb. Er hatte dichte braune Augenbrauen, die weit über die Augen hinausragten und eine kleine flachgedrückte Nase. Sein Hals wirkte geschwollen und die Luftröhre kropfartig. Sein Mund stand ein wenig vor, wenn er ihn halb geöffnet hielt, was er gewöhnlich tat, da er durch den Mund atmete. Seine Zunge war nahezu regungslos und die Wangen wirkten eher hohl als voll und waren, wie das Gesicht, von einer schmutzigen, gelblichen Haut bedeckt. Der erste Anblick seines Gesichts, das etwas Wildes und Tierhaftes ausstrahlte, vermittelte den Eindruck, daß es keinem vernunftbegabten Geschöpf zugehörte ... Die übrigen Körperteile des wilden Knaben, vor allem Rücken und Brust, waren dicht behaart; die Muskeln seiner Arme und Beine waren kräftiger und deutlicher sichtbar als bei gewöhnlichen Menschen. Die Hände trugen Schwielen (die vermutlich durch andersartige Verwendungen verursacht wurden) und die Haut der Hände war schmutzig gelb und durchweg dick, wie auch das Gesicht. An den Fingern hatte er sehr lange Nägel und an den Ellbogen knotige Verdickungen. Die Zehen waren ungewöhnlich lang. Er ging aufrecht, doch etwas schwerfällig. Er wirkte, als würde er sich von einem Fuß auf den anderen werfen. Er streckte Kopf und Brust vor ... Er ging barfüßig und mochte keine Schuhe tragen. Er war gänzlich ohne Sprache und vermochte keinen artikulierten Laut von sich zu geben. Alles, was er äußerte, war ein unverständliches Gemurmel, wenn sein Wächter ihn vor sich her trieb. Dieses Murmeln steigerte sich zu einem Heulen, wenn er einen Wald oder auch nur einen Baum sah. Anscheinend drückte er so den Wunsch nach seiner gewohnten Behausung aus, denn als er sich einmal in meinem Zimmer aufhielt, von dem aus ein Berg sichtbar war, veranlaßte ihn der Anblick der Bäume, kläglich zu heulen ... Als ich ihn zum erstenmal sah, hatte er keinen Sinn für Eigentum. Wahrscheinlich war es sein völliges Nichtvertrautsein mit dieser neuen Situation und die Sehnsucht nach seinem einstigen Leben in der Wildnis, die er zum Ausdruck brachte, wenn er einen Garten oder Wald erblickte. Ähnlich erkläre ich mir auch, warum er anfangs beim Anblick von Frauen nicht die geringste Regung zeigte. Als ich ihn nach drei Jahren wiedersah, waren diese Apathie und Gleichgültigkeit verschwunden. Sobald er eine Frau erblickte, brach er in heftige Freudenschreie aus und versuchte, seine erweckten Begierden auch durch Gesten auszudrücken ... Doch zeigte er Wut und Unwillen, wenn er hungrig und durstig war und hätte in diesem Fall sehr gern Menschen angegriffen, wenngleich er in anderen Situationen Mensch und Tier kein Haar krümmte. Abgesehen von dem ursprünglich menschlichen Körper, der in diesem Zustand der Wildheit gewöhnlich Mitleid erregte, und abgesehen von seinem aufrechten Gang, vermißte man an ihm all jene Merkmale, die den Menschen von den Tieren unterscheiden; es war ein eher noch weit mitleiderregender Anblick, wenn diese hilflose Kreatur knurrend und mit wildem Blick vor ihrem Wächter dahertappte, sich nach Beutetieren sehnend und unempfänglich für alles, das vor ihr auftauchte. Um dieses unbändigen Drangs Herr zu werden, band man ihn anfangs gewöhnlich fest, sobald er sich den Stadttoren näherte und in die Nähe der Gärten und Wälder kam. Mehrere Personen mußten ihn begleiten, da er sich sonst losgerissen hätte und zu seinem früheren Aufenthalt gelaufen wäre. Anfangs bestand seine Nahrung nur aus Blättern verschiedener Bäume, Gras, Wurzeln und rohem Fleisch. Nur sehr langsam gewöhnte er sich an Gegartes und nach Bekunden seines Betreuers verstrich ein ganzes Jahr, bis er lernte, gekochte Speisen zu essen, als ganz offenkundig seine tierhafte Wildheit verschwunden war.

