| Girvan-Kadaver |
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| Geschrieben von: Marozi | |||
| Donnerstag, den 13. August 2009 um 09:46 Uhr | |||
In einer Küstenhöhle in Bannane Head, ganz in der Nähe von Galloway County (dem heutigen South Ayrshire) lebten nach der involvierten zweiten Legende Alexander „Sawney“ Bean2 und seine Frau mehr schlecht als recht vom Raubmord an vorbeikommenden Reisenden. Da sie so nur schwerlich ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten, gingen sie irgendwann dazu über ihre Opfer nicht nur zu berauben und zu ermorden, sondern diese sodann in die Höhle zu schleppen, sie auszuweiden und schließlich aufzuessen um Geld für Nahrungsmittel zu sparen. Was man nicht sogleich verwerten konnte, wurde zum späteren Verzehr in Salz und Essig eingelegt und in der Höhle an Haken abgehängt.3 Im Laufe der Zeit wurden ihnen acht Söhne, sechs Töchter sowie - durch inzestuöse Verbindung - 32 „Enkel“ geboren, die alle alsbald in das blutige Handwerk mit eingebunden wurden. Eines Tages geschah jedoch ein folgenschwerer Fehler und ein Reisender überlebte4, woraufhin die alarmierte Obrigkeit Truppen entsandte, denen es mit Hilfe von Bluthunden gelang, das Versteck ausfindig zu machen. Ob ihrer grausamen Verbrechen wurden die männlichen Familienmitglieder zum langsamen Tode durch Ausbluten verurteilt, alle Frauen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Alle bis auf eine, denn Elspeth McCrudden war nach der Legende von Girvan niemand anderes als die den grauenhaften Verhältnissen entflohene älteste Tochter der Beans. Doch nach den Verhaftungen kam man auch hinter ihre wahre Identität und obwohl sie nach einer anderen Erzählung noch versuchte ihrem Schicksal zu entfliehen5, knüpfte der Mob sie an einen Ast ihres selbst gepflanzten Baumes. Noch heute könne man, wenn man unter dem „Hairy Tree“ genannten Baum stehe, das Geräusch ihres baumelnden Leichnams hören.6 Was hat all das mit Kryptozoologie zu tun? Nicht wirklich viel, außer dass die tragische Legende um Elspeth McCrudden und den Hairy Tree nicht der einzige Fall ist, in dem ein Leichnam in Girvan eine bedeutende Rolle spielt... Am Strand unweit der örtlichen Alginat-Fabrik fand man am 15. August 1953 einen von den Gezeiten angeschwemmten Kadaver. Das Tier war insgesamt neun Meter lang, wobei allein vier Meter auf den Schwanz entfielen. Der etwa 1, 20 Meter lange Hals wurde als „giraffen-artig“ beschrieben, mit einem kamel-, pferde- oder kuhähnlichen Kopf und knochenbeschirmten Augen. Der Kadaver verfügte zudem über vier stumpfartige Anhänge ähnlich Beinen und war bedeckt mit groben, grauen Haaren. „Es ist ein Plesiosaurus,“ war alsbald die Meinung von Augenzeugen und einigen Stadtoberen in der Presse zu lesen. Der Provost (Bürgermeister) von Girvan tat seine Meinung kund, dass das Biest „die Gedärme eines Säugetiers hat“ und deshalb kein Fisch sein konnte. In den schottischen Zeitungen war der Fund, keine zwanzig Jahre nach der „Geburt“ des Monsters von Loch Ness, am folgenden Tag auf der ersten Seite und sogar in London wurde die Geschichte und Bilder davon publiziert. Hunderte Schaulustige reisten an und geschäftstüchtige Einwohner begannen Souvenirs wie zum Beispiel übergroße „Monster“-Kartoffeln zu verkaufen. Als schließlich Experten aus Edinburgh vor Ort kamen, war es zu spät.7 Wegen des