Ältester moderner Mensch enthüllt Wurzeln der Ureinwohner

Hominoide, Primaten und Wildmenschen

Ältester moderner Mensch enthüllt Wurzeln der Ureinwohner

Beitragvon Tobias » 02.12.2013 00:19

Hallo,

manchmal lohnen sich Newsletter von irgendwelchen Internetshops auch inhaltlich. Die Firma Krantz, die für Mineralien und Sammler/Sucherzubehör bekannt ist, schrieb heute folgendes in ihrem Newsletter:
Die Ureinwohner Amerikas haben europäische Wurzeln. Das verriet nun das Genom eines Jungen der vor 24.000 Jahren im heutigen Sibirien lebte. Während viele Vorfahren der ersten Amerikaner nachweislich aus Ostasien stammten, weist das Genom des Jungen aus Mal´ta (Sibirien) eindeutig auf West-Europäische Vorfahren hin. Über ein Drittel der Gen-Sequenz entspricht der eines heutigen Europäers oder West-Asiaten.

Während der kältesten Phase der letzten Eiszeit wanderten die Leute aus West-Eurasien immer weiter nach Osten als irgendjemand zuvor angenommen hätte. "An einem gewissen Punkt in der Vergangenheit müssen sich die Leute aus Ost-Asien und West-Eurasien getroffen und häufig gepaart haben", so der paläogeneische Leiter der Studie Eske Willerslev von der Universität von Kopenhagen. Von Sibirien aus wanderten diese Menschen dann vermutlich noch während der letzte Eiszeit in Nordamerika und später von dort aus nach Südamerika ein und wurden so zu den ersten Ureinwohnern Amerikas.
Erstaunlicher Weise weist das Genom, welches aus dem Unterarm des Jungen aus Sibirien entnommen wurde, die gleichen Gensequenzen auf wie die DNA eines heutigen West-Asiaten oder Europäers, hat aber keine Gemeinsamkeiten mit den Genen eines Ost-Asiaten. "Genetisch hatte der Junge nichts mit einem heutigen Asiaten gemein. Er wird äußerlich wie ein Europäer ausgesehen haben, " sagt Willerslev. "Was uns jedoch wirklich erstaunte, war die Tatsache, dass auch Gensequenzen zu finden waren, die heute nur bei Ureinwohnern Amerikas vorzufinden sind." Das bedeutet, dass der Junge aus Sibirien und seine Verwandten die direkten Vorfahren dieser Menschen gewesen sein müssen. Auch wenn es weiterhin unsicher ist, ob der Kontinent Amerika ein- oder mehrfach besiedelt worden ist, die Besiedelung muss durch diese Menschengruppe über den Osten und nicht über den Westen des Landes erfolgt sein. Auch wenn die Gene selbst etwas anderes vermuten lassen würden. Quelle: Nature


Die Studie bekommt vor allem vor dem Hintergrund des Kennewick-Mannes Bedeutung: Dieser Mann starb etwa 7300 vor Christus und wurde in Kennewick im US-Bundesstaat Washington beigesetzt.
Von diesem Mann fand man den Schädel und etwa 350 Knochenfragmente, unter anderem die Hüfte, in der ein Stück einer steinernen Speerspitze steckte. Diese Verletzung war vermutlich nicht tödlich. Der Mann war zum Zeitpunkt seines Todes knapp 40 Jahre alt und gut 1m70 groß. Er wurde in einer flachen Grube, etwa 130 m von einem Fluss entfernt, beigesetzt.
Bemerkenswert ist dieser Fund, da der Mann zahlreiche Merkmale aufweist, die nicht mit den zeitgenössischen Indianern übereinstimmen. Die Rekonstruktion des Kennewick-Mannes brachte ein Portrait hervor, das Jean-Luc Picard erstaunlich ähnlich sieht.
Bild

Bisher wurde der Kennewick-Mann als Ainu, also als ein Zugehöriger der japanischen Urbevölkerung gesehen. Eine genetische Untersuchung brachte 2012 aufgrund zu weit zerstörter DNA keine brauchbaren Ergebnisse.

Ebenso abweichende Merkmale trägt der Spirit-Cave-Man, eine etwa 9400 Jahre alte Mumie aus der Spirit Cave in Nevada. Der etwa 55 jährige Mann verstarb an einer Blutvergiftung, die in Folge einer Zahnentzündung entstand. Auch er weist Merkmale auf, die am ehesten den Ainu zugerechnet werden.

Die knapp 10700 Jahre alte (Radiokarbonjahre) Buhl-Woman aus dem Twin Falls County in Idaho weist wiederum eindeutig indianische Züge auf.

Die Besiedlung Amerikas war also wesentlich vielgestaltiger, als sich die Amerikanistik sich das vor kurzem noch vorgestellt hat.

Schöne Grüße

Tobias
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um so eindeutiger muss der Beweis sein, um akzeptiert zu werden."

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Re: Ältester moderne Mensch enthüllt die Wurzen der Ureinwoh

Beitragvon Tobias » 20.06.2015 18:36

Hallo,

es gibt Neues vom Kennewick-Mann.

In den letzten Jahren schwelte ein Streit zwischen den Indianern und dem Burke Museum of Natural History and Culture in Seattle. Nicht weniger als fünf Indianerstämme, die in der Fundregion leben, ehren den Kennewick-Mann als frühen Ahnen - und wollen ihn nach ihren Rieten bestatten.

Nach dem US-Gesetz dürfen die Ureinwohner über die Überreste ihrer Vorfahren selbst bestimmen. Allerdings muss zu diesem Zweck erst einmal festgestellt werden, ob der Kennewick-Mann tatsächlich ein Urahn der heutigen Indianer war. Daher ordnete ein US-Gericht eine erneute DNA-Untersuchung an. Eine anthropologische Studie aus dem Jahren 2014 stellte den Kennwick-Mann in die Nähe der Ainu und Polynesier.

Die jüngst veröffentlichte genetische Studie zeigt jedoch ein anderes Bild. Modernere Methoden, insbesondere im Breich der kürzeren Seqzenzen eröffneten neue Möglichkeiten: "Die neue Genanalyse zeigt, dass der Kennewick-Mann näher mit modernen Indianern verwandt ist als mit jeder anderen lebenden Bevölkerungsgruppe", schreiben die Autoren um Morten Rasmussen von der Uni Kopenhagen. Man konnte den Mann keiner bestimmten Gruppe von Indianern zuordnen, er sei jedoch eng verwandt mit den in der Region lebenden Coville-Indianern.

"Zurzeit können wir unmöglich bestimmen, welche heutigen Indianer am engsten mit dem Kennewick-Mann verwandt sind", sagt Willerslev. "Denn unsere Vergleichsdatenbank ist begrenzt, vor allem was die Indianer in den USA betrifft."
Ob dies zu weiterem Streit führt, welche Bevölkerungsgruppe den Kennewick-Mann bestatten darf, steht auf einem anderen Blatt.

Viele Grüße

Tobias
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