Ich vermag nicht zu sagen, wie alt er war. Dem Äußeren nach zu urteilen, hätte er 23 bis 25 Jahre zählen können. Vermutlich wird er niemals sprechen lernen. Als ich ihn nach drei Jahren wiedersah, fand ich ihn weiterhin sprachlos vor, wenngleich in manch anderer Hinsicht auffällig verändert. Sein Gesicht hatte weiterhin einen tierhaften Ausdruck, war nun aber weicher ... Das Verlangen nach Nahrung, die er nun in jeder Form mochte (vornehmlich Hülsenfrüchte), bekundete er durch verständliche Laute. Er wirkte sichtlich zufrieden, wenn ihm jemand etwas zu essen brachte und benutzte gelegentlich einen Löffel. Er hatte sich daran gewöhnt, Schuhe und andere Kleidungsstücke zu tragen, auch wenn es ihn nicht störte, wenn sie arg zerlumpt waren. Allmählich konnte er allein nach Hause zurückfinden; die einzige Arbeit, für die er zu gebrauchen war, bestand darin, daß man ihm einen Krug gab, den er am Brunnen füllte und nach Hause brachte. Dies war der einstige Dienst, den er seinem Wächter zu erweisen vermochte. Auch wußte er, wie er sich Nahrung beschaffen konnte, indem er eifrig jene Häuser aufsuchte, wo man ihm etwas zu essen gegeben hatte. Sein Nachahmungstrieb zeigte sich bei vielen Gelegenheiten, doch nichts hinterließ bei ihm einen dauerhaften Eindruck. Selbst wenn er etwas mehrmals imitierte, vergaß er es bald wieder, mit Ausnahme jener Gewohnheiten, die mit seinen natürlichen Bedürfnissen wie Essen, Trinken, Schlafen etc. zu tun hatten und allem, das damit verbunden war. Am Abend fand er sein Zuhause und am Mittag das Haus, wo er Nahrung erwartete, nur von seinen Gewohnheiten angetrieben. Er lernte nie, den Wert des Geldes zu kennen. Er nahm zwar welches an, doch nur in der Absicht, damit zu spielen und es kümmerte ihn nicht, wenn er es wieder verlor. Grundsätzlich war er in jeder Hinsicht wie ein Kind, dessen Fähigkeiten sich zu entwickeln beginnen, mit dem einen Unterschied, daß er unfähig war zu sprechen und in dieser Hinsicht auch keinen Fortschritt erzielen konnte. Seine Ähnlichkeit mit einem Kind zeigte sich darin, daß er alles anstarrte, das man ihm zeigte; doch mit demselben Mangel an Konzentration wandte er den Blick von den alten Gegenständen ab und neuen zu. Wenn man ihm einen Spiegel zeigte, blickte er dahinter, um sein Spiegelbild zu finden. Es war ihm jedoch vollkommen gleichgültig, wenn er es nicht fand und der Spiegel seinem Blick entzogen wurde. Die mit Musikinstrumenten vorgetragenen Melodien schienen ihn ein wenig zu interessieren, doch dieses sehr schwache Interesse hinterließ keinerlei Eindruck. Als ich ihn in meinem Zimmer zum Piano führte, lauschte er den Melodien mit sichtlichem Vergnügen, getraute sich aber nicht, die Tasten zu berühren. Er zeigte große Angst, als ich versuchte, ihn dazu zu zwingen. Seit 1784, dem Jahr, als er Kronstadt verließ, ist es mir nicht gelungen, weitere Berichte über ihn zu erhalten.

(Wolf-Children and Feral Man, S. 237-240).

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