fürchterlichen Gestanks hatte man den Kadaver mit Öl und Petroleum übergossen und angezündet, wobei nur der Kopf intakt blieb. Er blieb deswegen intakt, da ihn zuvor irgendjemand8 einfach mitgenommen hatte und so konnte man auch anhand des Schädels keine sichere Identifikation vornehmen. Anhand von Fotografien vor der endgültigen Zerstörung, entschied man daher, dass es sich um einen Riesenhai handeln musste, der auf See starb und dann halb aufgefressen von anderen Tieren an Land geschwemmt wurde. Auch andere Wissenschaftler schlossen sich dieser Ansicht an: „Nichts was ich gesehen habe, kann meine Meinung ändern, dass dies ein Riesenhai ist“ so A. R. Waterson vom Marine Biology Department des Royal Scottish Museum. Eine Meinung, die auch seine Kollegen, der Zoologie-Dozent J. B. Cowey und James Perry von der Glasgow University teilten. Perry: „Dieser hier war wahrscheinlich ein Baby, nicht mehr als 4,5 Meter lang – sicherlich keine 10 Meter – das ist vollkommen lächerlich. Es war nahezu unmöglich für jeden es zu identifizieren, denn es war so böse durch die Felsen und andere Seekreaturen zerstört. Lokale Einbildung und Wunschdenken taten den Rest.“ Einige Einwohner und Fischer von Girvan waren sich jedoch trotzdem nicht so sicher wie die Wissenschaftler. „That wis nae shark“. „Das war kein Hai“ war ihre Meinung zum Kadaver und zur Expertenmeinung. Ganz im Gegenteil, einige wollten vor Ailsa Craig und Turnberry Point bereits zuvor eine seltsame Kreatur gesichtet haben. Sechs oder sieben Wochen vor dem Fund des toten Tieres, berichtete der Skipper der „Geisha“, William Sloane, er und einige Passagiere hätten das Monster auf seinem Rückweg von Ailsa Craig gesehen. Er war davon überzeugt, dass der Kadaver und seine Kreatur ein und dieselben seien. Skipper Carson und seine Mannschaft kamen dem Monster noch näher, als das Tier seinen langen Hals und kleinen Kopf aus dem Wasser streckte. „Es starrte uns aus großen runden Augen an und ich gab einen Schuß auf es ab und es verschwand.“ Ein Student, für dessen Seriosität ein früherer Orstvorsteher von Girvan bürgte, behauptete das Ding sich „schäumend durch das Wasser mit großer Geschwindigkeit“ bewegen gesehen zu haben. Aufgrund der ungewöhnlichen Erscheinung habe er jedoch geschwiegen. Und zudem behaupteten einige, ein weiteres Monster sei noch dort draußen auf der Suche nach seinem verschwundenen Partner. William Sloane, der bereits erwähnte Augenzeuge und zudem auch einer der ersten, der das zweite Tier gesehen haben will, fuhr die Schaulustigen beinahe stündlich für zehn Pfund hinaus aufs Meer. Wie sicherlich ersichtlich ein profitables Ereignis für die geschäftstüchtigen Einwohner, und so ergab sich für manche Skeptiker ein gewisser Verdacht. Denn immerhin kannte eine wahrscheinlich große Anzahl der Bürger sich mit Riesenhaien und deren Kadavern sehr gut aus – im Fischerdorf Girvan verdiente sich mancher während des zweiten Weltkrieges mit der Jagd und dem Handel von Riesenhaien sein Auskommen. Vielleicht, so fragten sie sich, war deshalb nicht nur der Geruch des toten Tieres ein Anlass es zu verbrennen?
Die „Pseudoplesiosaurier-Theorie“ bietet damit eine rationale Erklärung für derartige Tierleichen, sie ist jedoch keineswegs allgemeingültig und eine umsichtige Analyse ist in jedem Fall geboten.
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