| Interview: Gründung des Vereins für kryptozoologische Forschungen | ![]() | ![]() |
| Geschrieben von: Marozi | |||
| Freitag, den 01. April 2005 um 01:00 Uhr | |||
Michael Schneider, Buchautor und Herausgeber des Magazins "Der einsame Schütze", kündigte unlängst an einen kryptozoologischen Verein zu gründen, was Kryptozoologie-Online veranlasste ein Interview mit ihm zu führen. Herr Schneider, wie kam es zu der Idee einen Verein zu gründen?
Die Vorgeschichte ist etwas länger und stammt nicht von mir alleine. Ich habe es aber nun einmal in die Hand genommen, da mir persönlich die Kryptozoologie am Herzen liegt, und treibe die Gründung einer Forschungsvereinigung voran. Durch meine Tätigkeit als Autor und meine internationalen Kontakte, welche ich im Laufe der Jahre erhalten konnte, liegt hier eine sehr gute Grundvoraussetzung vor. Ansätze gab es im deutschsprachigen Raum und International bereits, wie etwa die ISC oder das ZkF in Berlin, doch sind diese Projekte mittlerweile längst aufgelöst. International gibt es noch einige weitere Gruppen, wie etwa GUST oder die „Extinct Animal Hunters“, um nur einige zu nennen, welche sich mit der Kryptozoologie beschäftigen. Doch das was der „Verein für kryptozoologische Forschung“ (kurz VKF) auf die Beine stellen möchte, hat es bisher nur Ansatzweise in der ISC gegeben. Die eigentliche Idee zur Gründung einer solchen Vereinigung wurde während einer von mir veranstalteten kryptozoologischen Diskussionsrunde am 12.02.2005 in Fulda von vielen Teilnehmern vorgebracht und quasi als Forderung gestellt, als man sich die Situation an seriösen und ernsthaften Vereinigungen gerade im deutschsprachigen Raum vor Augen führte. Das Interesse an einem deutschen Verein bzw. an Kryptozoologie ist also groß?Das Interesse an einer solchen Vereinigung ist vorhanden. Doch die Vereinigung soll ja nicht nur in Deutschland aktiv sein, sondern auch für internationale Mitglieder offen stehen. So haben wir etliche Interessenten aus Österreich und der Schweiz. Und je mehr Mitglieder, auch international, zusammenkommen, desto besser wird die Vereinigung arbeiten. Welche Ziele verfolgt der VKF?Der Verein sieht seine Hauptaufgaben darin, als Verband und Anlaufstelle für Kryptozoologen, Hobbyforschern und an der Thematik interessierten Personen zu dienen, gezielte Durchführung von Forschungsprojekten durch interne Planungen zu gewährleisten und eine Verbesserung des Auftritts der Kryptozoologie in der Öffentlichkeit zu erzielen. Erste Ergebnisse wurden ja bekanntlich schon erzielt, wie der Erfolg des Printmagazins und die Durchführung von Veranstaltungen zeigt. Verband auch für Kryptozoologen und Hobbyforscher? Gibt es diese überhaupt in Deutschland? Gibt es speziell auf Deutschland, die Schweiz oder Österreich bezogen überhaupt lohnenswerte Forschungsmöglichkeiten?Selbstverständlich gibt es in Deutschland und den umliegenden Ländern eine gewisse Gruppe an Personen, die sich intensiver mit der Thematik beschäftigen. Ob es in den näheren europäischen Ländern lohnenswerte Forschungsmöglichkeiten gibt? Wenn ich mir einmal so das Umland anschaue, finde ich sogar eine ganze Anzahl an bemerkenswerten Ansatzpunkten. Seien es nun Bioinvasoren in unseren Gebieten, also Tiere aus anderen Gebieten, die in unsere Länder vordringen und hier Lebensraum heimischer Arten beanspruchen, wie etwa die Goliathfrösche im Rhein und in Süddeutschland. Oder der Vormarsch der Kamchatkakrabben in der Nordsee, die mittlerweile schon vor Helgoland gesichtet wurden. Weiterhin gibt es jährlich eine Unzahl von Meldungen von ungewöhnlichen Sichtungen, denen man nachgehen sollte, auch wenn es sich letztendlich um bekannte, jedoch für den Betrachter unbekannte, Arten handelt. Man denke nur einmal an die Geschichte vom Monster im Rhein, oder die Geschichte mit den Killerwelsen. Es ist immerhin eines der Ziele der Kryptozoologie, solchen Geschichten auf den Grund zu gehen, auch wenn sich ein großgepriesenes Monster als Aal oder verwilderte Hauskatze herausstellt. Weiterhin gibt es im Umland auch interessante Kryptide, welche einer näheren Betrachtung wert sind. Zu nennen wären hier