Menschenfressender Baum

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Der menschenfressende Baum (Man-Eating Tree): Fleischfressende Monster in Indien und Afrika

Vor Charles Darwin war die Idee, dass eine Pflanze fleischfressend sein könnte, nicht gern gesehen. Führende Wissenschaftler behaupteten, dass Pflanzen nur versehentlich Insekten fingen und verdauten. Erst mit Darwins Analyse wurde die Existenz von fleischfressenden Pflanzen gemein hin akzeptiert. Viel früher tauchten diese Pflanzen jedoch bereits in anderen Kulturen auf, und zwar in Form von Fleisch- beziehungsweise Menschenfressenden Bäumen.Der Terminus selbst bezieht sich auf viele legendäre und kryptozoologische Pflanzen, die groß genug waren, um einen Menschen oder ein großes Tier zu töten und zu verzehren.

Die größte bekannte fleischfressende Pflanze ist vermutlich die Nepenthes Raja, deren Blütenkrüge eine Höhe von 38 Zentimeter erreichen und ein Volumen von bis zu 3,5 Litern besitzt. Sie fängt mit ihren Fallen im besten Falle kleine Säugetiere. Um Menschen zu verzeehren ist diese Art von Pflanze ist nicht groß genug. Dennoch findet sich in der Popkultur der Glaube, es könne eine extrem große Pflanze gegeben haben, die dazu in der Lage gewesen ist.

In den Mythen aus Polynesien finden sich Geschichten über den Halbgott Maui, der gegen menschenfressende Pflanzen kämpft. Ihm wird nachgesagt, den Papiermaulbeerbaum besiegt zu haben und den Menschen zur Domestizifierung übergeben zu haben.

Die bekannteste menschenfressende Pflanze soll jedoch auf Madagascar zu finden sein. Die Erzählungen des “Madagascar Tree” stammen aus dem 19. Jahrhundert. 1881 schrieb der deutsche Entdecker Karl Liche einen Bericht über die Pflanzen. Er wohnte einer Art Opferritus bei, bei dem von Eingeborenen der Pflanze Menschenopfer erbracht wurde. Die Ranken der Pflanze hätten sich ähnlich der Schlangen bewegt, sehr schnell und hartnäckig ohne ihrer Beute – einer Frau aus dem Stamm – die geringste Chance zum Entkommen zu geben. Der Bericht wurde Jahre später aufgegriffen und weiter verbreitet. Sowohl indigene Stämme als auch Missionare auf Madagaskar sollen den Baum gekannt haben und die Berichte des deutschen Forschers untermauern können.

Ein weiteres Exemplar einer für den Menschen gefährlichen fleischfressenden Pflanze soll die Ya-te-veo-Pflanze sein. Übersetzt bedeutet das soviel wie: Ich sehe dich schon. Sie wächst in Teilen Mittel- und Südamerikas, hat aber auch Ableger in Afrika und an den Rändern des Indischen Ozeans. Es gibt viele verschiedene Beschreibungen der Pflanze, die vorrangig große Insekten frisst, aber auch schon versucht haben soll, Menschen zu fangen. Gemein haben alle Erzählungen, dass die Pflanze einen kurzen, dicken Stamm und lange Ranken hat, die sie zum Fangen ihrer Beute einsetzt. Fantastische Berichte behaupten, sie sei im Besitz eines Auges, mit dem sie die Beute lokalisieren kann. Die Eingeborenen sahen sie als schlechtes Omen. Man vermutete das Werk eines Magiers oder Hexenmeisters.

Ein weiteres vermeintliches Exemplar eines menschenfressenden Baumes sahen 2007 die Bewohner eines Waldgebietes in Indien. Die Pflanze versuchte eine Kuh zu essen, die zum Weiden in den Wald gelassen worden war. Wie aus dem Nichts sei die Kuh plötzlich von den Ästen des Baumes gepackt und vom Boden gezogen worden. Die restliche Herde rannte verstört davon, der Kuhhirte holte Dorfbewohner zu Hilfe. Diese schlugen mit Stöcken auf die Ranken des Baumes ein, bis diese schlaff wurden und von der Kuh abließen. Ein Forstbeamter berichtete, der Baum sei bei den Einheimischen als Pili Mara (Tigerbaum) bekannt.

Ein nach dem Vorfall recherchierendes Kamarateam erfuhr von zahlreichen ähnlichen Vorfällen. Viele Dorfbewohner beschwerten sich darüber, dass Rinder ohne Schwänze von der Weide zurückkehrten. Sie führten das Fernsehteam zu der vermeintlichen Stelle, an der die Kuh vom Baum erfasst worden war. Außer zahlreicher zerborstener Äste war jedoch zu dem Zeitpunkt nichts verdächtiges zu sehen.

Trotz der Beschwerden der Dorfbewohner und der Berichterstattung im Fernsehen gab es keine offiziellen Untersuchungen im Fall des Kühe essenden Baumes. Wissenschaftlich belegt ist seine Existenz demnach nicht.