z.B. der Tatzelwurm oder die Seeschlangensichtungen in der Nordsee. Hinzu kommt die Erforschung der Hintergründe mancher Sagen und Legenden. Blickt man weiter nach Osten, rücken weitere Kryptide ins direkte Blickfeld. Ein weiteres Schwerpunktthema ist die Suche und der Nachweis von als ausgestorben geltenden Tieren. Es gibt ja nicht nur den Beutelwolf oder die Dronte, sondern auch in unseren Landen eine Unzahl von als ausgestorben oder verschwundenen geltenden Tieren. Wie man sieht, ist selbst im nächsten Umland eine ungeheure Arbeit für Kryptozoologen zu tun. Sie sprechen von Forschungen. Welchen Forschungsgebieten bzw. welchen Kryptiden würde sich der Verein widmen? Nessie, aufgrund der Nähe? Den wenigen sABC’s in Deutschland?Der Verein bezieht sich nicht auf einen oder wenige spezielle Kryptide. Vielmehr soll der Verein als zentrale Anlaufstelle dienen. Forschungsprojekte werden gezielt geplant und vorangetrieben, um letztendlich die Ergebnisse auch der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. Forschungsprojekte wird es aber nicht nur in Deutschland und den Nachbarländern geben, sondern letztendlich auch weltweit. Aktive Mitglieder haben natürlich erheblich mehr Chancen auf die Durchführung von Projekten auf der ganzen Welt, da diese Projekte gezielt innerhalb des Vereins geplant und vorangetrieben werden können. Wird der Verein Projekte einzelner Mitglieder neben der logistischen auch mit finanziellen Mitteln unterstützen? Und wenn ja, nach welchen Kriterien werden diese Fördergelder bewilligt?Dies ist natürlich eines der Ziele des Vereins. Förderung von kryptozoologischen Forschungen sind mitunter sogar der wichtigste Grundbaustein des Vereins, worunter auch finanzielle Unterstützungen fallen. Jedes Projekt innerhalb des Vereins kann neben der logistischen Hilfe auch finanzielle Komponenten erhalten. In wie weit und in welchem Umfang dies stattfindet, hängt von den Möglichkeiten des jeweils aktuellen Budgets ab. Benötigte Mittel können jederzeit während einer Projektplanung aufgestellt werden. Das Ansehen der Kryptozoologie in der Öffentlichkeit ist geprägt von der Jagd unseriöser Zeitgenossen auf Monster und falsch verstandenen Zielen. Der VKF will dies ändern – aber wie?Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit. Liest oder sieht man heute etwas zum Thema Kryptozoologie in den Medien, so wird meist von Ungeheuern gesprochen. Das Ziel des Vereins ist es jedoch, der Öffentlichkeit ein anderes Bild jenseits der unseriösen Regenbogenpresse zu bieten. Neben den Publikationen im Printmagazin wird es eine ganze Anzahl an Informationsveranstaltungen geben, mehr Pressearbeit und vor allem mehr öffentliche Aufklärung. Anfänge in diese Richtungen gibt es wie gesagt schon, nur müssen diese gezielt verfolgt und verbessert werden. Die Öffentlichkeit muss verstehen, dass sich hinter vielen Ungeheuern keine Monster verbergen, sondern oftmals nur sehr seltene und scheue Tiere, bzw. oftmals sogar nur Einzeltiere mit einem verändertem Verhaltensmuster. Muss man nicht auch in den Reihen der Schulwissenschaft gezielt Öffentlichkeitsarbeit leisten? Die Kryptozoologie ist Teil der zoologischen Geschichte und dennoch grenzen sich viele Wissenschaftler von ihr ab.Selbstverständlich leistet man auch in den Schulwissenschaften Öffentlichkeitsarbeit. Ohne öffentliche Auftritte und Meldungen würden erzielte Ergebnisse in der Versenkung verschwinden. Im Falle der Kryptozoologie, welche man auch als erweiterte Methodik der klassischen Zoologie sehen kann, ist dies jedoch etwas komplizierter, da die Meinung in der Öffentlichkeit bereits stark durch ein verzerrtes Bild aus den Medien vorgeprägt ist. Ziehen wir als Beispiel einmal „Nessie“ aus dem schottischen Loch Ness heran. Die Medien haben im Laufe der Jahrzehnte ein Bild geprägt, welches wohl ursprünglich Anfang der 1930er Jahre durch den damals ungeheuren Film „King Kong“ ausgelöst wurde. Alle Welt erwartet heute ein „Monster“, wie einen Plesiosaurier, obwohl hinter der Geschichte nicht sehr viel mehr als Presserummel steckt. Da wird schnell einmal aus einem Baumstamm oder einem großen Fisch wie Wels oder Aal, die es tatsächlich im Loch Ness gibt, ein schwimmendes Ungeheuer impliziert. Leider nutzen viele zwielichtige Personen solche Meldungen aus, um sich mit gefälschten Beweisen ins Rampenlicht zu setzen. Alleine durch dieses verzerrte Bild lassen sich viele Wissenschaftler bereits abhalten in dieser Richtung zu arbeiten, da diese negative Folgen für ihren Ruf befürchten. Aber genau hier muss gezielte Öffentlichkeitsarbeit ansetzen, um solche Vorurteile abzubauen. Eine Mitgliedschaft kostet…?Eine Mitgliedschaft ist mit der Zahlung einer jährlichen Mitgliedsgebühr von 60,00 Euro verbunden. Dieser Betrag scheint auf den ersten Blick etwas hoch zu sein und wir hätten diesen auch gerne günstiger angesetzt, doch in den Berechnungen war unter diesem Wert kein kostendeckendes arbeiten mehr durchführbar. Im Grunde genommen liegt der Mitgliedsbeitrag bei 5,00 Euro monatlich, was einen Jahresbeitrag von 60,00 Euro ergibt. Im Mitgliedsbeitrag sind verschiedene Leistungen des Vereins enthalten. …darin sind welche Leistungen enthalten?Ich möchte jetzt hier nicht unbedingt alle internen Vereinsleistungen vorstellen, wie etwa thematisierte Diskussionsforen ohne Zulauf von Spaß- und Spampostern, welche durch die nötige Mitgliedschaft von vornherein ausgefiltert werden. Die Hauptleistungen sind z.B. ein einmal jährlich stattfindendes Symposium/Vereinstreffen, auf welchem die neusten Forschungsergebnisse und Ansätze vorgebracht werden. Dieses Treffen ist für Vereinsmitglieder selbstverständlich kostenlos. Weiterhin dient als Publikationsplattform das Printmagazin, welches sich seit einigen Jahren auf dem Markt befindet und dessen Hauptschwerpunkt ohnehin schon immer Kryptozoologie war, als zentrale Publikationsplattform für die Öffentlichkeit. Das Heft hat in ganz Europa eine große Leserzahl und eignet sich hervorragend als zentrale Publikationsplattform. Mitglieder erhalten das Heft jeweils zum zweimonatigen Erscheinungstermin kostenlos zugestellt, wobei der reguläre Handelspreis bei 6,00 Euro pro Ausgabe liegt. Intern gibt es weiterhin eine Mailingliste, einen wöchentlichen Mitgliederchat, ein Eventboard und einige weitere Funktionen, welche die Kommunikation und Arbeit des Vereins vereinfachen. Wann wird der Verein seine Arbeit aufnehmen?Der Verein befindet sich bis zum 15.04.2005 noch in seiner Vorbereitungsphase, obwohl erste Mitglieder bereits vorhanden sind und erste interne Funktionen nutzen können. Offiziell startet der Verein mit seiner Arbeit am 15.04.2005. Zum Schluss Ihre persönliche Meinung: welcher oder welche Kryptiden existieren am wahrscheinlichsten?Auf diese Frage ist eigentlich keine vernünftige Antwort möglich. Faktisch halte ich besonders als ausgestorben geltende Vogelarten für sehr wahrscheinliche Kandidaten, wie z.B. den Australischen Nachtsittich oder verschiedene Paradiesvögel und Eulenarten. Je größer ein Kryptid, desto unwahrscheinlicher wird seine Existenz. Relikthominiden sind auch eine wahrscheinliche Möglichkeit, da es auch heute noch unberührte Flecken auf der Erde gibt. Fragt man aber nach dem Mokele-mbembe oder gar nach Drachen, so wird die Wahrscheinlichkeit immer weiter gen Null abgleiten. Auf der anderen Seite warten wohl gerade in den Ozeanen noch einige Überraschungen auf uns. Aber auf einen speziellen Kryptiden möchte ich mich eigentlich nicht festlegen. Vielen Dank für das Interview.Weiter Informationen zum Verein gibt es auf des Vereins.
Zur Person:
{mosimage}Michael Schneider wurde 1971 geboren und genoß eine Berufsausbildung in der chemischen Industrie. Seit 1995 arbeitet er als freier Autor, Programmierer und Trainer für Computeranwendungen. 1999 folgten erste Veröffentlichungen zur Kryptozoologie und verschiedene TV- und Rundfunkarbeiten sowie Auftritte als Experte in Sendungen mit kryptozoologischem Thema. Ende 2000 gründete er das Magazin "Der einsame Schütze", welches sich der Erforschung von Grenzwissenschaften sowie der Kryptozoologie gewidmet hat. Schneider ist Autor zweier Sachbücher zur Kryptozoologie und betreibt weltweit eigene Forschungen zu diversen Kryptiden.
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